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Zentrum für Geriatrie und Gerontologie Freiburg - ZGGF

Gerontopsychiatrische Institutsambulanz

Altern an sich ist keine Krankheit, jedoch können mit zunehmendem Lebensalter und der damit verbundenen Veränderungen auch Störungen der seelischen Gesundheit älterer Menschen auftreten. Depression, Angststörungen oder Schlafstörungen betreffen ca. 10 bis 20% aller älteren Patienten in einer allgemeinmedizinischen Praxis und sind bis zum 80. Lebensjahr häufiger als Demenzerkrankungen.

Psychische Erkrankungen im Alter sind jedoch therapierbar und nicht unbeeinflussbare Folge von Verlusterfahrungen und somatischen Einschränkungen. Eine alleinige Behandlung von Teilsymptomen, z. B. Schlafstörungen, reicht allerdings zumeist nicht aus. Klagen über körperliche Beschwerden (Verdauungsstörungen, Schwindel, Schmerzen) können im Rahmen einer Depression zum Beschwerdebild gehören.

Aufgrund der Häufigkeit psychischer Störungen im Alter und deren Bedeutung für die Lebensqualität bietet das ZGGF eine Vorstellung Betroffener im Rahmen der Gerontopsychiatrischen Sprechstunde an. Erreichen diese ein Ausmaß der manifesten Beeinträchtigung von Lebensalltag und Lebensqualität kann Beratung und Unterstützung hilfreich und erforderlich werden. Stimmungsveränderungen bis hin zu depressiven Störungen, Ängsten, Wahrnehmungsstörungen (z.B. Verkennungen der Wirklichkeit) und wahnhaften Symptome sind möglich. Diese können in Zusammenhang mit hirnorganischen Veränderungen bzw. demenziellen Prozessen stehen, treten jedoch auch unabhängig davon auf. Veränderungen des Schlafs sowie gesteigerter Konsum von psychotrop wirksamer Substanzen (Medikamente, Alkohol) sind mögliche Themen unserer Sprechstunde.

Die Diagnosestellung einer Demenz steht meist zu Beginn der demenziellen Erkrankung. Im Laufe des Krankheitsprozess können verschiedene sowohl kognitive als auch nicht-kognitive Symptome (wahnhafte Störungen, Halluzinationen) und  „herausfordernde“ Verhaltensweisen auftreten. In unserer Gerontopsychiatrischen Sprechstunde erhalten Betroffene und deren Bezugspersonen Beratung und Behandlung sowohl nichtmedikamentöser als auch medikamentöser Art zu unterschiedlichen Fragestellungen bei Demenz und deren mögliche Begleiterkrankungen.

Häufige Krankheitsbilder

Depression ist die häufigste psychische Erkrankung im Alter, ab dem 80zigsten Lebensjahr rücken demenzielle Störungen in den Vordergrund.

Bei 30-40% der Hausarztbesuche  älterer Menschen spielt  - nach Schätzung von Martin Hautzinger (2000) - eine unerkannte Depression eine Rolle.  Dies liegt u.a. an den Besonderheiten depressiver Störungen im Alter, die zum Teil deutlich von den Symptomen jüngerer depressiver Menschen abweichen können. Ältere depressive Menschen leiden häufiger neben Schlaf-, Appetitstörungen bis zu deutlichem ungewollten Gewichtsverlust besonders unter körperlichen Beschwerden und Gedächtniseinschränkungen. 

Verwechslungen mit einer beginnenden Demenz sind möglich und werden als kognitive Störung bei Depression  bzw. früher als „Pseudodemenz“ bezeichnet. Symptome der Depression wie Ein- und Durchschlafstörungen, sozialer Rückzug und Freudlosigkeit werden als typische Alterserscheinung verkannt und somit nicht behandelt.  Erschwerend leiden ältere Menschen meist bereits unter verschiedenen chronischen körperlichen Erkrankungen (Multimorbidität).

Mit zunehmenden Alter bestehen eine Reihe von Risikofaktoren für die Entwicklung depressiver Störungen wie zunehmende Verlusterfahrungen (Partner, Wohnungswechsel, Versterben von Bezugspersonen oder Freunden) aber auch drohender Autonomieverlust sowie vermehrte Ängste einer möglichen Beeinträchtigung der eigenen Entscheidungsfreiheit. Dies stellen auch mögliche Ursachen für eine erhöhte Suizidalität im Alter dar.

Liegt eine Depression vor, lassen sich die vorliegenden Symptome durch eine entsprechende Therapie in der Regel deutlich verbessern. Neben einer medikamentösen Behandlung gibt es auch nicht-medikamentöse Psychotherapie-Konzepte, die zum Ziel haben, die depressive Stimmung nicht als Bestandteil des Alters zu akzeptieren, sondern durch viele kleine Schritte zu mehr Aktivität und Lebensfreude zurückzukehren. Beide der genannten Therapieformen finden auch bei uns, im Bereich Gerontopsychiatrie, Anwendung.

