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Wir überwinden Grenzen

Mit gesunder Ernährung Krebs vorbeugen

Prävention und Tumorepidemiologie

(11.07.2019) Welchen Einfluss der Lebensstil auf die Entstehung von Krebs hat und wie eine gute Ernährung aussehen könnte, erklärt eine Expertin des Universitätsklinikums Freiburg.

„Mindestens die Hälfte aller Krebsfälle wäre durch eine Umstellung des Lebensstils vermeidbar“, sagt Professor Dr. Karin Michels, Direktorin des Instituts für Prävention und Tumorepidemiologie. Die andere Hälfte der Krebserkrankungen ist genetisch bedingt. Doch auch diese Betroffenen können mit einer gesunden Lebensweise ihre Chancen beeinflussen sowie bei einer Erkrankung ihre Prognose verbessern, ist die Wissenschaftlerin überzeugt.

Überwiegend pflanzliche Ernährung, kein rotes Fleisch, Zucker oder Weißmehl und wenig Milchprodukte empfiehlt die Expertin Prof. Dr. Karin Michels für die gesunde tägliche Ernährung.

Frau Professor Michels, ein Freund von mir hat nie geraucht, trinkt kaum Alkohol, treibt mäßig Sport, hat sich gesund ernährt und jetzt eine Krebsdiagnose erhalten. Hat er etwas falsch gemacht, weil er trotz vermeintlich guter Lebensweise krank geworden ist?
Wir Menschen haben nicht alles unter Kontrolle. Krebs ist auch Pech. Denn etwa 50 Prozent aller Krebsfälle sind genetisch bedingt. Diese sogenannten Krebsgene sind noch nicht umfassend untersucht. Es gibt kaum Studien dazu, wie viel man selbst bei einem ererbten Gen, das die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung deutlich erhöht, durch eigenes Verhalten beeinflussen kann. Diese Studien werden dringend gebraucht, sind aber nicht ganz einfach durchzuführen. Ich würde erwarten, dass man mit der Umstellung seiner Lebensgewohnheiten trotz der schlechteren Chancen sein Geschick beeinflussen kann.

Betroffene, die „alles richtig machen“ und doch aufgrund ihres Erbguts mit der Ungewissheit leben müssen, dass bei ihnen eine Krebserkrankung ausbrechen könnte, treffen aufgrund des Mangels an guten Daten oftmals drastische Entscheidungen, um ihre Chancen zu verbessern, der Krankheit zu entgehen.

Meinen Sie Fälle wie die Schauspielerin Angelina Jolie?
Ja, und ich bin ihr sehr dankbar, dass sie das Thema öffentlich gemacht hat. Sie hat sich vorbeugend und ohne eindeutige Diagnose beide Brüste abnehmen lassen, weil die Wahrscheinlichkeit aus familiären Gründen hoch war, dass sie selbst an Brustkrebs erkranken könnte. Andere entscheiden sich genauso bewusst für das sogenannte Watchful Waiting und leben mit dem erhöhten Risiko. Das trifft häufig auf Männer mit Prostatakrebs im Frühstadium zu, bei denen nicht klar ist, ob ihnen der Prostatakrebs jemals etwas anhaben kann. Möglicherweise wird sich bei ihnen der Krebs nie aggressiv gestalten – oder er bringt sie um. Manche Männer können mit dieser Unsicherheit nicht leben und lassen ihre Prostata entfernen, trotz aller Begleiterscheinungen, die oft die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Andere möchten das nicht in Kauf nehmen und lassen sich lieber engmaschig untersuchen.

Wie sieht eine gesunde Lebensführung aus?
Egal, ob jemand eine Krebsdiagnose erhalten hat, als geheilt gilt oder der Krankheit vorbeugen möchte: Es gilt, einige einfache Regeln zu beachten, um gesund zu leben. Seit vielen Jahren werten wir an meinem Institut Untersuchungen aus, welche Faktoren zu Krebs führen können.

Für Raucher heißt das: aufhören mit dem Rauchen. Wichtig ist es auch, Übergewicht zu reduzieren, wenig Alkohol zu trinken, ausreichend zu schlafen, Stress zu vermeiden, sich viel an der frischen Luft zu bewegen und regelmäßig Sport zu treiben.

Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass körperliche Aktivität die Prognose bei Krebserkrankungen verbessern kann. Und natürlich ist es sehr wichtig, sich gesund zu ernähren. Dafür empfehle ich drei einfache Punkte zu beachten: Essen Sie bevorzugt unverarbeitete sowie pflanzliche Lebensmittel – und vor allem nicht zu viel davon.

Weniger essen hilft dabei, dem Krebs die Stirn zu bieten?
Ja, ich bin eine Verfechterin des Wenigessens. Eine niedrige Energiebilanz ist der beste Weg, um Krebserkrankungen zu vermeiden. Wenn Krebszellen bereits vorhanden sind, füttert man mit hoher Kalorienzufuhr und dem damit oft verbundenen Übergewicht die Krebszellen.

Besonders schädlich sind rotes Fleisch, das als krebserregend eingestuft ist, aber auch Zucker und ausgemahlenes Weißmehl sowie gehärtete und gesättigte Fette, wie sie in Fertigprodukten enthalten sind. Der Einfluss vieler Zusatzstoffe und Pestizide ist noch unzureichend geklärt. Wenn ein Produkt Substanzen enthält, die man nicht aussprechen kann, sollte man es auch nicht essen.

Welche tägliche Ernährung empfehlen Sie?
Ich rate zu einer überwiegend pflanzlichen Ernährung. Viel Gemüse, vor allem dunkelgrünes, und alle Kohlarten wie Rosenkohl, Wirsing und Grünkohl. Außerdem Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse, kein rotes Fleisch, Zucker oder Weißmehl, wenig Milchprodukte und wenn, nur fermentierte wie Joghurt oder Kefir, um Ihr Mikrobiom zu füttern. Verwenden Sie zum Würzen der Speisen wenig Salz, dafür frische Kräuter und Gewürze. Wichtig sind außerdem gute Öle wie Olivenöl.

Gesunde Ernährung kann so lecker und vielfältig sein. Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, gesund schmecke nicht gut, sei aufwendig und teuer. Mit Kreativität und Freude lässt sich aus gesunden Zutaten ein Festmahl zaubern.

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