Zu den Inhalten springen

Wir überwinden Grenzen

Den Kopfschmerz wegoperiert

Neurochirurgie

(21.08.2019) Schwerste Kopfschmerzen im Stehen, die im Liegen wieder verschwinden: Hinter diesen Beschwerden steckt oft ein Unterdruck im Gehirn. Ärzte des Universitätsklinikums Freiburg haben die Ursache gefunden und können viele Betroffene heilen.

Der Kopfschmerz von Katharina P. war überwältigend. Er kam beim Aufstehen und war so stark, dass es die 29-jährige Psychologin nur wenige Minuten im Sitzen oder Stehen aushielt. Im Liegen verschwanden die Beschwerden wieder. Doch Ärzte in Wien, Paris und Straßburg nahmen sie nicht ernst oder konnten ihr nicht helfen. Professor Dr. Jürgen Beck, Ärztlicher Direktor der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Freiburg, glaubte ihr und begab sich auf die Suche nach der Ursache. „Solche Lage-Kopfschmerzen, auch als orthostatische Schmerzen bezeichnet, sind extrem belastend und können die Betroffenen im alltäglichen Leben sehr stark einschränken“, sagt Beck.

Manchmal können Kopfschmerzen überwältigend sein © Alliance / fotolia

Gehirn auf dem Trockenen

Der häufigste Grund für diese Beschwerden ist das sogenannte Liquorverlustsyndrom. Dabei fließt Liquorflüssigkeit, die eigentlich das Gehirn und das Rückenmark entlang der Wirbelsäule umspült, aus dem geschlossenen System aus. „Dadurch entsteht ein Unterdruck und das Gehirn liegt buchstäblich auf dem Trockenen“, erklärt der Neurochirurg. Auch Ohrgeräusche, Lichtscheu, Übelkeit sowie Wahrnehmungsstörungen können auftreten. Dazu kommen unspezifische Beschwerden wie eine erhöhte Herzfrequenz, Konzentrationsstörungen und Schwindel, die im Liegen nachlassen.

Hinweise auf das Vorliegen des Liquorverlustsyndroms liefert häufig die MRT-Bildgebung. Ob und wo das Leck liegt, muss mit weiteren Untersuchungen geklärt werden. In etwa der Hälfte der Fälle lässt sich das Liquorleck durch einen sogenannten Blutpatch verschließen. Professor Dr. Horst Urbach, Ärztlicher Direktor der Klinik für Neuroradiologie des Universitätsklinikums Freiburg, und sein Team haben damit sehr viel Erfahrung. „Dabei wird dem Patienten ein wenig körpereigenes Blut entnommen und unter Durchleuchtungs- oder CT-Kontrolle direkt ans Liquorleck gespritzt. Das Blut verklumpt und dichtet so das Loch ab“, erklärt er.

Stich in die Hirnhaut

Manchmal ist das Liquorleck schwer zu finden. Bei Katahrina P. hatte sich an einem Wirbel aus Ablagerungen ein winziger Knochensporn gebildet und wie eine Nadel ein Loch in die Hirnhaut gerissen. Mit einem Blutpatch ließ sich das Leck nicht abdichten. Als Beck das Problem erkannt hatte, entwickelte er ein komplexes mikrochirurgisches Verfahren, das gleichzeitig sehr wirksam und schonend ist. In einer einzigen Operation entfernt das Team den Sporn und näht das Leck mit einem Stich. Mittels Ultraschall, spezieller Farbstoff- Techniken und einer Nervenmessung wurde der Eingriff jederzeit genauestens kontrolliert. „Erstmals können wir die Betroffenen heilen, und zwar mehr als 90 Prozent der Patienten mit Knochensporn“, sagt Beck. Mittlerweile wurden weltweit rund 300 Menschen auf diese Weise operiert. Doch der Neurochirurg schätzt, dass mit dem Verfahren viel mehr Betroffenen geholfen werden könnte: „Die Dunkelziffer unerkannter Fälle ist mit Sicherheit sehr hoch.“ Üblicherweise verspüren die Patienten sofort nach dem chirurgischen Eingriff eine Besserung der Symptome. Auch Katharina P. ist nach der Operation geheilt. Sie hat keine Kopfschmerzen mehr und ist in ihren Beruf zurückgekehrt. Nach Freiburg muss sie nur noch einmal im Jahr zur Kontrolle.

Suche nach Artikeln

Universitätsklinikum Freiburg

Zentrale Information
Telefon: 0761 270-0
info@uniklinik-freiburg.de    

 

Unternehmenskommunikation

Breisacher Straße 153
79110 Freiburg
Telefon: 0761 270-84830
Telefax: 0761 270-9619030
kommunikation@uniklinik-freiburg.de