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Wir überwinden Grenzen

Zwangserkrankungen in den Griff bekommen

Psychiatrie und Psychotherapie

(24.10.2017) Menschen mit Zwangsstörungen verspüren den Drang, sich ständig waschen oder etwas vielfach kontrollieren zu müssen. Sie haben dabei massive Ängste. Eine Therapie kann helfen.

Sarah F. muss es immer wieder tun. Einmal Händewaschen reicht nicht, denn sie verspürt einen inneren Zwang, es mehrmals zu machen, manchmal bis zu 50-mal am Tag. Sie bekommt Angst, sich mit Krankheiten anzustecken, und Herzrasen, wenn sie sich nicht ständig die Hände wäscht. Dabei weiß sie „vom Kopf her“ ganz genau, wie gering das Risiko eigentlich ist. Sarah F. leidet unter einer Zwangsstörung.

„Die Zwangsstörung ist eine der geheimsten aller psychischen Erkrankungen“, sagt Privatdozent Dr. Dr. Andreas Riedel, Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. „Denn viele Patienten schämen sich dafür, dass sie ein bestimmtes Ritual immer wieder ausführen müssen“, sagt Dr. Riedel.

Eine Zwangserkrankung kann oft sehr wirksam behandelt werden, mit Medikamente und Psychotherapie. © dreadlock/fotolia

Neben dem Waschzwang gibt es viele weitere Zwänge, wie beispielsweise den Kontrollzwang. Menschen mit diesem Zwang können das Haus erst verlassen, nachdem sie Lichtschalter, Herd und Bügeleisen in einer bestimmten Reihenfolge – oft mehrmals – kontrolliert haben. Kommen die Betroffenen mit der Reihenfolge durcheinander, müssen sie noch einmal von vorn anfangen. „Das schränkt viele Patienten in ihrem Alltag sehr ein“, sagt Dr. Riedel.

Stress ist nicht die Ursache

Aus dem Alltag sind vor allem die sogenannten „zwanghaften Angewohnheiten“ bekannt. Im Gegensatz zur echten Zwangshandlung im Rahmen einer Zwangserkrankung lösen sie keine Befürchtungen aus, dass etwas Schlimmes passieren könnte, wenn man sie nicht ausführt. Patienten mit einer Zwangsstörung entwickeln massive Ängste, wenn sie eine Zwangshandlung nicht abschließen können. Anders als häufig angenommen, kann man sich einen Zwang nicht angewöhnen. Auch Stress ist nicht die Ursache, sondern kann lediglich ein „Gelegenheitsauslöser“ sein.

Durch Therapie die Angst mindern

Die Krankheit hat neurobiologische Ursachen, unter anderem im Stoffwechsel des Gehirns: Auffälligkeiten gibt es insbesondere bei den Neurotransmittern Serotonin und Dopamin. Dr. Andreas Riedel und sein Team behandeln Patienten am Universitätsklinikum Freiburg mit einer circa zehnwöchigen stationären Therapie. Bei drei von vier Patienten kann die Störung deutlich gebessert werden.

Neben einer medikamentösen Behandlung und Gruppen- sowie Einzelpsychotherapie hat Sarah F. ein Expositionstraining absolviert. „Dabei lernen die Patienten mit Hilfe von Fachpflegekraft und Einzeltherapeut, sich ihren Ängsten zu stellen, indem sie zum Beispiel eine dreckige Oberfläche berühren, ohne dem Drang, sich zu waschen, nachzugeben“, erklärt Dr. Riedel. Mit Hilfe der Therapie wurde die Angst bei Sarah F. von einem Training zum nächsten weniger, sodass sie ihren Alltag jetzt viel leichter bewältigen kann.

Weitere Informationen:

Spezialsprechstunde für Zwangsstörungen

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