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Schutz vor Zecken: Tipps und Irrtümer

Infektiologie

(28.03.2018) Im Frühling steigt die Gefahr, von einer Zecke gestochen zu werden. Die Spinnentiere übertragen Infektionen wie FSME und Borreliose. Wie man sich schützt und was häufige Irrtümer über Zecken sind, erklärt ein Infektiologe.

178 Menschen sind in Baden-Württemberg im Jahr 2017 an der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) erkrankt. Bundesweit waren es fast 500, wie das Robert-Koch-Institut mitteilt. Das sind deutlich mehr als im Vorjahr.

Die Virusinfektion verursacht zunächst grippeähnliche Symptome. Bei jedem dritten Infizierten kommt es darüber hinaus zu einer Entzündung von Hirnhaut, Rückenmark oder Gehirn. Im weiteren Verlauf kann die FSME zu Lähmungen, Intelligenzminderung oder anderen neurologischen Störungen führen. „Im schlimmsten Fall ist die Infektion sogar tödlich“, sagt Professor Dr. Winfried Kern, Leiter der Abteilung für Infektiologie der Klinik für Innere Medizin II am Universitätsklinikum Freiburg. Eine spezifische antivirale Behandlung steht nicht zur Verfügung.

Zecken mögen besonders das milde Klima im Frühsommer, sind aber fast das ganze Jahr aktiv. © Michael Tieck / fotolia

FSME wird durch Zecken übertragen. „Die Tiere mögen besonders das milde Klima im Frühling. Darum ist zu dieser Zeit auch das Infektionsrisiko besonders hoch“, sagt Professor Kern. Doch die Gefahr zu erkranken, besteht grundsätzlich das ganze Jahr über.

Wirksamer Schutz durch FSME-Impfung

„Schutz gegen FSME bietet eine Impfung, die jetzt im Frühjahr geschehen sollte“, rät Professor Kern. Um den vollen Impfschutz zu erreichen, sind drei Impfungen nötig. Nach der ersten Impfung folgt vier Wochen bis drei Monate später eine zweite Immunisierung. „Sie bietet bereits einen mehr als neunzigprozentigen Schutz vor FSME. Die dritte Impfung erfolgt nach sechs bis zwölf Monaten. Sie erhöht die Schutzwirkung auf 99 Prozent und verlängert die Schutzdauer auf drei bis fünf Jahre“, betont Professor Kern.

Borreliose keine Chance geben: Gutes Absuchen nach jedem Aufenthalt im Freien

Zecken übertragen auch andere Infektionserreger, darunter die Erreger der Borreliose. Gegen diese Erkrankung gibt es leider noch keine ausreichend wirksame Impfung, sie ist aber mit verschiedenen Antibiotika behandelbar. „Borrelien sind längliche, schraubenförmige Bakterien, während die FSME durch Viren ausgelöst wird. Eine FSME-Impfung schützt also nicht vor Borreliose“, erklärt Professor Kern. Deshalb sollte sich jeder – also auch FSME-Geimpfte – nach einem Aufenthalt im Grünen gründlich nach Zecken absuchen.

Schutz vor Zeckenstichen bieten lange Hosen, langärmelige Shirts, festes Schuhwerk und Socken. Besonders gern mögen die Spinnentiere weiche und warme Körperstellen, wie Armbeugen, Achselhöhlen oder Kniekehlen. Aber auch Kopfbereich, Hautfalten und Fußsohlen sollten bei der Suche nach Zecken nicht vergessen werden.

Viele Irrtümer und Halbwahrheiten vorhanden

Um die kleinen Spinnentiere ranken sich allerlei Irrtümer und Halbwahrheiten:

1. Irrtum: Zecken fallen von Bäumen.
Zecken lassen sich nicht gezielt von Bäumen fallen. Das wäre zu gefährlich. „Sie lauern in Gräsern, Sträuchern oder niedrigen Astlöchern und krallen sich geschickt am Wirt fest, egal ob am Tier oder am Menschen. Hier saugen und kleben sie sich an einer geeigneten Hautpartie fest“, weiß der Infektiologe.

2. Irrtum: Zecken können mit Hausmitteln wie Öl oder Klebstoff entfernt werden.
„Nein, das kann gefährlich werden. Am besten wird eine spezielle Pinzette oder Zeckenkarte verwendet, um Zecken vorsichtig von der Haut zu entfernen. Anschließend sollte die Stichstelle desinfiziert und in den nächsten Tagen beobachtet werden“, empfiehlt Professor Kern. Das ist wichtig für den Fall, dass Entzündungen auftreten. Wenn die Zecke besonders schwierig zu greifen ist oder an einer schwer zu erreichenden Stelle sitzt, kann sie auch vom Hausarzt entfernt werden.

3. Irrtum: Wird eine Zecke bald entfernt, droht keine Erkrankung.
Das kommt in der Regel darauf an, wie lange die Zecke sich festgesaugt hatte. Und: FSME wird schneller übertragen als Borreliose. „Es empfiehlt sich auf jeden Fall, einen frischen Zeckenstich zu beobachten“, sagt Professor Kern.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein kleiner roter, manchmal juckender Fleck zurückbleibt. Breitet sich dieser innerhalb eines Zeitraums von ein paar Tagen bis zu wenigen Wochen nach dem Stich jedoch aus, spricht man von der sogenannten „Wanderröte“. Diese ist ein Symptom einer Borrelien-Infektion, kann manchmal jedoch auch ausbleiben. Die Wanderröte kann auch an vom ursprünglichen Stichort entfernten Körperstellen auftauchen und wieder verschwinden.

Bei einer Hautrötung von mehr als fünf Zentimetern Durchmesser nach einem Zeckenstich sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

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