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Krebsvorsorge: HPV-Impfung für Mädchen und Jungs sinnvoll

Frauenheilkunde

Um das Risiko einer Infektion zu vermeiden, wird eine Impfung gegen Human-Papillom-Viren vor dem ersten Geschlechtsverkehr empfohlen. © Adam Gregor/ Fotolia

(04.04.2017) Mehr als 3.600 Frauen erkranken jährlich in Deutschland an Gebärmutterhalskrebs. Als wichtigster Auslöser für die Erkrankung gilt das humane Papilloma-Virus, kurz HPV. Doch obwohl seit 2014 eine HPV-Schutzimpfung von der Ständigen Impfkommission am Robert Koch Institut für Mädchen von neun bis 14 Jahren generell empfohlen wird,  sind gerade einmal 40 Prozent der 17-Jährigen Frauen ausreichend geschützt. PD Dr. Maximilian Klar, Leitender Oberarzt der Klinik für Frauenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg, und Professor Dr. Philipp Henneke, Leiter der Sektion für Pädiatrische Infektiologie und Rheumatologie am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Freiburg, erklären, wie die gut verträgliche Impfung schützt.

Das HPV wird meist beim Geschlechtsverkehr übertragen. Rund 90 Prozent aller sexuell aktiven Menschen stecken sich im Laufe ihres Lebens damit an. „Eine Infektion kann auch bei Benutzung eines Kondoms auftreten, da bereits der Hautkontakt im Genitalbereich infektiös ist“, warnt Dr. Klar. Viele Infektionen mit einem der über 100 Virustypen bleiben unbemerkt. Manche Viren verursachen lästige, aber harmlose Feigwarzen im Genitalbereich, die häufigste sexuell übertragbare Krankheit. Doch insbesondere zwei Virustypen können zu bösartigen Veränderungen in Haut- und Schleimhautzellen führen und dadurch Gebärmutterhalskrebs, aber auch Vulva- und Vaginalkarzinome auslösen. Mittlerweile ist klar, dass Männer nicht nur Virus-Überträger auf Frauen sind, sondern das HPV auch für die männliche Gesundheit direkt relevant ist: HPV verursacht Peniskarzinome, sowie bei beiden Geschlechtern Anal- und Mund-Rachen-Karzinome.

Seit rund zehn Jahren gibt es eine Impfung, die vor den wichtigsten krebsauslösenden HP-Virustypen schützt. Seit 2016 ist ein Impfstoff verfügbar, der zusätzlich auch gegen die HPV-Erreger der Feigwarzen schützt. Die Impfungen enthalten nur Bruchstücke der Viren und stimulieren so das Immunsystem, ohne eine echte Infektion auszulösen. „Die HPV-Impfung ist eine extrem wirksame Waffe, wie wir sie uns bei vielen Krebserkrankungen wünschen würden“, sagt Dr. Klar. Der Gynäkologe schätzt, dass mit einer flächendeckenden Impfung mindestens zwei von drei Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen verhindert werden könnten. „Gebärmutterhalskrebs ist heute in vielen Fällen vermeidbar, wenn rechtzeitig geimpft wird“, sagt Dr. Klar. Um das Risiko einer Infektion zu vermeiden, wird eine Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr empfohlen. Bei den modernen Impfstoffen genügen zwei Impfungen im Abstand von sechs Monaten.

Aber auch ältere Mädchen können von der Schutzimpfung profitieren. Eine unvollständige Immunisierung sollte in jedem Fall bis zum 18. Lebensjahr komplettiert werden. „Die Impfung schützt auch nach einer Erkrankung vor neuen Infektionen. Wir gehen derzeit davon aus, dass der Impfschutz bis zu 20 Jahre hält. Das ist länger als der Immunschutz nach einer natürlichen Infektion “, sagt Professor Henneke.

Auch bei Jungen und jungen Männern hält Professor Henneke eine  Impfung für empfehlenswert: „Die Impfung schützt Männer vor HPV-Infektionen, und damit auch ihre Partner und Partnerinnen “, sagt Professor Henneke. Da für Frauen ab 15 Jahren und für Männer keine offizielle Impfempfehlung vorliegt, sollten Interessierte mit ihrer Krankenkasse vorab über die Kostenübernahme reden, die in vielen Fällen gewährt wird.

(JF)

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