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Wir überwinden Grenzen

Neue Therapien bei Knötchen im Körper

Pneumologie

(03.01.2019) Starker, anhaltender Husten kann ein Anzeichen einer Sarkoidose sein, ebenso wie Müdigkeit, Gelenkschmerzen und Sehstörungen. Am Universitätsklinikum Freiburg wird jetzt nach neuen Behandlungswegen für die Autoimmun-Krankheit geforscht.

Passanten wechseln die Straßenseite und im Supermarkt suchen Menschen das Weite, wenn Manfred R. zu husten beginnt. Dabei ist sein Husten eines ganz sicher nicht: ansteckend. Der 65-Jährige leidet an Sarkoidose, auch Morbus Boeck genannt. „Der lang andauernde, schwere Husten bei Sarkoidose führt oft zu sozialer Isolation, was die Lebensqualität der Betroffenen deutlich mindert“, sagt Professor Dr. Joachim Müller-Quernheim. Der Ärztliche Direktor der Klinik für Pneumologie am Universitätsklinikum Freiburg und seine Mitarbeiter beschäftigen sich intensiv mit der seltenen Krankheit. Sie wissen: Der Husten ist nur eines von vielen möglichen Symptomen. Belastungsluftnot, Müdigkeit, Hautverfärbungen, Gelenkschmerzen bis hin zu Hör- und Sehstörungen sind weitere typische Beschwerden.

Eine Sarkoidose bildet sich selten von selbst zurück, meist muss sie behandelt werden. Manchmal hilft nur eine Lungentransplantation.

„Obwohl sich die Krankheit auch spontan zurückbilden kann, müssen wir häufig mit Medikamenten und anderen Maßnahmen bis hin zur Lungentransplantation helfen“, sagt der Oberarzt und Sarkoidose-Experte Dr. Björn Frye von der Klinik für Pneumologie. Kortisonpräparate und andere entzündungshemmende Medikamente sind meist unverzichtbar.

Mindestens 50.000 Betroffene

50.000 Menschen in Deutschland leben mit der Diagnose Sarkoidose. Doch weil die Krankheit oft erst nach vielen Jahren erkannt wird, vermuten Fachleute eine hohe Dunkelziffer. Bei den Betroffenen bilden sich aus noch unbekanntem Grund an unterschiedlichsten Stellen im Körper kleine Entzündungsherde, die sich dann zu Gewebeknötchen weiterentwickeln. Je nachdem, welches Organ betroffen ist, sind auch die Symptome unterschiedlich.

2.000 Patienten, 30 Zentren und 4 Jahre später: 5 neue Krankheitstypen entdeckt

Kürzlich werteten Forscher unter der Leitung von Prof. Müller-Quernheim Daten von mehr als 2.000 Sarkoidose-Patienten aus ganz Europa aus. Es zeigte sich: Sarkoidose unterteilt sich in fünf Typen und bestimmte Erbgut-Veränderungen begünstigten die Entstehung der einzelnen Krankheitstypen. „Die Unterschiede im Krankheitsverlauf waren deutlich größer als erwartet“, sagt Professor Müller-Quernheim. „Das ist ein erster Schritt auf dem Weg zur personalisierten Therapie der Sarkoidose.“

Aktuelle Studien prüfen neue Ansätze

Nun haben die Freiburger Ärzte und Wissenschaftler zwei Studien initiiert. „Wir haben den dringenden Handlungsbedarf und die therapeutischen Chancen erkannt“, sagt Professor Müller-Quernheim. In einer Vorstudie konnten sie beobachten, dass die Inhalation des Wirkstoffs Aviptadil den Husten und Allgemeinsymptome lindert. Das Medikament reduziert die Freisetzung von Entzündungsstoffen und sorgt so für Besserung. Auf diesen Erkenntnissen aufbauend fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft mit rund 1,9 Millionen Euro eine bundesweite Studie, die von der Klinik für Pneumologie des Universitätsklinikums Freiburg geleitet wird. „Das ist die erste Sarkoidose-Studie, bei der das Patientenbefinden im Mittelpunkt steht und nicht so sehr spezifische Messwerte. Damit können wir im besten Fall zeigen, dass das Medikament einen unmittelbaren Nutzen für das Allgemeinbefinden Patienten hat“, sagt der Professor Pneumologe Müller-Quernheim.

Hoffnung für schwerste Fälle

Mit einem zweiten Ansatz möchten die Freiburger Ärzte und Wissenschaftler Patienten helfen, bei denen bislang nicht einmal die unspezifische Kortisontherapie wirkt. Hierbei machen sich die Forscher Erkenntnisse der Kollegen aus dem Centrum für Chronische Immundefizienz (CCI) am Universitätsklinikum Freiburg zunutze. Ähnlich wie bei Immundefekten fehlt bei Sarkoidose auf den weißen Blutkörperchen ein Molekül, das eigentlich Entzündungsreaktionen dämpft. Entsprechend soll in dieser mit 1,4 Millionen Euro geförderten Studie untersucht werden, ob ein Medikament, das dieses Molekül ersetzt und bei der Rheumatoiden Arthritis erfolgreich eingesetzt wird, auch bei der Sarkoidose wirkt.

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