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Klinik für Augenheilkunde

Behandlung der angeborenen und kindlichen Katarakt

Filme - Operationen einer Linsentrübung beim Kind

Lentektomie (mit Nachstarprophylaxe)

IOL-Implantation

Bag in the lens Operation

Elterninformationen

Die Behandlung der angeborenen Linsentrübung (Katarakt) umfasst Operation (Lentektomie), Versorgung mit Kontaktlinse und Brille sowie orthoptische und augenärztliche Nachsorge. Voraussetzung für ein funktionell gutes Ergebnis, also eine gute Sehschärfe, ist die Behandlung in einem spezialisierten Zentrum, in dem nach der Operation eine nahtlose Versorgung sichergestellt ist.
 

Operationszeitpunkt
Bei der Operation (Lentektomie) wird die getrübte Augenlinse entfernt. Bei der angeborenen Katarakt findet die Operation im Regelfall vor der 10. Lebenswoche statt, da in diesem Alter das Gesamtrisiko für einen nachfolgenden grüner Star (Aphakieglaukom)und eine sog. Schwachsichtigkeit (Amblyopie) am niedrigsten ist. Bei einem früheren Operationszeitpunkt erhöht sich das Risiko für das Glaukom, zu einem späteren Operationszeitpunkt das Risiko für eine Amblyopie. Ist nur ein Auge von einer Linsentrübung betroffen erfolgt die Operation etwas früher. Bei Kataraktformen, die nicht angeboren sind, sondern erst später auftreten, wird die Operation unmittelbar geplant, wenn eine relevante Sehminderung zu erwarten ist.

Operation
Kinder im Alter unter einem Jahr werden in der Kinderklinik stationär aufgenommen, ältere Kinder in der Augenklinik. Bei beidseitiger Erkrankung im Säuglingsalter werden häufig beide Augen in einer Narkose operiert. Der stationäre Aufenthalt umfasst im Regelfall 2 Nächte. Ein Elternteil wird mit aufgenommen. Auf Details der Operationstechnik soll hier nicht näher eingegangen werden. Hierzu verweisen wir auf den Artikel von Prof. Lagrèze aus dem Jahr 2020.

Postoperative Nachsorge
Nach der Operation wird das operierte Auge zum Schutz durch einen sogenannten Uhrglasverband für einen Tag abgedeckt. Kortisonhaltige Augentropfen werden über mehrere Wochen verabreicht.

Optische Korrektion
Eine Kunstlinse wird aufgrund des Längenwachstums des Auges frühestens ab einen Alter von etwas 1,5 Jahren in das Auge eingesetzt. Ohne Kunstlinsenimplantation bleibt das Auge linsenlos (Aphakie). Die fehlende Brechkraft muss durch eine Kontaktlinse ausgeglichen werden.
Bei der Aphakie fehlt die Brechkraft durch die eigene Linse (+25 sph bis +35 sph), so dass ein Ausgleich idealerweise durch eine Kontaktlinse erfolgt. Eine Kontaktlinse kann schon am ersten Tag nach der Operation angepasst und eingesetzt werden. Wir wählen für die Kontaktlinsenversorgung formstabile, hochsauerstoffdurchlässige Materialien. Die Passform der Kontaktlinse wird anhand Hornhautkrümmung und der Lage auf dem Tränenfilm ermittelt, die korrekte Stärke durch eine kontaktlose objektive Brechkraftbestimmung (Skiaskopie) bestimmt. Die Stärke der Kontaktlinse wird zunächst so gewählt, dass sie für den Nahbereich korrigiert. Später kann der Korrektionsabstand zusammen mit einer Mehrstärkenbrille variiert werden. Die Eltern werden gleich zu Beginn in das Ein- und Aussetzen sowie Reinigen der Kontaktlinse eingewiesen, da dies ab dann zur täglichen Routine gehört. Eine Kunstlinsenimplantation ersetzt die Kontaktlinsenkorrektion, doch eine Mehrstärkenbrille bleibt auch dann erforderlich, um die unterschiedlichen Distanzen zu korrigieren.
Eine Zweistärkenbrille wird zusätzlich zur Kontaktlinse verordnet, wenn das Kind laufen kann.

Kontrollen
In den ersten Lebensjahren nach einer Lentektomie finden Kontrollen alle 3 bis 6 Monate statt, danach bei unkompliziertem Verlauf etwa einmal im Jahr. Die Kontaktlinsenstärke – und passform können sich in den ersten Lebensjahren stark verändern, so dass innerhalb eines Jahres mehrere Veränderungen notwendig sind. Im Mittel werden im ersten Jahr pro ca. 10 Kontaktlinsen benötigt. Die Anpassung einer zu den Kontaktlinsen getragenen Brille orientiert sich am Alter und Bedarf des Kindes, meist erhalten die Kinder die erste Mehrstärkenbrille im Alter von 1,5 Jahren.

Orthoptik
Die Phase der Sehentwicklung dauert etwa bis zum 7. Lebensjahr an. In dieser Zeit entwickelt sich das Sehen und bis dahin erlernte Sehfähigkeit kann auch wieder verloren gehen. Wird ein Auge vernachlässigt, was bei einseitiger Aphakie immer der Fall ist, muss das betroffene Auge durch eine Abdeckbehandlung gefördert werden. Dabei wird das besser sehende Auge täglich für Stunden (bis hin zur halben Wachzeit) mit einem speziellen Pflaster abgedeckt und das benachteiligte Auge so zum Sehen gefordert. Bei einigen Kindern besteht zusätzlich ein Schielen oder tritt im Verlauf auf. Normalerweise nehmen die Kinder dann keine Sehstörungen wahr, das beidäugige Sehen (Stereosehen) bleibt aber reduziert oder ist nicht vorhanden. Bei auffälligem Schielen kann eine Augenmuskeloperation zu einem späteren Zeitpunkt (z.B. im Vorschulalter) durchgeführt werden.

Organbefund
Nach einer Lentektomie bleiben Kontrollen des Organbefundes wichtig, etwa zum Ausschluss eines Nachstars oder lebenslang zum Ausschluss eines Sekundärglaukoms. Die Untersuchungen umfassen insbesondere Beurteilung der optischen Medien, Messung des Augeninnendrucks, Beurteilung des Sehnervens und finden z.T. bei erweiterter Pupille statt.

Leitender Arzt
Facharzt

Dr. Michael Reich
 

Arzt in Weiterbildung

Dr. Tim Bleul