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Gibt`s das auch glutenfrei?

Gastroenterologie

(30.01.2019) : Ob Lactose, Fructose oder Gluten: Immer mehr Menschen scheint die Ernährung auf den Darm zu schlagen. Was hat es damit auf sich und was macht eine darmgesunde Ernährung aus? Privatdozent Dr. Peter Hasselblatt,Leiter der Darmambulanz an der Klinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums Freiburg, kennt die Antworten.

Herr Dr. Hasselblatt, Glutenunverträglichkeit und Co. sind in aller Munde. Lässt sich ein Anstieg entsprechender Erkrankungen beobachten oder handelt es sich um eine Modeerscheinung? Lebensmittelunverträglichkeiten sind in den Medien und im Alltag vieler Menschen viel präsenter als vor ein paar Jahren. Das Thema ist jedoch zu komplex, um es auf einen Trend zu reduzieren. Viele Menschen ernähren sich bewusster und achten genauer darauf, wie sich Nahrungsmittel auf ihren Körper auswirken. Das ist an und für sich eine gute Sache.

Glutenfreie Kost ist nicht für jeden gesünder. © Daniela Staerk / fotolia.de

Was sind Nahrungsmittelunverträglichkeiten genau und wie unterscheiden sie sich von Allergien? Während bei Allergien das Immunsystem auf bestimmte Nahrungsbestandteile reagiert, gehen Unverträglichkeiten auf den Stoffwechsel zurück, zum Beispiel auf das Fehlen bestimmter Enzyme. Die meisten Unverträglichkeiten verursachen Bauchbeschwerden wie Blähungen oder Durchfall, ziehen aber keine langfristigen gesundheitlichen Schäden nach sich. Sie sind scharf abzugrenzen von potenziell gefährlichen Krankheitsbildern wie der Zöliakie.

Was passiert bei einer Zöliakie im Darm?
Zöliakie ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, bei der die fehlgeleitete Immunantwort gegen Gluten sowie Autoantikörperbildung eine chronische Entzündung des Dünndarms auslösen. Dies birgt ernsthafte Komplikationen, da Nahrungsbestandteile nicht mehr aufgenommen werden können. Sie kann sogar zur Entstehung von Lymphdrüsenkrebs führen. Die Zöliakie ist allerdings eher selten. Man geht davon aus, dass lediglich 0,3 bis 1 Prozent unserer Bevölkerung betroffen sind.

Wie kommt es zu einer Zöliakie?
Welche Faktoren genau eine Zöliakie auslösen, ist noch nicht schlussendlich erforscht. Sicherlich spielen die Gene eine Rolle, da die Zöliakie nur bei Menschen vorkommt, die bestimmte Oberflächenmarker auf den weißen Blutkörperchen tragen. Wahrscheinlich haben aber auch die Ernährung in der frühen Kindheit und Infekte einen Einfluss auf das Zöliakierisiko.

Ist eine glutenfreie Ernährung für gesunde Menschen empfehlenswert?
Nein, eine strikt glutenfreie Ernährung empfiehlt sich nur für Menschen, die an Zöliakie oder einer Unverträglichkeit leiden. Davon abgesehen, dass eine solche Ernährung recht teuer sein kann, ist Gluten nämlich nicht per se ungesund. Studien zeigen, dass eine glutenfreie Ernährung sogar möglicherweise das Risiko für Herzinfarkte erhöht: Es fehlen dann ballaststoffreiche Vollkornprodukte, die den Cholesterinspiegel senken und so das Herz schützen.

Wie wirkt sich die Ernährung auf chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa aus?
Tatsächlich spielt die Ernährung bei der Entstehung dieser Erkrankungen wohl eine wichtige Rolle. Es konnte gezeigt werden, dass Frauen, die sich ballaststoffarm ernähren, ein erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Morbus Crohn haben. Es wäre jedoch zu kurz gegriffen, die Erkrankungen nur an der Ernährung festzumachen. Hier liegt eher eine Veränderung der Darmflora – des sogenannten Mikrobioms – vor, die durch die Ernährung vermittelt wird und dann möglicherweise zur Entstehung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen beiträgt. Das menschliche Mikrobiom ist aber sehr komplex und wird von vielen Faktoren beeinflusst.

Welche Lebensmittel können bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen helfen?
Eine ballaststoffreiche Ernährung mit vielen ungesättigten Fetten und Gemüse wirkt sich in der Regel positiv aus. Außerdem haben günstige Darmbakterien, sogenannte Probiotika, bei leichter Colitis ulcerosa eine gewisse Wirkung. Sie unterstützen den Aufbau der Darmflora ohne viele Nebenwirkungen.

Gibt es generelle Ernährungstipps für einen gesunden Darm?
Ich empfehle eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, ungesättigten Fettsäuren und wenig Fleisch. Essen erfüllt aber auch wichtige soziale und kulturelle Bedürfnisse, weshalb ich strenge Nahrungsmittelverbote nur dann für sinnvoll halte, wenn sie sie für die Gesundheit wirklich notwendig sind.

Kontakt für betroffene Erwachsene:
Magen-Darm-Ambulanz
PD Dr. Peter Hasselblatt
Klinik für Innere Medizin II
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-33080
peter.hasselblatt@uniklinik-freiburg.de

Weitere Informationen:
Klinik für Innere Medizin II (Schwerpunkt: Gastroenterologie, Hepatologie, Endokrinologie und Infektiologie)

Kontaktstelle für Familien mit betroffenen Kindern:
Pädiatrische Gastroenterologie, Universitätsklinikum Freiburg

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