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Wir überwinden Grenzen

Der Lunge Zeit zur Heilung geben

Intensivmedizin

(14.08.2020) Bei einem akuten Lungenversagen kann eine Lungenersatzmaschine - kurz ECMO - eine wichtige Therapieoption sein. Für eine erfolgreiche Behandlung der schwerkranken Patient*innen sind viel Wissen, Erfahrung und speziell geschultes Personal nötig. Als ECMO-Zentrum befasst sich das Universitätsklinikum Freiburg intensiv mit der lungenschonenden Beatmungsform.

Etwa 12- bis 16-mal atmen gesunde Erwachsene pro Minute. © Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

Es geschieht nebenbei und ist doch lebenswichtig: Etwa 12- bis 16-mal atmen gesunde Erwachsen pro Minute. Doch versagen die Lungen aufgrund einer schweren Erkrankung ihren Dienst, wird es schnell kritisch.

Ein akutes Lungenversagen, auch ARDS genannt, ist für Betroffene absolut lebensbedrohlich. In besonders schwerwiegenden Fällen erhalten die Patient*innen über übliche Intensivtherapie-Beatmungsgeräte nicht mehr genügend Sauerstoff, um die Organe zu versorgen. Hier kann ein invasiver Lungenersatz eine therapeutische Option sein.

Bei der extrakorporalen Membranoxygenierung, kurz ECMO, übernimmt eine Maschine die Lungenfunktion und versorgt das Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff.

Lungenschonende Beatmung

Über große Kanülen in den Hals-, Schlüsselbein- oder Leistenvenen wird den Patient*innen Blut entnommen, in der ECMO-Maschine über eine spezielle Kunststoffmembran von Kohlendioxid befreit und mit Sauerstoff angereichert. Anschließend wird das Blut wieder in den Körper gepumpt.

Sauerstoffarmes Blut (blau) wird außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert und versorgt anschließend (rot) den Körper mit Sauerstoff. © Universitätsklinikum Freiburg

„Das Lungenersatzverfahren heilt nicht, verschafft aber Zeit für Therapie und macht eine Heilung dadurch möglich“, erklärt PD Dr. Johannes Kalbhenn, Geschäftsführender Oberarzt Intensivtherapie der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Freiburg.

Während der schonenden Beatmung kann sich die Lunge erholen und die Ärzt*innen gewinnen wertvolle Zeit, um die Grundkrankheit zu behandeln. Auch COVID-19-Erkrankte mit schweren Lungenentzündungen konnten mithilfe der ECMO erfolgreich therapiert werden.

„Die Lunge ist hier besonders empfindlich und kann leicht weiter geschädigt werden, beispielsweise durch zu viel Druck oder zu weites Aufdehnen“, sagt Kalbhenn.

Das technisch aufwendige Verfahren kann in einem Zeitraum von einigen Tagen bis zu wenigen Wochen eingesetzt werden.

Um die Beatmung für die Patient*innen so angenehm wie möglich zu gestalten, werden die Beatmungsmaschinen individuell auf die Bedürfnisse der Patient*innen eingestellt. Sie erhalten Schmerzmittel und können im besten Fall aktiv und ohne Atemnot an ihrer Therapie teilnehmen.

Langjährige Erfahrung am Universitätsklinikum Freiburg

Die Einstellung und Überwachung der künstlichen Lunge erfordert erfahrenes und speziell ausgebildetes Personal. Im Kompetenzzentrum ECMO des Universitätsklinikums Freiburg arbeiten deshalb Anästhesiolog*innen, Kardiolog*innen, Herz- und Gefäßchirurg*innen sowie Kardiotechniker*innen eng zusammen.

 

Die Lungenersatzmaschine ECMO im Einsatz. © Universitätsklinikum Freiburg

„Die Überlebenschancen steigen deutlich, wenn die Patient*innen in einem ECMO-Zentrum von einem geschulten, interdisziplinären Team betreut werden“, weist Professor Dr. Hartmut Bürkle, Ärztlicher Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Freiburg, auf die aktuelle Studienlage hin.

Am Universitätsklinikum Freiburg versorgen im Wechsel die Anästhesiologische Intensivtherapiestation AIT und die Medizinische Intensivtherapiestation MIT ECMO-Patient*innen. Rund um die Uhr steht ein Expert*innenteam zur Verfügung, das Patient*innen sogar in anderen Kliniken an eine ECMO anschließen und dann im ECMO-Mobil des Universitätsklinikums sicher auf die Anästhesistische oder die Medizinische Intensivtherapiestation transportieren kann.

Die langjährige Erfahrung machte sich in der herausfordernden Behandlung der COVID-19-Erkrankten mit akutem Lungenversagen bezahlt: „Unsere gewonnenen Erkenntnisse können wir an andere Kliniken weitergeben und so vielen weiteren Patient*innen helfen“, sagt Bürkle.

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