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Freiburg, 05.08.2026

Sonnenfinsternis: Ungeschützter Blick kann die Netzhaut dauerhaft schädigen

Am 12. August werden in Freiburg rund 90 Prozent der Sonne verdeckt / Auch eine schmale Sonnensichel bleibt gefährlich / Sehstörungen rasch augenärztlich abklären


Am Mittwoch, 12. August 2026, ist in Freiburg am Abend eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen. Beim Höhepunkt gegen 20.17 Uhr werden rund 90 Prozent der Sonnenscheibe vom Mond verdeckt sein. Die sichtbare Sonnensichel strahlt jedoch weiterhin so stark, dass ein ungeschützter Blick die Netzhaut schädigen kann. Die Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg rät deshalb, die Sonnenfinsternis nur mit einer dafür zertifizierten und unbeschädigten Sonnenfinsternisbrille zu beobachten.

„Auch bei einer fast vollständig verdeckten Sonne darf die Schutzbrille nicht abgenommen werden. Die verbleibende Sonnensichel kann die Stelle des schärfsten Sehens dauerhaft schädigen. Das geschieht meist ohne Schmerzen und wird deshalb häufig erst später bemerkt“, sagt Privatdozentin Dr. Felicitas Bucher, Oberärztin an der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg.

Gebündeltes Licht schädigt die Stelle des schärfsten Sehens

Hornhaut und Augenlinse bündeln das einfallende Licht auf der Netzhaut. Beim direkten Blick in die Sonne konzentriert sich die Strahlungsenergie auf einen sehr kleinen Bereich. Besonders gefährdet ist die Makula, die Stelle des schärfsten Sehens in der Netzhaut. Dieser zentrale Netzhautbereich ist für das Lesen, das Erkennen von Gesichtern und das genaue Wahrnehmen von Einzelheiten verantwortlich.

Auch bei einer zu 99 Prozent verdeckten Sonne trifft das Licht der verbleibenden Sichel mit hoher Intensität auf die Netzhaut. Die natürliche Blendung und der Lidschlussreflex bieten keinen sicheren Schutz. Die Netzhaut selbst besitzt keine Schmerzrezeptoren. "Eine Schädigung kann entstehen, ohne dass das Auge während der Beobachtung schmerzt", betont Bucher.

Die sogenannte solare Retinopathie entsteht nach heutigem Kenntnisstand vor allem durch photochemische Prozesse. Energiereiches Licht kann reaktive Moleküle bilden. Diese greifen die lichtempfindlichen Fotorezeptoren und die unterstützende Zellschicht der Netzhaut an.

Beschwerden treten oft verzögert auf

"Betroffene bemerken die Folgen manchmal sofort, häufig aber erst Stunden oder einen Tag später. Auch längere Verzögerungen möglich", sagt die Augenärztin des Universitätsklinikums Freiburg. Typische Beschwerden sind:

  • verschwommenes oder unscharfes Sehen,
  • ein grauer, dunkler oder blinder Fleck in der Mitte des Gesichtsfeldes,
  • verzerrte oder wellig erscheinende Linien,
  • anhaltende Nachbilder,
  • eine veränderte Farbwahrnehmung,
  • erhöhte Lichtempfindlichkeit.

Da meist die Makula auf der Netzhaut des Auges betroffen ist, liegen die Ausfälle häufig genau im Zentrum des Sehens. Betroffene können dann beispielsweise einen Text noch überblicken, einzelne Buchstaben aber nicht mehr klar erkennen. Auch Gesichter können im zentralen Bereich verdeckt oder verzerrt erscheinen.

"Wer nach dem Beobachten der Sonnenfinsternis solche Beschwerden wahrnimmt, sollte sich zeitnah augenärztlich untersuchen lassen. Bei einer deutlichen Verschlechterung des Sehvermögens ist eine umgehende Untersuchung erforderlich", empfiehlt Bucher. Die Symptome können auch andere behandlungsbedürftige Ursachen haben. Eine Selbstdiagnose ist deshalb nicht möglich.

Eine vollständige Erholung ist nicht sicher

Bei einem Teil der Betroffenen bessert sich das Sehvermögen innerhalb von Wochen oder Monaten. Eine vollständige Erholung ist jedoch nicht garantiert. Eine gesicherte Behandlung, die bereits geschädigte Netzhautzellen wiederherstellt, gibt es nicht. "Entscheidend ist es deshalb, eine solare Retinopathie durch konsequenten Augenschutz zu verhindern", sagt die Augenexpertin.

Normale Sonnenbrillen reichen nicht aus

Für den direkten Blick in die Sonne sind nur spezielle Sonnenfinsternisbrillen geeignet, die für diesen Zweck vorgesehen sind und der Norm DIN EN ISO 12312-2 entsprechen. Die Filter dürfen keine Kratzer, Löcher oder anderen Schäden aufweisen. Normale Sonnenbrillen, rußgeschwärzte Gläser, CDs, Rettungsdecken, Röntgenfilme oder selbst gebaute Sichtfilter bieten keinen ausreichenden Schutz.

Besonders gefährlich für die Augen sind Ferngläser, Teleskope und Kameras, da sie das Sonnenlicht zusätzlich bündeln. Eine Sonnenfinsternisbrille vor den Augen schützt bei der Nutzung solcher Geräte nicht.


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