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Wir überwinden Grenzen

Die Angst vor Spinnen in den Griff kriegen

Psychiatrie und Psychotherapie

(29.10.2020) Angst kommt in vielen Gestalten – bei einer der weltweit verbreitetsten Tierphobien besitzt diese Gestalt acht Beine, Kieferklauen mit Giftdrüsen und webt klebende Netze. Die gute Nachricht: Es gibt wirksame Abhilfe gegen Phobien.

Spinnen - für viele Menschen sind sie unliebsame Gäste. Besonders in den dunklen Stunden des Herbstes gehen sie auf achtbeinige Wanderschaft und kommen in Häuser und Wohnungen. Konkret handelt es sich zumeist um die heimische Hauswinkelspinne (Tegenaria domestica) und die verwandte Große Winkelspinne (Tegenaria atrica), die in dieser Jahreszeit in den eigenen vier Wänden auftauchen. Zwar wissen die meisten, dass die hiesigen Spinnen für den Menschen ungefährlich sind. Dennoch empfinden rund fünf Prozent der Menschen in Deutschland regelrechte Panik, wenn sie den Tieren begegnen. „Für die Betroffenen kann es bereits ausreichen, ein Foto von einer Spinne zu betrachten, um Angstzustände zu entwickeln“, sagt Professor Dr. Dr. Katharina Domschke, Ärztliche Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg. „Sie leiden an Spinnenphobie, fachsprachlich Arachnophobie genannt.“

Verhaltenstherapien gegen Arachnophobie sind sehr erfolgreich - es reichen zumeist wenige Stunden, um die Angst vor den Achtbeinern zu besiegen.

Phobien als Angststörung

Angst ist zunächst ein Schutzmechanismus – sie warnt den Menschen in Gefahrensituationen und mahnt zur Vorsicht. „Tritt eine körperliche Angstreaktion allerdings in einer Situation auf, in der objektiv keine Gefahr besteht, wird von einer Angststörung gesprochen“, erklärt Domschke. „Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und treten in unterschiedlichsten Erscheinungsformen auf.“ Eine dieser Erscheinungsformen ist die Spezifische Phobie, zu der auch die Angst vor Spinnen gehört. Spezifische Phobien bezeichnen die zur Bedrohung der Situation unverhältnismäßig starke Furcht vor konkreten Objekten oder Situationen.
Bei der Konfrontation mit den Objekten der Angst gehen die Phobien zumeist mit körperlichen Symptomen wie Herzklopfen, Unruhe, Atemnot und Schwindel einher. „Sie kann deshalb bei den Betroffenen häufig zu einem Vermeidungsverhalten führen, so dass diese ihren Alltag einschränken und einen Leidensdruck empfinden,“ so Domschke. In extremen Fällen meiden Spinnenphobiker*innen aus Angst vor den Achtbeinern Keller, Garagen, den Balkon oder eigenen Garten und verzichten auf Ausflüge ins Grüne. Bei einigen reicht bereits allein der Gedanke an eine Spinne, um körperliche Angstreaktionen zu erzeugen.


Die Angst lässt sich besiegen

Über den Globus verteilt gibt es über 45.000 Arten von Webspinnen – sie alle sind prinzipiell giftig. Keine der in Deutschland lebenden Exemplare kann dem Menschen allerdings ernsthaft gefährlich werden. Eine Arachnophobie lässt sich mit reiner Vernunft aber kaum bekämpfen. Nicht alle Ausprägungen von Arachnophobien sind behandlungsbedüftig. Erzeugt die Angst allerdings einen hohen Leidensdruck und schränkt das Alltagsleben der Betroffenen stark ein, ist es ratsam, sich Hilfe zu suchen. „Generell lassen sich Angsterkrankungen und insbesondere Phobien mithilfe von Verhaltenstherapien gut behandeln“, so Domschke.

Bei der Arachnophobie empfehlen Expert*innen eine sogenannte Expositionstherapie, bei der die Patient*innen mit den gefürchteten Tieren konfrontiert werden. Zunächst durch Bilder und Filme von Spinnen, später durch die räumliche Annäherung mit lebenden Exemplaren bis hin zur Berührung. „Die Therapie ist sehr erfolgreich: Zumeist reichen bereits wenige Stunden, um die Angst der Patient*innen zu besiegen“, betont Domschke. Die positive Annäherung mit den angstauslösenden Tieren ermöglicht es den Betroffenen, ihre bisherigen Einschätzungen zu überarbeiten, so dass die Krabbeltiere keinen Einfluss mehr auf ihre Gedanken und ihre Alltagsgestaltung haben.

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