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Wir überwinden Grenzen

Warum Fasten Körper und Geist gut tut

Psychosomatik

(07.03.2019) Fasten wird immer beliebter. Vor allem der Verzicht auf Soziale Medien und das Smartphone hat in den letzten Jahren viele Begeisterte gefunden. Warum Verzicht manchmal gut tut, erklärt ein Experte des Universitätsklinikums Freiburg.

Das Ende der närrischen Tage läutet für viele eine Zeit des bewussten Verzichts ein. Doch anders als früher erstreckt sich die Bandbreite dessen, worauf Menschen in der Fastenzeit verzichten, auf fast alle Lebensbereiche: Auto fahren, Fleisch essen, Plastikmüll produzieren, Alkohol trinken und der ständige Griff zum Smartphone. Woher der Wunsch nach Abstinenz kommt, was im Gehirn beim Fasten passiert und was nach der Fastenzeit bleibt, erklärt Professor Dr. Claas Lahmann, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg.

Beim Fasten erlangt man wieder Kontrolle über unerwünschte Gewohnheiten, was auch als Selbstwirksamkeit bezeichnet wird. © 12frames / fotolia

Herr Professor Lahmann, woher kommt das Bedürfnis, ab und zu freiwillig auf alltägliche Annehmlichkeiten und Gewohnheiten zu verzichten?
Fasten hat viel damit zu tun, wieder Kontrolle über eine Gewohnheit zu bekommen. Denn egal ob es ungesundes und zu viel Essen ist oder ständiges Nachrichtenschreiben auf dem Handy: Wir wissen, dass es uns nicht gut tut, schaffen es aber im Alltag nicht, dagegen anzukämpfen. Hier bietet die Fastenzeit eine Möglichkeit des bewussten Verzichts. So lernen wir das Objekt des Verzichts oft wieder ganz anders zu schätzen.

Wir leben in einer Welt, in der viele Dinge ununterbrochen zur Verfügung stehen. Das ist menschheitsgeschichtlich eine ziemlich einmalige Situation. Gleichzeitig gibt es die Tradition des Fastens seit vielen Jahrhunderten auf der ganzen Welt. Das heißt, dieses bewusste Verzichten scheint ein tiefgreifendes menschliches Bedürfnis zu sein.

Während wir uns also die meiste Zeit des Jahres oft von den Reizen und Einflüssen der Umwelt bestimmt fühlen, erobern wir für die Zeit des Fastens die Kontrolle über unser Verlangen zurück und spüren zudem die Resultate: geseigertes Wohlbefinden, Gewichtsreduktion oder einfach gewonnene Zeit. Wir fassen dieses Erleben unter dem Begriff der „Selbstwirksamkeit“ zusammen, ein wichtiger Baustein psychischer beziehungsweise psychosomatischer Gesundheit.

Was passiert beim Fasten in unserem Kopf?
Nahrungsfasten führt zu einer verstärkten Wirkung des Hormons Serotonin, das häufig auch als Glückshormon bezeichnet wird. In den ersten Tagen wird zudem Adrenalin ausgeschüttet, wodurch man sich sehr wach fühlt. Der Verzicht auf das Handy wirkt natürlich etwas anders. Ständiges Nachrichtenlesen und Schreiben kann zu einer als Arousal bezeichneten unspezifischen Aktivierung des Gehirns führen. Die können wir durch den Verzicht auf das Handy oder soziale Medien reduzieren und so Stress abbauen.

Was kann man tun, um nach den sieben Wochen Fastenzeit nicht wieder in die alten Gewohnheiten zu verfallen?
Grundsätzlich ist es ja erwünscht, dass sich nach der Fastenzeit das Leben wieder „normalisiert“. Gleichzeitig bleibt die Erfahrung des Verzichts und bietet die Möglichkeit, sich daran zu erinnern und sich so über die eigenen Handlungsabläufe und Gewohnheiten bewusst zu werden. Das ist schon sehr viel wert.

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