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Wir überwinden Grenzen

Nasenknorpel soll Knie heilen

Orthopädie und Unfallchirurgie

(20.04.2018) Bei Sportverletzungen am Knie wird oft der Knorpel zerstört. Weil dieser schlecht heilt, haben Betroffene oft ein Leben lang Schmerzen. Das könnte sich nun ändern – mit einer Methode, die am Universitätsklinikum Freiburg getestet wird.

Der Knorpel dient im Knie als Stoßdämpfer, Gleitschicht und Schutzmantel und ist darum ein extrem wichtiger Bestandteil des Gelenks. Nimmt dieses Gewebe bei einem Unfall oder einer Sportverletzung Schaden, sind die Folgen oft schwer und langfristig. „Knorpel hat nur ein sehr geringes Regenerationspotential. Deshalb haben viele der jungen, oft athletischen Patienten ein Leben lang mit den Folgen zu kämpfen“, sagt Privatdozent Dr. Kaywan Izadpanah.

Schmerzendes Knie

Verletzungen des Knorpels heilen oft nur schlecht aus. Eine neue Operationsmethode könnte Betroffenen helfen. © psdesign / fotolia.de

Der Oberarzt leitet die Sektion für Kniegelenk und Knorpelchirurgie an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Freiburg. Gemeinsam mit dem Facharzt Dr. Tayfun Yilmaz überprüfen sie jetzt eine neue Methode, die bereits bei einigen Patienten sehr erfolgreich angewendet wurde.

Patienten mit großen Knorpelschäden und auch ältere Patienten könnten am meisten profitieren

Anhand von Bildern aus dem Magnetresonanztomografen kann entschieden werden, ob ein Knorpelschaden mit dieser Methode behandelt werden kann.

Zunächst entnehmen plastische Chirurgen dem Patienten unter örtlicher Betäubung ein sechs Quadratmillimeter kleines Stück aus der Nase. „Knorpelzellen aus der Nase haben den Vorteil, dass sie sich unabhängig vom Alter des Patienten  gut vermehren lassen“, sagt der Orthopäde. Das heißt, insbesondere Patienten in höherem Alter könnten besonders von dieser Therapie profitieren. Bisher wurden die Knorpelzellen  bei einer Gelenkspiegelung aus dem Knie entnommen.

„Durch die Gewinnung der Knorpelzellen aus der Nasenscheidewand kann eine Narkose und eine Operation  gespart werden“, erklärt Privatdozent Dr. Izadpanah.

Knorpelzellen werden im Labor vermehrt

Im Labor wird das Gewebe zerkleinert, die Knorpelzellen werden herausgelöst und in Nährflüssigkeit gezüchtet. So bilden sich kleine Knorpelstückchen. Nach rund zwei Wochen werden die gewachsenen Stücke ins Knie eingesetzt. Vier Tage nach der Operation können die Patienten das Krankenhaus verlassen und nach sechs Wochen Schonung beginnt die Aufbauphase.

„Wenn der Knorpel wie gewünscht anwächst, sind die Schmerzen schon sechs Wochen nach der Transplanation deutlich gebessert im Vergleich zum Zeitpunkt vor dem Eingriff“, sagt Dr. Yilmaz, der gemeinsam mit  Privatdozent Dr. Izadpanah im Knieteam arbeitet.

Operation kann im besten Fall das Knie wieder herstellen

Das Verfahren wurde am Universitätsspital Basel, Schweiz, entwickelt. Dort wurde es bereits bei 20 Patienten angewendet. „Viele der so behandelten Patienten haben keine oder kaum noch Schmerzen und können ihr Knie wieder normal belasten“, sagt PD Dr. Izadpanah.

Nun wird das Verfahren am Universitätsklinikum Freiburg und an weltweit drei weiteren Standorten überprüft. „ Dieses moderne Verfahren hat viel Aufsehen in der Fachgemeinde erregt.  Ich freue mich deshalb ganz besonders, dass wir unseren Patienten diese vielversprechende Behandlungskonzept anbieten können“, sagt der Freiburger Orthopäde.

Die Wahl fiel auf das Universitätsklinikum Freiburg als deutsches  Zentrum aufgrund der jahrelang gewachsenen Expertise. An der von Professor Dr. Norbert Südkamp geleiteten Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Freiburg wird schon seit Jahrzenten an der Behandlung von Knorpelschäden geforscht und die Ärzte führen entsprechende Therapien auch mit langer Tradition an Patienten durch.

500 Betroffene müssen untersucht werden, bis 20 geeignete Patienten gefunden sind

An jedem Studienstandort sollen 30 Patienten auf diese Weise operiert werden. Dafür müssen auch die Ärzte am Universitätsklinikum Freiburg rund 500 Patienten untersuchen. Denn die Anforderungen sind hoch. „Wenn sich das Verfahren bei diesen Patienten als wirksam und sicher erweist, kann es vielleicht bald bei vielen Menschen mit Knorpelschäden eingesetzt werden“, hofft Privatdozent Dr. Izadpanah.

Kontakt für Studieninteressierte:
Dr. Tayfun Yilmaz, Studienkoordinator
tayfun.yilmaz@uniklinik-freiburg.de

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