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Auslöser für Magengeschwüre – und trotzdem hilfreich

Medizinische Mikrobiologie

(26.02.2019) Es verursacht Magenentzündungen, Geschwüre und sogar Magenkrebs. Trotzdem gibt es gute Gründe, warum das Bakterium Helicobacter pylori nicht in jedem Fall entfernt werden sollte, wie Experten des Universitätsklinikums Freiburg erklären.

Jahrzehntelang galt das Dogma: Magenentzündungen und Magengeschwüre bekommt, wer zu viel Stress hat und sich schlecht ernährt. Säureblocker konnten die Beschwerden lindern, aber Rückfälle nicht verhindern. Dann geriet das Bakterium Helicobacter pylori in den Blick der Wissenschaft – und wies den Weg zu Therapien, die eine chronische Gastritis häufig in sieben Tagen heilen können.

Mit einem Schnelltest können die Ärzte schnell klären, ob eine Infektion mit Helicobater pylori vorliegt. © magicmine / fotolia

Ein echter Anpassungskünstler

Die Entdecker des spiralförmigen Keims, die Australier Robin Warren und Barry Marshall, mussten lange um den Glauben der Fachwelt ringen. 1984 trank Marshall sogar einen Cocktail aus Rinderbrühe und Helicobacter-Bakterien und bewies am eigenen Leib, dass der Keim Magenentzündungen auslöst. Trotzdem brauchte es weitere Studien, um die Fachwelt zu überzeugen. „Es war zunächst sehr überraschend, dass das säureempfindliche Bakterium in der Magensäure überlebt“, erläutert Professor Dr. Georg Häcker, Ärztlicher Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene am Universitätsklinikum Freiburg.

Tatsächlich produziert Helicobacter Ammoniak, das die Magensäure in seiner direkten Umgebung neutralisiert. So geschützt, bohrt sich der Keim in die weniger saure Magenschleimhaut. „Aus Forschungsprojekten an unserem Institut wissen wir, dass Helicobacter dann direkt Magenschleimhautzellen beeinflusst“, ergänzt Häcker. Angriffe des Immunsystems übersteht das Bakterium, indem es unter anderem Immunzellen direkt hemmt.

Leicht zu überführen

Allen Tricks zum Trotz kann Helicobacter heute gut nachgewiesen und bekämpft werden. „Bei einer Magenspiegelung können wir zwar nur die von ihm verursachten Entzündungen sehen“, sagt Privatdozent Dr. Arthur Schmidt. „Wir können dabei aber einen Schnelltest machen und Gewebeproben entnehmen, in denen die Bakterien unter dem Mikroskop sichtbar werden“, erklärt der Ärztliche Gesamtleiter der Interdisziplinären Gastrointestinalen Endoskopie am Universitätsklinikum Freiburg. Wird der Keim gefunden, lassen sich mit einer Tripel-Therapie aus zwei Antibiotika und einem Säureblocker drei von vier Magengeschwüren sowie zahlreiche Magenschleimhautentzündungen und fast alle Geschwüre im Zwölffingerdarm heilen. Zudem senkt das Abtöten des Bakteriums das Risiko, an Magenkrebs zu erkranken.

Der Keim Helicobacter pylori bohrt sich in die Magenschleimhaut und schützt sich so vor der Magensäure. © Universitätsklinikum Freiburg

Trainingspartner fürs Immunsystem

Bestrebungen, den Keim weltweit zu beseitigen, stoßen dennoch nicht auf ungeteilte Begeisterung. Denn es mehren sich Anzeichen, dass Helicobacter möglicherweise vor Sodbrennen und Autoimmunkrankheiten schützt. „Erfolgt die Infektion im Säuglingsalter, toleriert das Immunsystem Helicobacter als nützlichen Trainingspartner“, sagt Häcker. So lasse sich erklären, warum 80 Prozent der Infizierten ihr Leben lang symptomfrei bleiben und seltener an Asthma und Allergien leiden. Bei einer späteren Ansteckung wehrt sich das erwachsene Immunsystem jedoch gegen den Eindringling.

Therapie genau abwägen

„Helicobacter begleitet den Menschen seit mindestens 150.000 Jahren. Entsprechend vielfältig sind seine Auswirkungen auf den menschlichen Organismus“, beschreibt Professor Dr. Robert Thimme den Stand der Erkenntnisse. Der Ärztliche Direktor der Klinik für Innere Medizin II am Universitätsklinikum Freiburg empfiehlt, Nutzen und Risiken einer Antibiotikatherapie genau abzuwägen: „Unsere Fachgesellschaft rät bei akuten Beschwerden, bei erhöhtem Risiko für Magenblutungen oder Magenkrebs sowie bei dauerhafter Einnahme von Säureblockern zur Elimination des Keims.“ In allen anderen Fällen sei eine individuelle Beratung empfehlenswert.

Der Keim: Helicobacter pylori

Helicobacter pylori verursacht eine der weltweit häufigsten chronischen bakteriellen Infektionen. Im Magen löst er unter Umständen in der Magenschleimhaut eine entzündliche Immunreaktion aus, die die schützende Schleimschicht beschädigt. Der ungeschützte Kontakt der Schleimhaut mit Magensäure lässt dann Geschwüre entstehen, die in seltenen Fällen zu Tumoren entarten.

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