Zu den Inhalten springen

Wir überwinden Grenzen

Kontextnavigation:

Kunst & Kultur

Die Kunstwerke

Tonus, 1995

von Kazuo Katase

Installationen im Universitätsklinikum
Kunst im öffentlichen Raum

Reif: Metall, farbig eloxiert (gelb) und einbrennlackiert (schwarz) Durchmesser 15 m, Breite 75 100 cm, Tiefe 30 cm.Keil: Metall, gerostet, 100 x 100 x 400 cm.Kugel: Granit, Durchmesser 100 cm.Halbkugel. Granit, Durchmesser 100 cm, Höhe 50 cm

Universitätsklinikum Freiburg
zwischen Neurozentrum und Frauenklinik
Breisacherstraße

 

 

In der Ruhe liegt die Kraft

Die von ihren Ausmaßen her größte Plastik in Freiburg, sowohl in ihrer Höhe als auch in der flächenmäßigen Ausdehnung, befindet sich am Neurozentrum der Universitätsklinik an der Breisacher Straße. Betritt der Betrachter von hier aus das Gelände, ist er von dem gleichermaßen schlichten wie monumentalen Kunstwerk beeindruckt.

Das Konzept der "Tonus", Spannung, betitelten Arbeit stammt von dem japanischen, in Kassel lebenden Künstler Kazuo Katase, documenta Teilnehmer von 1992. Mit seinem Werk war er der Gewinner eines begrenzten Wettbewerbs der Oberfinanzdirektion Freiburg zur Kunst am Bau¹.

Die 1995 errichtete Plastik besteht aus drei Teilen, die sich sowohl in der Form als auch in der Symbolik aufeinander beziehen.

Den auffälligsten und wichtigsten Teil des weitläufigen Environments bildet ein 32 Tonnen schwerer, gelb- und schwarzfarbener Stahlring von 15 Metern Durchmesser, der aufrecht an einem Hang steht. Zu ihm gehört ein aus Cortenstahlplatten zusammmengeschweißter, rostiger Keil, der den Ring scheinbar am Wegrollen hindert. Eine Kugel mit eingraviertem Stern und eine Halbkugel mit jeweils einem Meter Durchmesser, beide aus schwarzem, glatt poliertem Granit gefertigt, vervollständigen das Ensemble, das in der Vorstellung von oben ein imaginäres Dreieck bildet.

Das dominierende Element, der Ring, spielt mit seiner Form zunächst auf den "Lorenzring" an, jene ringförmige Zusammenfassung aller Kliniken, die Oberregierungsbaurat Adolf Lorenz 1926 konzipiert hatte, die aber nach dem 2. Weltkrieg nicht vollendet wurde neue Klinikbauten folgten dieser Planung nicht.

Katases Ring besitzt in seiner komplexen Symbolik aber auch philosophische und medizinische Bezüge. "Die Farbe Gelb steht für Energie und Aktivität", erläutert Katase. "Die Farbe Schwarz für Ruhe und Entspannung. Das Helle und das Dunkle unseres Lebens müssen in einem dymanischen Spannungsverhältnis stehen."² Katase findet mit seinem schwarzgelben Ring eine Ausdrucksform, die an das Prinzip des Yin und Yang erinnert, das in der fernöstlichen Philosophie und in deren Medizin eine große Rolle spielt. Dem Yin entspricht dort das Negative, Weibliche, Dunkle, Passive, dem Yang das Positive, Männliche, Helle und Aktive. Beide Kräfte müssen in Balance gehalten werden. Entsteht eine Disharmonie, zum Beispiel durch Krankheit, so muß die Medizin versuchen, dem Menschen das verlorene Gleichgewicht zurückzugeben. Diese wird mit dem Keil versinnbildlicht, der den Ring in der notwendigen Balance hält.

Die Einheit mit der inneren und der äußeren Welt, in der sich der Mensch befindet, Mikro und Makrokosmos, soll durch die Granitkugel und ihren Stern auf dem Vorplatz des Neurozentrums versinnbildlicht werden.

Die schwarze Halbkugel wiederum, deren Schnittfläche als flache Schale konzipiert ist, die Wasser aufnimmt und abgibt, ist als eine Metapher auf die menschliche Fähigkeit des Nehmens und Gebens zu verstehen. Gestalterisch greift sie die Formen von Ring, Kugel und dem kreisförmigen Brunnen, der nicht eigentlich zum Werk von Kazuo Katase gehört, noch einmal auf.

