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Wir überwinden Grenzen

Mit Kindern über Krebs sprechen

Psychosoziale Krebsberatung

(30.08.2021) Wenn ein Elternteil an Krebs erkrankt, ist das für das ganze Familiensystem sehr belastend. Wie es gelingen kann, den Kindern von der eigenen Erkrankung zu erzählen, weiß der Sozial- und Erlebnispädagoge Jörg Stern.  Beim Angebot „Tigerherz ...wenn Eltern Krebs haben“ der Psychosozialen Krebsberatung am Universitätsklinikum Freiburg widmet er sich insbesondere den Bedürfnissen betroffener Kinder.

DAS magazin: Herr Stern, was bedeutet es für Kinder, wenn ein Elternteil die Diagnose Krebs bekommt?

Jörg Stern: Das ist für die Kinder eine existenzielle Bedrohung. Denn bis dahin gelten die Eltern meist als unverwundbar. Manche reagieren mit Wut, Schlafproblemen oder Rückzug. Jede Reaktion ist erst mal in Ordnung. Sie zeigt, dass sich das Kind mit dem Thema auseinandersetzt.

Das Angebot „Tigerherz… wenn Eltern Krebs haben“ der Psychosozialen Krebsberatung betreut nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern berät auch Erwachsene oder die Familie gemeinsam. @Universitätsklinikum Freiburg / Britt Schilling

Früher hieß es, man solle Kinder aus dem Krankheitsprozess heraushalten. Ist das sinnvoll?

Nein, Kinder und Jugendliche haben unglaublich sensible „Antennen“ und ein hohes Bedürfnis nach Information, um Veränderungen einordnen zu können. Sie spüren schnell, dass etwas nicht stimmt. Oft haben sie dann das Gefühl, selbst etwas falsch gemacht zu haben. Meist spüren die Eltern auch, dass es gut wäre, die Kinder einzubeziehen, trauen aber ihrem Gefühl nicht. Da können wir als Fachpersonen unterstützen. Das Gespräch übernehmen können wir aber nicht.

Wie kann ein erstes Gespräch über die Erkrankung gelingen?

Wir raten, die Kinder von Anfang an altersentsprechend in den Krankheitsprozess miteinzubeziehen. Das entlastet auch die Eltern. Benutzen Sie das Wort „Krebs“, erklären Sie, was das ist und was Ärztinnen und Ärzte tun können. Ermutigen Sie Ihre Kinder, Fragen zu stellen und Gefühle zu zeigen. Verbergen Sie nicht Ihre eigenen Gefühle. Kinder signalisieren sehr gut, wann es ihnen zu kompliziert oder zu belastend wird. Das muss man dann selbstverständlich akzeptieren.

Wie helfen Sie bei „Tigerherz... wenn Eltern Krebs haben“ betroffenen Kindern und Jugendlichen?

Das Wichtigste ist die Beziehungsarbeit. Die Kinder und Jugendlichen sollen sich hier angenommen und wohlfühlen. Über gemeinsames Spielen und verschiedenste kreative Methoden finden viele einen Zugang zu ihren Gefühlen und können die belastende Situation besser be- und verarbeiten. Das Tun steht im Vordergrund und über das Tun kommen wir mit den Kindern und Jugendlichen ins Gespräch. Manchmal bleibt es aber auch einfach beim Tun. In jedem Fall dürfen die Kinderhier auch lachen, toben und Spaßhaben. Natürlich begleiten wir die Kinder und Jugendlichen auch über den Tod des Elternteils hinaus, je nachdem, was ihnen guttut.

Psychosoziale Beratung bei Krebs

Seit mehr als zehn Jahren erhalten Tumorpatient*innen bei der Psychosozialen Krebsberatungsstelle am Tumorzentrum Freiburg – CCCF sozial-rechtliche und psychologische Unterstützung, können Gesprächsgruppen besuchen sowie musik- und kunsttherapeutische Angebote nutzen. Es sind telefonische sowie Video-Beratungen möglich.

 

Kontakt:

Psychosoziale Krebsberatung
Telefon: 0761 270-77500
Montag bis Freitag von 9 bis 13 Uhr

E-Mail: krebsberatungsstelle@uniklinik-freiburg.de

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