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Vergiftungs-Informations-Zentrale Freiburg
0761 19240

Einheimische Giftschlangen

Bisse durch einheimische Giftschlangen führen alljährlich in den Sommermonaten zu Anrufen in den Giftinformationszentralen. Als wechselwarme Tiere sind Schlangen auf sonnige, warme Plätze angewiesen, wo sie sich schnell aufwärmen und dadurch ihre Lebensaktivität steigern können. Sie sind deshalb tagaktiv.

In Baden-Württemberg sind zwei Giftschlangen heimisch: Die Aspisviper und die Kreuzotter. Beide Schlangen sind inzwischen sehr selten geworden und stehen unter strengem Naturschutz. Sie sind in Baden-Württemberg in der Roten Liste unter der Rubrik "vom Aussterben bedroht" vertreten. Informationen zur Gefährdung in weiteren (Bundes-) Ländern sind im Internet unter http://www.amphibienschutz.de/schutz/artenschutz/roteliste.htm zu finden.

Die Aspisviper (Vipera aspis) ist in Deutschland nur im Südschwarzwald beheimatet. Außerdem ist sie in West-, Mittel- und Südeuropa zu finden. Die Schlange wird bis zu 90cm lang, ihre Grundfarbe variiert von hellgrau über graugelb, rotbraun bis schwarz. Ihre Körperzeichnung besteht aus einem Wellen- oder Zickzackband. Die Schlange bevorzugt sonnige, trockene und steinige Hänge (bis 3000m Höhe)

Die Kreuzotter (Vipera berus) ist eine eher schlanke Otter und wird bis 90cm lang. Die Grundfarbe ist häufig grau, selten dunkelbraun, gelegentlich rostrot. Die schwarze Form wird auch Höllenotter und die rostrote Kupferotter genannt. Ihre Rückenzeichnung besteht aus einem schwarzen Zickzackband, auf dem Kopf findet sich eine X- oder Y-förmige Zeichnung. Lichtungen, Heiden und Wegränder in Wäldern, Mooren und Gebirgen stellen ihren bevorzugten Lebensraum dar. Die Kreuzotter ist in ganz Deutschland und in großen Teilen von Nord-, Mittel- bis Osteuropa, Sibirien und Teilen Mittelasiens verbreitet.

Das Gift der einheimischen Vipern ist in der Regel nur für Kinder und alte Menschen lebensgefährlich. Seit 1960 ist in Deutschland nur ein Todesfall nach einem Kreuzotternbiss bekannt geworden: 2004 starb eine 81jährige Rentnerin auf der Insel Rügen nach dem Biss einer Kreuzotter. Schlangenbisse ereignen sich, wenn die Schlangen überrascht werden und nicht mehr flüchten können oder bei dem Versuch, sie anzufassen. Zur Vermeidung derartiger Unfälle wird empfohlen festes Schuhwerk und lange Hosen zu tragen, nicht in Höhlen, Holzlücken u.a. greifen, ohne diese zuvor genau zu inspizieren, und nicht durch Gebüsch zu streifen. Schlangen sind vibrationsempfindlich und ziehen sich zurück, sobald sie das Herannahen von Menschen bemerken. Sollte es dennoch zu einer Begegnung mit einer Schlange kommen, ist ein langsamer Rückzug unter Vermeidung schneller Bewegungen zu empfehlen.

Nicht bei jedem Biss wird von der Schlange Gift abgegeben. Die typische Bissstelle zeigt zwei punktförmige Wunden im Abstand von ca. 0,5 bis 1cm. Fehlen nach 6 Stunden Begleitreaktion wie Schwellung, Schmerz u.a. kann davon ausgegangen werden, dass kein Gift abgegeben wurde. Schwere Komplikationen entstehen meist durch allergische Reaktionen. Ca. 10 % der Personen, die eine Allergie gegen Bienen oder Wepenstiche haben, reagieren auch auf Viperngift.

Im Falle eines Bisses sollte Ruhe bewahrt werden und das nächste Krankenhaus aufgesucht werden. Manipulationen wie das Abbinden der Extremität, Aussaugen oder Aufschneiden der Bissstelle sollten unterlassen werden. Diese Maßnahmen verhindern nicht die Giftaufnahme und verschlimmern den Gewebeschaden an der Bissstelle. Die betroffene Extremität sollte möglichst ruhig gestellt, z.B. locker geschient werden. Enge Verbände sind gefährlich, da das Gebiet um die Bissstelle stark anschwellen kann. Im Krankenhaus wird über die weitere Therapie entschieden, z.B. ob ein Gegengift gegeben werden muss.

Im Jahr 2005 wurde 32mal wegen Bissen durch heimische Giftschlangen in der Vergiftungs-Informations-Zentrale angerufen (2004: 22 mal). Anrufe wegen Schlangenbissen im Ausland sind hierbei nicht berücksichtigt. 2 Bisse ereigneten sich im April, die anderen 30 von Mai bis Anfang September. Auch der Giftnotruf Berlin hatte im abgelaufenen Jahr häufiger Vipernbisse zu beraten – 2005 waren es 30 Anrufe und 2004 20 Anrufe (Quelle Jahresbericht Giftnotruf Berlin).

Vergiftungs-Informations-Zentrale Freiburg

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