Auf Anregung des Universitätsbauamtes wurde Katase von der Kunstkommission der Oberfinanzdirektion nach der Fertigstellung der "Tonus" Gruppe gebeten, einen Entwurf zur Erweiterung seines Konzeptes für den Platz vor der Medizinischen Klinik vorzulegen, den Kreuzungspunkt zweier durch das Klinikgelände führender Wegachsen.

Siehe auch Stimme vom Berg

Der Künstler selbst betont zudem die meditative Funktion seines Kunstwerks: "Die Menschen sollten in Ruhe dem Berg begegnen, ihn beobachten, um ihre innere Stimme zu hören und ihr Dasein zu fühlen".5

Kai Fischle

 

 


Kazuo Katesegeboren 1947 in Shizuoka / Japan. Kazuo Katase siedelte nach ersten Erfolgen mit Einzelausstellungen in Japan im Jahre 1975 nach Deutschland über. Er hatte u. a. 1985 eine Ausstellung in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München, 1989 im Centre National d'Art Contemporian de Grenoble und 1991 im New Museum of Contemporary Art, New York. 1992 war Katase Teilnehmer der documenta 9 in Kassel. Der Stadt Freiburg ist er seit seiner Ausstellung im Adelhauser Kloster im Jahre 1988 verbunden. Seit 1976 lebt und arbeitet der Künstler in Kassel.
Tonus (Kazuo Katase)
  1. Um Wettbewerbsentwürfe waren auch Tony Cragg, Günther Förg und Ansgar Nierhoff gebeten worden, die wie Katase selbst alle bereits documenta Teilnehmer waren.
  2. Kazuo Katase: Tonus, 1995. Entwurf für eine Informationstafel. Fax an das Universitätsbauamt.
  3. Über einem Haiku in der Schneekuppe verewigte Katase seinen Dank an die Wegbereiter des Gesamtwerkes, Finanzpräsident Peter Körner und Prof. Dr. Hermann Frommhold.
  4. Dold 1996, S. 27.
  5. Zit. nach ebd.
Literatur
  • Anonym: Die neue Mitte - Die Stimme des Berges. In: amPuls. Mitarbeiterzeitung des Universitätsklinikums Freiburg 11/1996.
  • Anonym: Kreis, Kugel, Keil und jetzt auch Kegel. Kazuo Katases Kunstwerk am Klinikum komplett. In: Badische Zeitung vom 12. Oktober 1996.
  • Anonym: Katase und die Stimme vom Berg. In: Hessische Allgemeine Zeitung vom 2. November 1996.
  • Anonym: Das Kunstwerk eines Documenta Künstlers wird Freiburger Uni-Klinik zieren. In: Schwarzwälder Bote vom 9. März 1995.
  • Julia Dold: "Stimme vom Berg", Erweiterung des Kunstbeitrages "Tonus" von Kazuo Katase auf dem Platz vor der Medizinischen Klinik im Universitätsklinikum Freiburg. In: OFD-Nachrichten 4/ 1996, S. 26 f.
  • Silke Neske: Kazuo Katase: Tonus. Hauptseminararbeit, Institut der Künste, Pädagogische Hochschule Freiburg 1997.
  • Brigitte von Savigny: Neurozentrum Freiburg. In: FM 1995, S. 108 110.
  • Stefan Tolksdorf: Ein Ring für die Neurologie. Am Freiburger Uniklinikum wird Kazuo Katases Skulpturengruppe "Tonus" installiert. In: Badische Zeitung vom 18 März 1995.
  • Walter Vetter: Adolf Lorenz, ein begnadeter Architekt und Städtebauer. In: Freiburger Almanach 1980, S. 61 70.

Quelle: Michael Klant: Skulpturen in Freiburg - Kunst des 20. Jahrhunderts im öffentlichen Raum
mondo Verlag GmbH Freiburg, 1. Auflage 1998, ISBN 3-922675-76-X.

Universitätsklinikum Freiburg

Hugstetter Straße 55
79106 Freiburg
Telefon: 0761 270-0
Telefax: 0761 270-20200
info@uniklinik-freiburg.de