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Wir überwinden Grenzen

Leben retten mit Organspende

Intensivmedizin

(26.02.2018) Noch nie waren die Organspendezahlen in Deutschland so niedrig wie momentan. Woran das liegt und was es bedeutet, Spender zu werden, erklärt ein Experte des Universitätsklinikums Freiburg.

Eigentlich sind die meisten Menschen in Deutschland dem Thema Organspende gegenüber positiv eingestellt. Das hat eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2016 ergeben. Trotzdem gibt es seit Jahren immer weniger Spendeorgane und viele Menschen müssen sehr lang auf eine lebensrettende Transplantation warten. Dr. Klaus Michael Lücking ist Transplantationsbeauftragter des Universitätsklinikums Freiburg. Im Interview beantwortet er wichtige Fragen zur Organspende.

Eine Organspende kann im Ernstfall Leben retten. ©ALDECAstudio /fotolia.de

imFokus: Weshalb gibt es in Deutschland wenige Organspender?
Dr. Lücking: Dafür gibt es eine Vielzahl von Ursachen. Zunächst einmal hat trotz der überwältigenden Zustimmung zur Organspende nicht einmal jeder Dritte einen Organspendeausweis. Und selbst das darf bezweifelt werden, denn bei den Patienten auf unseren Intensivstationen, bei denen wir über eine Organspende nachdenken, ist ein Organspendeausweis die absolute Ausnahme.

Wenn Angehörige dann in der Extremsituation eine Entscheidung für oder gegen die Organspende treffen müssen, sind sie emotional oft so überfordert, dass sie sich nicht entscheiden können und im Zweifel „Nein“ zur Organspende sagen. Denn in Deutschland gilt die sogenannte (erweiterte) Zustimmungsregel: Eine Organspende darf nur durchgeführt werden kann, wenn die ausdrückliche Zustimmung des Spenders oder, falls er sich nicht dazu geäußert hat, seiner Angehörigen vorliegt.

Zudem ist in Deutschland eine Organspende nur erlaubt, wenn der „Hirntod“ als Todesursache festgestellt wurde.

Wie ist das in anderen Ländern geregelt?
In vielen Ländern ist eine postmortale Organspende möglich, wenn der Spender nicht ausdrücklich widersprochen hat (die sogenannte „Widerspruchslösung“). Außerdem kann sie vielerorts auch erfolgen, wenn der Tod durch Herzversagen eingetreten ist.

Ich möchte diese Unterschiede nicht werten. Es ist aber wichtig zu verstehen, dass diese unterschiedlichen Rahmenbedingungen in verschiedenen Ländern die Zahl der Organspenden stark beeinflussen.

Wie ließe sich die Situation verbessern?
Ich spreche mich für eine ehrliche und transparente Diskussion und die Auseinandersetzung mit dem Thema aus. Auch wenn der eigene Tod für die meisten Menschen ein sehr unangenehmes Thema ist, lohnt es sich, frühzeitig über das Thema nachzudenken und die eigenen Wünsche mit Angehörigen zu besprechen. Denn im Ernstfall kann ein Organspendeausweis nicht nur Leben retten, sondern auch den Liebsten viel Unsicherheit ersparen.  

Wie werde ich Organspender?
Grundsätzlich müssen drei Voraussetzungen erfüllt sein: Zunächst einmal muss die Einwilligung des Spenders vorliegen. Dies kann beispielsweise durch einen Organspendeausweis oder eine Patientenverfügung nachvollzogen werden. Falls es Unklarheiten gibt, entscheiden die Angehörigen im Interesse des Verstorbenen. Außerdem muss beim Spender der Hirntod, also der unumkehrbare Ausfall der gesamten Hirnfunktionen, eingetreten sein. Zudem ist es wichtig, dass die Spendeorgane gesund sind. Wenn Krankheiten wie Krebs oder AIDS vorliegen, kann eine Organspende nicht erfolgen.  

Kann mir ein Organspendeausweis Nachteile bringen, wenn ich in lebensbedohlichem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert werde?
Nein, diese Sorge ist unbegründet. Organe dürfen in Deutschland nur entnommen werden, wenn der Hirntod zweifelsfrei festgestellt wurde. Dies ist nur unter Fortführen der Intensivtherapie möglich. Der Hirntod wird von zwei unabhängigen Spezialisten untersucht, von denen mindestens einer ein erfahrener Neuromediziner ist. Beide sind nicht an der Organentnahme oder –transplantation beteiligt. Die Hirntod-Diagnostik ist sehr gut etabliert und sicher. Und außerdem: Sie können auf dem Organspende-Ausweis auch mit einem „Nein“ einer Organspende widersprechen!

Was machen Sie als Transplantationsbeauftragter genau?
Ich bin am Klinikum zentraler Ansprechpartner zum Thema Organspende für Mitarbeiter, Patienten und die zentrale Koordinierungsstelle Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO). Außerdem kümmere ich mich darum, dass die Wünsche der hirntoten Patienten im Hinblick auf ihre Entscheidung für oder gegen eine Organspende in vollem Umfang gewahrt werden.

Das beinhaltet, dass ich gemeinsam mit den Mitarbeitern auf den Intensivstationen kläre, ob eine Organspende aus medizinischer Sicht in Frage kommt, und mich an der intensivmedizinischen Betreuung potenzieller Spender sowie der Begleitung der Angehörigen beteilige. Der Austausch mit den Ärzten und Pflegenden auf den Intensivstationen ist dabei essentiell, weil sich hier oft entscheidet, ob eine Organspende in Frage kommt.

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