Ängste zählen zu unseren Grundemotionen wie Freude, Wut, Trauer. Werden sie jedoch überwertig und beeinträchtigen sie sowohl den Alltag als auch die Lebensqualität, sodass die Lebensführung wesentlich negativ beeinflusst wird, sprechen wir von Angststörungen. Sie zählen zu den häufigen psychischen Störungen auch im Alter und können sich sehr vielfältig äußern.

Ängste können sowohl ungerichtet (diffuse Angstgefühle, allgemeine Besorgnis) als auch umgrenzt, gegen etwas gerichtet (z.B. Höhen-, Platzangst) auftreten und von körperlichen Symptomen begleitet werden (Herzrasen, Beklemmungsgefühl, Atemnot, vermehrtes Schwitzen etc).  Die Unterscheidung zu häufig in der älteren Lebensphase auftretenden körperlichen Erkrankungen ist nicht immer leicht, da diese ebenfalls von Ängsten begleitet werden können. Sie zu erkennen und frühzeitig zu behandeln, trägt wesentlich zur Lebensqualität der Betroffenen bei.

Schlafstörungen nehmen im Alter zu und können Ausdruck einer körperlichen Erkrankung oder psychischen Belastung sein. So ist ein frühes Erwachen (3.00 bis 5.00 Uhr morgens) oft Folge einer Stressbelastung, während „unruhige Beine“ für eine nächtliche Bewegungsstörung sprechen.

Eine Beratung kann dann zur Verordnung eines geeigneten Medikamentes oder zur Empfehlung einer gezielten Schlaflaboruntersuchung führen. Dabei gilt es insbesondere, im Alter ungeeignete Medikamente zu vermeiden.

Wahnhafte Symptome können eine subjektive, unkorrigierbar starre und lebensbestimmende Überzeugung eines Menschen von sich selbst und/oder seiner Umwelt beinhalten.

Sie sind im Rahmen einer demenziellen Entwicklung im Alter zu beobachten oder können als anhaltend wahnhafte Störung ohne kognitive Beeinträchtigung bzw. bei Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis auftreten. Das erstmalige Auftreten von sogenannten Spätschizophrenien ist allerdings im höheren Alter selten anzutreffen.

Halluzinationen sind Fehlwahrnehmungen der Wirklichkeit, welche jedoch von den Betroffenen als real erlebt werden. Im Alter sind sie gelegentlich im Rahmen von hirnorganischen Veränderungen (organische Halluzinose) bzw. demenziellen Prozessen (Demenz) oder bei akuten Verwirrtheitszuständen (delirante Syndrome) und auch Beeinträchtigung der visuellen, akustischen Sinneswahrnehmung (z.B. Charles-Bonnet-Syndrom) bei sensorischer Deprivation zu beobachten.

Sie können für die Betroffenen selbst als auch für ihr soziales Umfeld als sehr belastend und die Lebensqualität beeinträchtigend erlebt werden.

Unter Gedächtnisstörungen versteht man Schwierigkeiten, sich Informationen (Gesprächsinhalte, Namen, Wege, Erlebnisse) einzuprägen, zu behalten und sich später daran zu erinnern, aber auch Vorhaben zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt auszuführen (z.B. Termine, Verabredungen einzuhalten).

Gedächtnisstörungen können unterschiedliche Ursachen haben (z.B. psychische Störungen (bspw. Depression), Stress, Demenz u.a.) und müssen dementsprechend auch mit unterschiedlichen Methoden behandelt werden. Unsere Memory-Ambulanz ist für die Abklärung der Ursachen von Gedächtnisstörungen zuständig.

„Herausfordernde“ Verhaltensweisen können in jedem Stadium einer demenziellen Erkrankung zeitweise  auftreten und die betreuenden Personen durch ihr Verhalten „herausfordern“. Dies kann z.B. störende, abweisend- abwehrende bis zu aggressiv gefärbte passive bzw. aktive Handlungen umfassen. Das Verhaltensspektrum kann hierbei sehr unterschiedlich sein.

Häufig liegen diesen Verhaltensweisen Ängste, Verkennungen der Realität, biografische Bezüge und andere mögliche Ursachen zu Grunde.

Von den betreuenden Bezugspersonen können diese Verhaltensweisen initial als störend, beängstigend und fremdartig erlebt werden, häufig in Unkenntnis der zugrunde liegenden Ursachen und Auslöser. Diese gilt es gemeinsam mit Angehörigen, Pflegefachkräften und professionellen Helferinnen, Helfern z.B. in der gerontopsychiatrischen Institutsambulanz zu finden, zu behandeln und professionell umzugehen.   

Zentrum für Geriatrie und Gerontologie Freiburg

Lehener Strasse 88
79106 Freiburg

Sekretariat
Angelika Kotz
Tel:  0761-270-70980
Fax: 0761-270-70890
Mail: ZGGF-Info@uniklinik-freiburg.de

Ärztliche Leitung des ZGGF

Dr. Bernhard Heimbach

Wissenschaftliche Leitung des ZGGF

PD Dr. Christoph Maurer

Ärztliche Leitung der Gerontopsychiatrischen Institutsambulanz

Dr. Margrit Ott