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Wir überwinden Grenzen

Kleiner Eingriff hilft gegen Doppelbilder

Augenheilkunde

(20.03.2018) Lange und dünne Gliedmaßen sind typische Merkmale von Patienten mit Marfan-Syndrom. Doch auch Sehstörungen treten bei der Bindegewebsschwäche häufig auf. Mit einer Operation können Ärzte den Patienten wirksam helfen.

Ein schmaler Körperbau und sehr lange Gliedmaßen sind die auffälligsten äußeren Anzeichen eines Marfan-Syndroms. Doch bei rund der Hälfte aller Betroffenen wird die meist erblich bedingte Bindegewebsschwäche vom Augenarzt festgestellt. „Diese Marfan-Patienten werden stark fehlsichtig oder sehen doppelt, selbst wenn sie ein Auge zuhalten. Darunter leidet die Lebensqualität der Betroffenen stark“, sagt Professor Dr. Thomas Reinhard, Ärztlicher Direktor der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg.

Wenn im Auge die Aufhängung der Linse zu locker wird, sehen die Betroffenen doppelt. © darknightsky / Fotolia

Die Symptome entstehen, weil die Linse im Auge nicht mehr richtig “sitzt“. Die Linse ist so etwas wie das Eingangstor der visuellen Wahrnehmung. Nur ein Zehntel-Gramm schwer, bündelt sie die Lichtstrahlen so, dass die Umwelt scharf auf der Netzhaut abgebildet wird. Ein Kranz aus sogenannten Zonulafasern und umliegenden Muskeln hält die Linse in Position und steuert sie.

„Beim Marfan-Syndrom ist dieser Halteapparat zu locker und die Linse wackelt unkontrolliert. Das wird als Linsensubluxation bezeichnet“, sagt Professor Reinhard. Hierbei kann es schlagartig zu starker Fehlsichtigkeit kommen. „In einem solchen Fall muss die natürliche Linse bald entfernt werden, da sie sonst ernste Komplikationen hervorrufen kann“, warnt der Augenexperte.

Kunstlinse mit feiner Aufhängung

Ist der Halteapparat der Linse noch teilweise funktionsfähig, entfernen die Augenärzte die natürliche Linse aus dem Kapselsack des Auges. Anschließend setzen sie einen stabilisierenden Spannring und eine Kunstlinse ein.

In manchen Fällen ist der Halteapparat aber so schwach, dass er die Kunstlinse nicht halten kann. Die Ärzte am Universitätsklinikum Freiburg haben in den letzten Jahren viel Erfahrung in diesem eher seltenen und deutlich komplexeren Eingriff gesammelt. In einer rund einstündigen Operation entfernen sie zunächst die natürliche Linse mit Kapselsack und Glaskörper. Dann setzen sie in den Augapfel eine Kunstlinse, eine sogenannte Intraokularlinse. Diese nähen sie mit feinsten Fäden in der Lederhaut des Auges an.

Ob Marfan-Patienten auch langfristig von der Operation profitieren, untersuchten die Freiburger Augenexperten kürzlich erstmals in einer Studie. „Auch vier Jahre nach dem Eingriff haben die Betroffenen deutliche Vorteile. Allerdings ist auch das Risiko einer Netzhautablösung erhöht. „Darum besprechen wir die Operation mit all ihren Vor- und Nachteilen sehr genau mit jedem Patienten“, sagt Professor Reinhard. 

Einmalige Operation ersetzt schwere Brille

Früher konnte Patienten bei weitem nicht so komfortabel geholfen werden. Um die häufig extreme Fehlsichtigkeit von rund 12 Dioptrin auszugleichen, mussten Patienten schwere Brillen tragen oder sehr starke Kontaktlinsen einsetzen. „Für die Betroffenen ist der größte Vorteil einer operativ eingesetzten Linse, dass sie wieder ohne (starke) Brille oder Kontaktlinsen sehen können“,  sagt der Augenarzt.

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