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Wir überwinden Grenzen

Entlastung für den Darm

Allgemein- und Viszeralchirurgie

Ein künstlicher Darmausgang klingt für viele Patienten nach einer großen Einschränkung. Doch der richtige Umgang damit bringt Routine und Sicherheit. © Ben Schonewille/ istockphoto

(03.03.2017) Ein künstlicher Darmausgang; das klingt für viele Patienten erst einmal nach einer großen Einschränkung in ihrem Leben. Sie müssen täglich den sogenannten Stoma-Beutel wechseln, der die Darmausscheidungen aufnimmt. Doch der richtige Umgang damit bringt Routine und Sicherheit. Sport und sogar schwimmen sind auch mit einem Stoma-Beutel möglich.

Die meisten Menschen, die einen künstlichen Darmausgang (Stoma) bekommen haben, haben eine Darmkrebserkrankung hinter sich oder leiden an Morbus Crohn. Aber auch bei schweren akuten Entzündungen der Darmschleimhaut können künstliche Darmausgänge notwendig sein. „Ein künstlicher Darmausgang soll den Darm entlasten“, sagt Dr. Philipp Manegold, Oberarzt an der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum Freiburg. Generell werden zwischen zwei unterschiedlichen Arten von Stomata unterschieden, die dauerhaften und die zeitlich befristeten. Bei einem dauerhaften künstlichen Darmausgang trägt der Patient sein Leben lang einen Stoma-Beutel am Körper. Bei einem zeitlich befristeten künstlichen Darmausgang wird der Darmausgang nach außen verlegt, um einen Darmabschnitt nach einer Erkrankung zu schonen. Dieser kann nach der Ausheilung wieder rückverlegt werden.

Bei manchen Darmkrebspatienten liegt der Tumor im Enddarm. Bei einer Operation entfernt der Chirurg den betroffenen Darmabschnitt mit der Wucherung. Ist jedoch auch der Schließmuskel vom Krebs befallen, kann dieser nicht erhalten werden. „Dann muss ein künstlicher Darmausgang angelegt werden“, sagt Dr. Manegold. Dafür wird das Ende des Darms nach außen zur Bauchdecke geführt. „Auf dem Bauch wird operativ eine Öffnung angelegt, in die das Darmende eingenäht wird“, erklärt Dr. Manegold. Der künstliche Darmausgang führt den Stuhlgang nach außen in einen Beutel, der an der Bauchdecke angebracht wird und die Ausscheidungen auffängt. Kann hingegen der Schließmuskel bei der Operation erhalten und die Darmenden wieder miteinander verbunden werden, kann es sinnvoll sein die neuangelegte Darmverbindung (Anastomose) durch einen befristete künstlichen Darmausgang zu schützen. Ist die Darmverbindung abgeheilt, wird das so genannte „Schutzstoma“ zurückgelegt.

Bereits vor einer Operation bekommen die Patienten ausführliche Informationen zum Thema Stoma. Die meisten Fragen kommen jedoch oft danach auf: Wie wechsele ich den Beutel? Welche Utensilien brauche ich, um den Beutel anzuschließen und was muss ich beim Duschen beachten? Ein Stomatherapeutin oder ein Stomatherapeut gibt Hilfestellung und Tipps für den richtigen Umgang. Am Universitätsklinikum Freiburg berät Stomatherapeutin Angelika Kohlrepp Patienten bei allen Fragen rund um das Thema Stoma und führt die Anleitung zur selbstständigen Stomaversorgung durch.

Beim Duschen gibt es mit einem Stoma-Beutel kein Problem. Wer schwimmen geht, kann zum Schutz einen Badegürtel tragen. Generell stehen einem Stoma-Träger so gut wie alle Sportarten offen, bei Unsicherheit kann man Rücksprache mit seinem Arzt halten. Für unterschiedliche Aktivitäten stehen Hilfsmittel zur Verfügung, die dem Patienten mehr Sicherheit geben können. Auch hierzu geben der behandelnde Arzt und die Stomatherapeuten gerne Auskünfte.

Auch beim Thema Ernährung gibt es keine weitreichenden Einschränkungen. Stoma-Träger dürfen weiterhin alle Lebensmittel essen, die ihnen schmecken. „Um Verdauungsbeschwerden zu vermeiden, sollte man lieber mehrere kleine Mahlzeiten als wenige große essen“, sagt Dr. Manegold. Fettiges Essen zu vermeiden und die Nahrung schonend zuzubereiten, hilft ebenfalls.

Eine sehr wichtige Anlaufstelle für Patienten, die vor einer Operation Rat zum Thema Stoma suchen oder die bereits mit einem Stoma leben, sind die Selbsthilfegruppen. Die Selbsthilfegruppen der Deutschen ILCO (www.ilco.de) und der Deutschen Morbus Crohn/ Colitis ulcerosa Vereinigung (www.dccv.de) stellen auf ihren Internetseiten aktuelle und aus dem Leben gegriffene Informationen zur Verfügung. Auch werden durch die Selbsthilfegruppen Beratungen und ein direkter, persönlicher Austausch mit Betroffenen ermöglicht.

Oft wird die alleinige Vorstellung mit einem künstlichen Darmausgang leben zu müssen, erst als eine große Einschränkung empfunden. Mit der richtigen Beratung und Hilfestellung insbesondere in der Anfangsphase können aber die meisten Ängste und Zweifel beseitigt werden. In einigen Fällen bedeutet der künstliche Darmausgang sogar einen Gewinn an neuer Lebensqualität.

(FK)

Kontakt

Angelika Kohlrepp
Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Stomatherapeutin
Telefon: 0761/270 24410
stomatherapie.chir@uniklinik-freiburg.de

Dr. Philipp Manegold
Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Kolorektale Chirurgie
Proktologie, Inkontinenz und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
Telefon: 0761 / 270-25480

 

 

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