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ENTAiER-StudieTai Chi und Eurythmie-Therapie in der Sturzprophylaxe

Im Alter nehmen chronische Erkrankungen und Übermedikation zu. Gleichzeitig lassen körperliche, kognitive und Sinnesfunktionen nach. Deshalb bewegen sich ältere, chronisch kranke Menschen weniger, sie werden unsicher, ziehen sich oft zurück und haben Angst, sich durch Stürze zu verletzen. Körperliche Inaktivität, sozialer Rückzug und Stürze fördern wiederum chronische Erkrankungen und verkürzen die Lebenserwartung. Ein Drittel der über 64-jährigen stürzt wenigstens einmal im Jahr, 10-20% verletzen sich dabei, die Selbstständigkeit ist gefährdet. Um ein gesundes Altern trotz Erkrankungen zu ermöglichen, sollten Sturzhäufigkeit vermindert und die körperliche, seelische und kognitive Fitness verbessert werden. Mind-Body-Verfahren wie Tai Chi und Eurythmie-Therapie trainieren Körperbewegungen, Konzentration, Sinnesfunktionen und Achtsamkeit.

In dieser Studie werden in acht Zentren 550 chronisch kranke Patienten mit einem erhöhten Sturzrisiko per Zufall einer von drei Behandlungsgruppen zugeteilt:

  1. Alleinige Regelversorgung;
  2. Tai Chi über 6 Monate, in den ersten 3 Monaten zweimal pro Woche, dann einmal pro Woche;
  3. Eurythmie-Therapie über 6 Monate, in den ersten 3 Monaten zweimal pro Woche, dann einmal pro Woche.

Tai Chi und Eurythmie-Therapie werden in kleinen Gruppen, unter Anleitung von entsprechend ausgebildeten und erfahrenen Lehrern bzw. Therapeuten durchgeführt und zu Hause täglich geübt. Unterstützt wird das Üben durch eine wertschätzende Anleitung seitens der Lehrer und Therapeuten, durch eine Beschreibung der Übungen in einer Broschüre und in einem Film. Alle Patienten erhalten die Regelversorgung, darunter auch eine Broschüre, die verschiedene Evidenz-basierte Empfehlungen zur Sturzprävention anschaulich darstellt.

Täglich notieren die Patienten über ein Jahr in einem Dokumentationsbogen, ob sie gestürzt sind oder nicht. Zu Monatsende wird dieser Dokumentationsbogen in das Studienzentrum geschickt und telefonisch besprochen. Zu Studienbeginn sowie nach drei, nach sechs und nach zwölf Monaten werden die Patienten im Studienzentrum persönlich untersucht (Mobilität und Balance), und sie füllen Fragebögen aus (zu Lebensqualität, Sturzangst, Stimmung, Kognition, Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen). Ebenfalls wird die Sicherheit der Therapien laufend erfasst.

Vor einer Studienteilnahme wird geprüft, ob hierfür die Kriterien erfüllt sind. Die Patientinnen und Patienten werden ausführlich über alle Details aufgeklärt. Die Teilnahme ist zu jeder Zeit freiwillig und kostenlos. Auf hohe wissenschaftliche und ethische Qualität der Studiendurchführung wird streng geachtet.

Ziel dieser Studie ist, die Behandlung älterer Menschen insgesamt zu verbessern und das Spektrum Evidenz-basierter Behandlungsmöglichkeiten zu verbreitern. Es wird geprüft, ob chronisch kranken Menschen mit einem hohen Sturzrisiko durch achtsame Bewegungsübungen zu einer sichereren und besseren Mobilität und Balance verholfen werden kann, ob sich das Sturzrisiko senken lässt, ob sich die Eigenständigkeit und Lebensqualität dadurch verbessern und welche Auswirkungen das auf die insgesamt beanspruchten Gesundheitsleistungen und Gesundheitskosten hat.

Die Ergebnisse werden sehr wichtig sein, um Strategien für die Sturzprävention von älteren, chronisch kranken Menschen zu entwickeln und ihnen durch eine bessere Mobilität ein gesundes und aktives Altern trotz chronischer Erkrankungen zu ermöglichen. Die Ergebnisse werden in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht, auf Fachkongressen und in Fortbildungen vorgestellt und für Patienten und Angehörige bekannt gegeben.

Dr. med. Gunver Kienle (Studienleitung)
entaier@uniklinik-freiburg.de

Dr. med. Paul G. Werthmann (Medizinischer Studienkoordinator)
entaier@uniklinik-freiburg.de

UNIVERSITÄTSKLINIKUM FREIBURG
Institut für Infektionsprävention und Krankenhaushygiene
Uni-Zentrum Naturheilkunde
Breisacher Straße 115 b
79106 Freiburg