Zu den Inhalten springen

Wir überwinden Grenzen

Neurodermitis: Neue Therapie stoppt Entzündungsschübe

Dermatologie

(23.04.2018) Schwere Neurodermitis schränkt die Lebensqualität erheblich ein. Ein neu entwickelter Antikörper, der von Patienten in Bauch oder Oberschenkel gespritzt wird, gibt nun Hoffnung auf Besserung.

Neurodermitis, auch atopisches Ekzem genannt, ist eine der häufigsten Hauterkrankungen. In Deutschland leiden etwa 3,5 bis 5 Millionen Menschen unter den oft stark juckenden Hautrötungen. „Bei Erwachsenen ist der Verlauf oft besonders schwer und verursacht einen hohen Leidensdruck“, sagt Dr. Sabine Müller. Die Oberärztin an der Klinik für Dermatologie und Venerologie des Universitätsklinikums Freiburg ist Leiterin des Bereichs für klinische Allergologie sowie der Sprechstunden für Urtikaria und Neurodermitis für Erwachsene.

Etwa jeder dritte Patient ist nach drei Monaten Antikörper-Therapie beschwerdefrei. © miamariam/fotolia

Bei leichten bis mittelschweren Symptomen helfen eine individuell abgestimmte Pflege der Haut sowie juckreizstillende und entzündungshemmende Salben. Bei Erwachsenen mit schwerer Neurodermitis wurden bisher Kortison oder Medikamente, die das Immunsystem fast vollständig unterdrücken, sogenannte Immunsuppressiva, eingesetzt. Doch eignen sich diese beiden Therapien aufgrund der oft starken Nebenwirkungen nicht zur Langzeittherapie und wirken bei etwa jedem fünften Patienten nicht.  

Gute Wirksamkeit, wenig Nebenwirkungen

„Nach vielen Jahren des Wartens können wir diesen besonders schwer betroffenen Patienten seit Kurzem eine sogenannte Antikörper-Therapie anbieten, die gezielt in die Entzündungskaskade der Neurodermitis eingreift“, sagt Dr. Müller.   

Nicht nur die Schwere der Ekzeme und deren Ausdehnung gehen zurück, der Wirkstoff lindert auch den quälenden Juckreiz. „Etwa jeder dritte Patient ist nach drei Monaten beschwerdefrei oder fast beschwerdefrei“, fasst die Oberärztin die Ergebnisse zusammen.  

Der Antikörper Dupilumab wird regelmäßig im Abstand von zwei Wochen in den Oberschenkel oder Bauch gespritzt, vergleichbar mit dem Spritzen von Insulin. „Das können unsere Patientinnen und Patienten nach einer Einweisung dann auch selbstständig zu Hause machen“, erklärt Dr. Müller.  

Lebensqualität verbessert sich stark

„Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass wenn sich die Symptome bessern, auch bestehende Ängste oder Depression zurückgehen. Dadurch steigt auch die Lebensqualität bei unseren Patientinnen und Patienten wieder“, beschreibt Dermatologin Dr. Müller ihre Beobachtungen.  

Bei einem Neurodermitis-Schub schüttet der Körper vermehrt den Entzündungsstoff Interleukin-4 aus. Der neu entwickelte monoklonale Antikörper Dupilumab fängt den Entzündungsstoff ab und neutralisiert ihn. So mildert er die überschießenden Entzündungsreaktionen ganz gezielt ab oder verhindert sie sogar ganz. „Die Wirkung des Medikamentes ist sehr gut, bei gleichzeitig geringen Nebenwirkungen“, verdeutlicht Dr. Müller.  

Zulassung für Kinder wird erwartet

„Wir hoffen, dass die Antikörper-Therapie in einigen Jahren auch für Kinder zugelassen wird. Denn an einer schweren Neurodermitis leiden doppelt so viele Kinder wie Erwachsene“, ergänzt Professor Dr. Christoph Schempp. Er leitet an der Klinik für Dermatologie und Venerologie des Universitätsklinikums Freiburg die Sprechstunde für Pädiatrische Dermatologie, an der Kinder mit Neurodermitis ärztlich versorgt werden.

„Bei vielen verschwindet die Krankheit glücklicherweise wieder bis zur Pubertät“, sagt der Dermatologe. Professor Schempp betreut zusammen mit Dr. Müller die Profilgruppe „Entzündliche Hauterkrankungen“ an der Klinik für Dermatologie und Venerologie und ist zudem Leiter des Forschungszentrums Skinitial.  

Die beiden Ärzte sind davon überzeugt, dass neue und sehr wirksame Medikamente gegen Neurodermitis in den nächsten Jahren folgen werden. Das Studienzentrum für entzündliche Hauterkrankungen an der Klinik für Dermatologie nimmt an vielen dieser Studien teil.    

Erwachsenen-Sprechstunde für Urtikaria und Neurodermitis
Terminvereinbarung montags bis freitags von 8:30 bis 10:30 Uhr
Telefon: 0761 270-67220  

Sprechstunde für Pädiatrische Dermatologie
Terminvereinbarung montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr
Telefon: 0761 270-68230

Weitere interessante Artikel:

Ärzte lindern Hautkrankheit mit Herz-Medikament

Eine Patientin litt seit ihrer Geburt an einer schweren Hautkrankheit. Ärzte des Universitätsklinikums Freiburg konnten sie erstmals erfolgreich behandeln – mithilfe eines Herz-Kreislauf-Medikaments.

Haarausfall: Wenn der Urwald lichter wird

Jeder dritte Mann und jede zehnte Frau leidet unter Haarausfall. Um die Ursache – und damit die passende Behandlung – zu finden, sollten vier Punkte beachtet werden.

Suche nach Artikeln

Universitätsklinikum Freiburg

Zentrale Information
Telefon: 0761 270-0
info@uniklinik-freiburg.de    

 

Unternehmenskommunikation

Breisacher Straße 153
79110 Freiburg
Telefon: 0761 270-84830
Telefax: 0761 270-9619030
kommunikation@uniklinik-freiburg.de