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Kunst & Kultur

Die Kunstwerke

Große Kugelkopfsäule, 1971

von  Fritz Koenig

Bronze; Höhe 430 cm

Universitätsklinikum Freiburg
Killianstraße 2
im Innenhof des Personalcasinos

Zyklopenauge

Wenn im Sommer die Mitarbeiter der Universitätsklinik sich auf der Freiterrasse des Personalkasinos eine Pause gönnen, bietet sich ein interessantes Bild: Inmitten weißer Kittel steht still und scheinbar unbemerkt eine kuriose, hochaufragende Gestalt aus Bronze. Sie wirkt, als wäre nur das Nötigste zusammenmontiert worden. Ein riesenhafter, einäugiger Kugel-Kopf balanciert auf einem simplen, pfahlartigen Rumpf. Überwacht hier ein scherzhaftes Zyklopenauge das medizinische Personal? Oder will die Figur in dieser Pose gar der modernen Heilkunst den Spiegel vorhalten?

Anlaß für Gedankenspiele gibt dieses Wesen jedenfalls genug. Schon gleich nach seiner Errichtung im Jahr 1971 heftete ein Unbekannter ihm folgende Visitenkarte auf den Leib:

»Ich, Kunibert
vom Hünersedel
mit dickem Kopf
ohn' Arm und Wedel
als Krüppel kam
ich auf die Welt
hier wurde ich nun
abgestellt.«

Auch der Künstler Fritz Koenig gibt die wahre Identität seiner Schöpfung nicht preis, er nennt sie schlicht »Große Kugelkopfsäule«. Ein genauerer Blick auf das Werk zeigt aber, daß wohl alle bisherigen Benennungen noch zu kurz greifen.

Die Arbeiten Koenigs leben von diesem Kontrast zwischen formaler Einfachheit und Strenge einerseits und expressiver Inhaltlichkeit andererseits. Aus stereometrischen Grundbausteinen wie Kugel und Rundstäben montiert er eine spannungsreiche Plastik. Die Kopf-Kugel ruht nicht unmittelbar auf dem unten und oben konisch zulaufenden Rundpfahl, sondern ist durch mehrere ineinander verkeilte Gelenkstücke mit ihm verbunden.

Die Kugel selbst ist noch einmal in ungleiche Hälften gespalten, aus deren Öffnung augenhaft eine Wölbung hervortritt. Erstaunlich, wie es Koenig gelingt, in einer so elementaren Formensprache eine Fülle inhaltlicher Aussagen anzudeuten und miteinander zu verbinden; die Assoziation mit einem archaischen Totempfahl liegt ebenso nahe wie der Gedanke an ein außerirdisches Roboterwesen. Was solche Deutungen verbindet, ist der Eindruck der Gegenwart eines geheimnisvollen Wesens, das fremd und erhaben bleibt. Ob Totem, ob Roboter, Krüppel oder Knochenmann – es hat alles im Blick.

Unterhalb des Auges laufen Spuren des Regens der letzten Jahrzehnte wie Tränen an Gesicht und Rumpf herab. Weint Kunibert?

Ulrike Schumann

aus: Skulptur in Freiburg, Kunst des 20. Jahrhunderts im öffentlichen Raum
Herausgegeben von Michael Klant in Zusammenarbeit mit Oliver Dieskau

mondo verlag GmbH, Freiburg im Breisgau, 1998, ISBN 3-922675-76-X

 

 

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