Zu den Inhalten springen

Wir überwinden Grenzen

Wenn Hormone eine Schwangerschaft verhindern

Frauenheilkunde

Für Frauen, die am PCO-Syndromleiden und schwanger werden möchten, bietet sich eine hormonelle Behandlung an, die den Eisprung wieder in Gang bringt. © stadtratte/ Fotolia

(17.02.2017) Wenn Frauen im gebärfähigen Alter einen unerfüllten Kinderwunsch haben, ist eine mögliche Ursache das sogenannte polyzystische Ovarsyndrom, kurz PCO-Syndrom. Dr. Philipp Wiehle ist Leiter des Bereichs für Endokrinologie und Reproduktionsmedizin an der Klinik für Frauenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg. Er erklärt, wie die Krankheit erkannt und behandelt werden kann.

Die Symptome des PCO-Syndroms sind vielfältig. „Die betroffenen Frauen haben definitionsgemäß  verlängerte Menstruationszyklen oder sogar eine gänzlich ausbleibende Regelblutung. Eine verminderte Fruchtbarkeit bis hin zur Unfruchtbarkeit kann die Folge sein. Außerdem weisen sie oft Zeichen erhöhter männlicher Hormonspiegel wie übermäßigen Haarwuchs an Oberlippe, Kinn und Wange, aber auch an Oberschenkeln, Bauch, Brust und Rücken oder Akne auf. Haarausfall am Kopf kann hinzukommen“, so der Gynäkologe. Häufig lässt sich auch eine Zuckerstoffwechselstörung nachweisen, die eine Gewichtszunahme bis hin zum krankhaften Übergewicht vom männlichen Fettverteilungstyp begünstigt.

Der  steigende Anteil an Bauchfett kann langfristig schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes verursachen, weshalb es auch bei Frauen ohne unerfüllten Kinderwunsch wichtig ist, die Erkrankung zu erkennen und zu behandeln. Darüber hinaus bedeutet das Syndrom eine hohe psychische Belastung für die betroffenen Frauen.

Was die Erkrankung genau auslöst, ist bislang unbekannt

Beim PCO-Syndrom gerät der Hormonhaushalt durcheinander, wodurch unreife Eizellen nicht mehr adäquat zur Reifung angeregt werden, so dass es nur seltener oder gar nicht zum Eisprung kommt. Die Eierstöcke produzieren derweil zu viel des männlichen Hormons Testosteron, das sich im Blutkreislauf ansammelt.

Zudem ist die Insulinproduktion sehr häufig gestört. Die Körperzellen, die vom Botenstoff Insulin vermittelt bekommen, Zucker aus dem Blut aufzunehmen, verarbeiten diese Botschaft nicht richtig und entfernen somit nicht genügend Zucker aus dem Blut. Die Bauchspeicheldrüse reagiert auf diesen Missstand mit einer erhöhten Ausschüttung von Insulin, um den Zuckerspiegel noch im Lot halten zu können. Die Folgen von erhöhtem Insulin im Blut sind nicht zu unterschätzen: Es wird verstärkt Fett in der Leber gebildet, das Fettgewebe wird vermehrt aufgebaut und auch noch mehr Testosteron gebildet, was das Bild des PCO-Syndroms verstärkt.

Ein wesentlicher Schritt zur Diagnose des PCO-Syndroms ist die genaue Erhebung der Krankengeschichte mit Augenmerk auf den oben beschriebenen Symptomen. Richtungsweisend ist auch die Ultraschall-Untersuchung. „Auf dem Ultraschallbild lassen sich viele kleine Bläschen, sogenannte Zysten, an der Rinde der Eierstöcke erkennen, die aussehen, als wären sie wie an einer Perlenschnur rosenkranzartig aufgereiht“, erklärt Dr. Wiehle. Auch die Bestimmung der Blut-Hormonspiegel ist für die sichere Diagnose wichtig. Andere Ursachen für die Zyklusstörung müssen ausgeschlossen werden.

Die Krankheit beginnt meist zwischen dem 15. und dem 25. Lebensjahr. In Deutschland leiden etwa eine Million Frauen darunter. Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit etwa fünf bis zehn Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter betroffen sind.

Das PCO-Syndrom kann zwar nicht geheilt, aber sehr erfolgreich behandelt werden. Dr. Wiehle empfiehlt dabei verschiedene Therapieansätze, die sich vor allem darin unterscheiden, ob ein Kinderwunsch besteht oder nicht: „Möchten die Frauen nicht schwanger werden, können Hormon-Therapien auf Basis der Antibabypille angeboten werden. Dadurch werden die männlichen Hormonspiegel effektiv gesenkt, die verstärkte Körperbehaarung geht zurück und das Hautbild wird besser.“ Anders sieht es bei Frauen aus, die schwanger werden wollen. Hier bietet sich eine hormonelle Behandlung an, die den Eisprung wieder in Gang bringt.

Im Vordergrund steht aber, dass die Betroffenen Übergewicht abbauen und sich die Insulinresistenz bessert: durch gesündere Ernährung, mehr Bewegung und gegebenenfalls medikamentös unterstützt. Mit abnehmendem Gewicht bessert sich die gesamte Stoffwechsellage deutlich. „So kann das PCO-Syndrom gut unter Kontrolle gebracht werden“, sagt der Gynäkologe Dr. Wiehle. „Häufig setzen dann sogar die Blutungen wieder von alleine regelmäßig ein, sodass es auch mit dem Kinderwunsch ohne weitere Maßnahmen rasch klappt.“

(EB)

Information und Anmeldung

Telefon: 0761 270-31870 (ggf. AB)

Montag bis Donnerstag: 9.00 – 15.00 Uhr
Freitag: 9.00 – 13.00 Uhr

Weitere Informationen:
Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin

 

 

Suche nach Artikeln

Unternehmenskommunikation

Breisacher Straße 153
79110 Freiburg
Telefon: 0761 270-84830
Telefax: 0761 270-9619030
kommunikation@uniklinik-freiburg.de