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Kinderwunsch trotz Krebs erfüllen

Reproduktionsmedizin

(26.10.2018)  Gerade jüngere Krebspatienten sorgen sich oft, nach der Therapie keine Kinder mehr bekommen zu können. Dabei schließen sich Krebstherapie und Kinderwunsch nicht aus. Wichtig ist, dass Patient und Arzt bereits vor der Krebstherapie darüber sprechen.

Etwa 15.000 Menschen im Alter zwischen 18 und 39 Jahren erhalten jedes Jahr in Deutschland die Diagnose Krebs. Rund 80 Prozent von ihnen können geheilt werden und haben später genauso den Wunsch nach einem eigenen Kind, wie nicht erkrankte Altersgenossen. Doch eine Chemo- oder Strahlentherapie kann die Fruchtbarkeit so stark vermindern, dass ein Kinderwunsch ohne frühzeitige Vorkehrungen nicht mehr in Erfüllung gehen kann. „Für viele Betroffene ist das fast so schlimm wie die Diagnose selbst“, sagt Dr. Philipp Wiehle, Ärztlicher Leiter der Abteilung Endokrinologie und Reproduktionsmedizin der Klinik für Frauenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg.

Wurden vor einer Krebstherapie Ei- oder Samenzellen entnommen, können sie danach für eine künstliche Befruchtung genutzt werden. © koya979 / fotolia

Doch es gibt heute verschiedene Möglichkeiten, die Fruchtbarkeit trotz einer Krebstherapie zu erhalten und so noch eigene Kinder zu bekommen. „Entscheidend ist, dass die Betroffenen ihren Wunsch so früh wie möglich nach Diagnosestellung mit dem Arzt besprechen, sodass noch rechtzeitig vor der Krebstherapie Maßnahmen ergriffen werden können“, sagt Dr. Wiehle.

Möglichkeiten für Frauen – Schonen oder Einfrieren

Ein Ansatz, um die toxische Wirkung auf die Eizellen in den Eierstöcken etwas abzuschwächen ist es, die Eierstöcke vor der Chemotherapie ruhigzustellen. Dazu werden die Eierstöcke in eine Art künstlichen Winterschlaf versetzt. Die Patientinnen erhalten für die Dauer der Chemotherapie ein hormonell wirksames Medikament. Dadurch reifen die Eizellen nicht und werden während der Chemotherapie weniger geschädigt. Wird das Medikament abgesetzt, erwacht die Eierstockfunktion nach einiger Zeit im Idealfall wieder. „Dadurch lässt sich die Chance etwas erhöhen, dass auch nach der Therapie noch ausreichend Eizellen vorhanden sind“, sagt Dr. Wiehle. Die Chemotherapie wirkt nach bisherigen Studien trotzdem gut.

Auch bei einer Strahlentherapie lassen sich Eizellen und gesundes Eierstockgewebe oft schonen. Denn modernste Bestrahlungsgeräte sind so präzise, dass sie abgesehen von etwas Streustrahlung auf wenige Millimeter genau den anvisierten Bereich bestrahlen. „In bestimmten Fällen kann der Eierstock zusätzlich operativ etwas verschoben werden, so dass er von der Bestrahlung nicht zu sehr belastet wird“, erklärt Dr. Wiehle.

Außerdem gibt es in manchen Fällen die Möglichkeit, vor der onkologischen Therapie reife Eizellen zu entnehmen und einzufrieren. Dafür ist eine Vorbehandlung von zwei bis drei Wochen notwendig. „Entsprechend früh muss mit der Vorbereitung begonnen werden und die Risiken müssen individuell abgewogen werden“, sagt der Gynäkologe.

Auch Eierstockgewebe kann gegebenenfalls vorab eingefroren werden, sofern es nicht mit Tumorzellen belastet ist. Nach erfolgreicher Krebstherapie wird es wieder eingesetzt, sofern die im Körper verbliebenen Eierstöcke bereits erschöpft sind. „Allerdings enthält das Gewebe nur einen begrenzten Vorrat an Eizellen, so dass die Fruchtbarkeit nicht dauerhaft, sondern nur für einige Monate zum Ziel einer Schwangerschaft wiederhergestellt wird“, betont der Gynäkologe.

Möglichkeiten für Männer – Spermien im (nicht) ewigen Eis

Bei Männern sind die Methoden etwas einfacher. Sie können vor einer Chemotherapie eine Samenprobe abgeben. Die Spermien werden dann eingefroren und können lange Zeit aufbewahrt werden. Auch wenn bei Hodenkrebs und Leukämien die Samenproduktion eingeschränkt sein kann, genügt oft die Spermienzahl für eine spätere künstliche Befruchtung.

Sind in  der Samenflüssigkeit keine verwendbaren Spermien zu finden, kann im Einzellfall  in einer ambulanten Operation auch direkt aus dem Hoden Gewebe entnommen werden, in der Hoffnung hier noch verwendbare Spermien zu finden. Das Gewebe wird dann auch eingefroren, um es im Verlauf für eine künstliche Befruchtung zu verwenden.  „Auf diese Weise finden wir bei einigen Patienten mit massiver Einschränkung der Fruchtbarkeit doch noch einzelne befruchtungsfähige Spermien“, sagt der Gynäkologe.

Krankenkassen übernehmen Kosten bislang meist nicht

Nicht zu unterschätzen sind die Kosten der Maßnahmen. Bei Männern sind es rund 500 Euro, bei Frauen sind je nach Methode Kosten von mehr als 4.000 Euro möglich. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen diese Kosten bislang aufgrund der gesetzlichen Vorgaben nicht. „Hier scheint sich aktuell politisch endlich etwas zu bewegen. Wir hoffen, dass die Kosten nach einer Gesetzesänderung in Zukunft endlich übernommen werden. Es ist wichtig, dass die Betroffenen in Ihrer Not in der ohnehin sehr belastenden Situation nicht mit den Kosten alleine gelassen werden“, sagt Dr. Wiehle.

Weitere Informationen:

Fertiprotekt – Netzwerk für fertilitätsprotektive Maßnahmen

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