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Ernährung bei Krebs: Einfache Tipps statt gefährlicher Diäten

Onkologie

(04.09.2017) Viele Krebsdiäten versprechen, den Tumor auszuhungern oder zu bekämpfen. Doch oft sind sie selbst gefährlich. Dabei können Krebs-Patienten von einer passenden Ernährung enorm profitieren.

Sie setzen auf Weintrauben, Gemüsesäfte oder ausschließlich auf rohe Lebensmittel und sollen den Krebs zurückdrängen oder sogar heilen. Deshalb setzen Betroffene oft ihre ganze Hoffnung in solche Kuren. Doch das ist nicht ohne Risiko. „Bisher gibt es keine einzige Diät, mit der Krebs gehemmt oder sogar geheilt werden kann. Im Gegenteil: Manche der Diäten können für Betroffene lebensgefährlich werden“, warnt Professor Dr. Hartmut Bertz, Leiter der Sektion Ernährungsmedizin und Diätetik der Klinik für Innere Medizin I (Schwerpunkt: Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantationen) des Universitätsklinikums Freiburg und Ko-Autor des Buchs „Ernährung in der Onkologie“. Er hat gute und einfache Tipps, wie Krebspatienten die Krankheit und die oft anstrengende Therapie mit der richtigen Ernährung besser überstehen.

Qualifizierte Ernährungsexperten helfen Krebspatienten dabei, eine für sie passende Ernährung zusammenzustellen. © Britt Schilling / Universitätsklinikum Freiburg

Butter, Sahne, Schokolade – „Erlaubt ist, was schmeckt“

Eine große Gefahr, gerade während der anstrengenden Therapie, ist Gewichtsverlust. Denn der Tumor versetzt den Körper in einen zehrenden Daueralarm. Gleichzeitig leiden viele Patienten an Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. In der Folge werden Eiweißreserven der Muskeln abgebaut, was die Betroffenen weiter schwächt. Darum hat Professor Bertz einen einfachen Rat: „Erlaubt ist, was schmeckt und bekömmlich ist“, fasst der Ernährungsexperte zusammen.

Eiweissreiche Nahrung, Süßigkeiten und das Anreichern des Essens mit energiereichen Lebensmitteln wie Butter oder Sahne können helfen, das Gewicht zu halten – wenn sie vertragen werden. Manche Menschen empfinden mehrere kleine Mahlzeiten bekömmlicher als wenige große. Zur Vorsicht rät Professor Bertz bei Nahrungsergänzungsmitteln. „Die sollten nur eingenommen werden, wenn auch wirklich ein Mangel festgestellt wurde“, sagt er.

Gegen Appetitlosigkeit helfen oft kleine Veränderungen. Wen der Metallgeschmack des Bestecks stört, kann auf Plastikbesteck umsteigen. Regelmäßiges Lüften vermeidet unangenehme Kochgerüche und sanftes Würzen ist für viele Krebspatienten angenehmer. Eine ausführliche Beratung bei einem qualifizierten Ernährungsexperten kann den Betroffenen weiterhelfen.

Gemeinsam mit den Patienten besprechen die Ernährungsexpertinnen und –experten, ob eine Ernährungsumstellung sinnvoll ist. © Britt Schilling / Universitätsklinikum Freiburg

Kaffee-Einläufe und Gemüsesäfte: Falsche Ideen aus einem anderen Jahrhundert Während die Ernährungstipps das Wohlbefinden und den allgemeinen Gesundheitszustand der Patienten bessern sollen, versprechen sogenannte Krebsdiäten oft einen direkten Einfluss auf den Krebs – oft mit veralteten oder pseudowissenschaftlichen Thesen.

So vermutete der Begründer der Breuß-Diät, dass Krebs durch Blutverarmung entstünde und nur von festen Speisen lebe. Beide Annahmen sind längst widerlegt. Doch die Diät wird weiter angewendet. 42 Tage lang dürfen nur Gemüsesäfte getrunken werden. Besonders gefährlich ist auch die sogenannte Gerson-Diät. Dabei wird ein monatelanger Verzicht auf Fett, Fleisch und Salz bei täglicher „Darmreinigung“ durch Einläufe mit Kaffee oder Tee empfohlen.

„Beide Diäten sind eine schwere Mangelernährung und können zu einer lebensbedrohlichen Gewichtsabnahme bei Tumorpatienten führen“, sagt Professor Bertz. Durch Blutsalzverschiebungen kann die Gerson-Diät zu Todesfällen führen. Eine Wirkung auf den Krebs hat keine der Diäten. Auch eine längerfristige kohlenhydratarme Ernährung oder eine auf Basis von Rohkost ist für Krebspatienten nicht zu empfehlen.

Gerade im Internet gehen Heilsversprechen bei speziellen Therapien nicht selten auch mit Kaufempfehlungen für spezielle Präparate einher. Hier sollten Leser besonders skeptisch sein. „Oft wird mit der Angst der Betroffenen Kasse gemacht“, sagt Professor Bertz. Krebspatienten, die trotzdem spezielle Ernährungsweisen durchführen möchten, sollte dies unbedingt unter ärztlicher Kontrolle tun.

Information:
Sektion Enährungsmedizin
Klinik für Innere Medizin I (Schwerpunkt: Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantationen)
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-33350
ernaehrung@uniklinik-freiburg.de 

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