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Bildschirmarbeit: Was gegen brennende Augen wirklich hilft

Augenheilkunde

(15.09.2026) Lange Bildschirmzeiten können trockene Augen, Brennen und Kopfschmerzen verursachen. Dauerhafte Augenschäden sind bei Erwachsenen nach aktuellem Wissensstand jedoch nicht zu erwarten.

Schädigt Bildschirmarbeit die Augen dauerhaft?

Für Erwachsene gibt es Entwarnung. Daniel Böhringer, Oberarzt an der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg und unter anderem mit Problemen des trockenen Auges befasst, sagt: „Nein, es gibt keine Forschungsergebnisse, die sagen, dass handelsübliche Bildschirme die Augen dauerhaft schädigen können.“

Damit ist eine wichtige Unterscheidung verbunden: Beschwerden nach langer Bildschirmarbeit können deutlich spürbar sein, sind aber nicht automatisch ein Zeichen für eine dauerhafte Schädigung des Auges.

Brennende oder gerötete Augen, ein Sandkorngefühl, Kopfschmerzen und ein dumpfer Druck können andere Ursachen haben. Nach Böhringers Erklärung spielen vor allem zu seltenes Blinzeln, lange Naharbeit, eine nicht optimal angepasste Sehhilfe und eine ungünstige Körperhaltung eine Rolle.

Warum brennen die Augen am Bildschirm?

Eine der wichtigsten Ursachen ist überraschend einfach: Bei konzentrierter Bildschirmarbeit blinzeln Menschen seltener.

Der Lidschlag sorgt normalerweise dafür, dass der Tränenfilm regelmäßig über die Oberfläche des Auges verteilt wird. Wird weniger geblinzelt, kann dieser Tränenfilm aufreißen. Einzelne Bereiche der Augenoberfläche trocknen aus.

Böhringer erklärt dazu: „Das klingt banal, aber wenn man sich auf kleine Strukturen auf dem Bildschirm konzentriert, den Mauspfeil oder den Cursor, wird das Auge unwillkürlich seltener durch den fehlenden Lidschlag befeuchtet und damit reißt der Tränenfilm auf.“

Die möglichen Folgen sind Brennen, Schmerzen, ein Sandkorngefühl oder sichtbar gerötete Augen.

Was hilft gegen trockene Augen bei Bildschirmarbeit?

Die einfachste Maßnahme ist, während der Arbeit bewusst häufiger zu blinzeln. Besonders bei Aufgaben, die eine hohe Konzentration auf kleine Inhalte verlangen, kann es sinnvoll sein, sich regelmäßig daran zu erinnern.

Auch das Raumklima beeinflusst die Augen. Trockene oder klimatisierte Luft kann das Austrocknen begünstigen. Böhringer empfiehlt deshalb, auf ausreichende Luftfeuchtigkeit zu achten.

Zudem kann regelmäßiges Stoßlüften helfen. Wo es sinnvoll und möglich ist, kann auch ein Luftbefeuchter eingesetzt werden.

Was ist die 20-20-6-Regel?

Neben dem Blinzeln sind regelmäßige Unterbrechungen der Naharbeit wichtig. Böhringer empfiehlt dafür die sogenannte 20-20-6-Regel.

„Alle 20 Minuten sollte man für etwa 20 Sekunden auf einen Punkt schauen, der ungefähr sechs Meter entfernt ist.“

Das Prinzip ist einfach: Nach jeweils 20 Minuten Bildschirmarbeit wird für etwa 20 Sekunden in die Ferne geschaut.

Der Grund dafür liegt in der Scharfstellung des Auges. Beim Blick auf einen nahen Bildschirm muss ein Muskel im Auge kontinuierlich arbeiten. Bei langer Naharbeit kann diese Beanspruchung unangenehm werden.

Böhringer beschreibt das als eine Art „Muskelkater“ der Augenmuskulatur.

Regelmäßiges Sehen in die Ferne unterbricht diese dauerhafte Nahfokussierung und gibt dem Auge Gelegenheit, sich zu entspannen.

Warum kann Bildschirmarbeit Kopfschmerzen verursachen?

Kopfschmerzen können verschiedene Ursachen haben. Neben der langen Naharbeit spielt beispielsweise eine bislang unbemerkte Fehlsichtigkeit eine Rolle.

Leicht weitsichtige Menschen können ihre Fehlsichtigkeit in jüngeren Jahren häufig selbst ausgleichen. Das Auge stellt entsprechend nach, sodass die Fehlsichtigkeit zunächst kaum auffällt.

Bei langer Bildschirmarbeit bedeutet diese zusätzliche Anpassungsleistung jedoch mehr Belastung. Das kann laut Böhringer zu Kopfschmerzen oder einem dumpfen Druckgefühl beitragen.

Wer bei der Arbeit am Bildschirm regelmäßig solche Beschwerden entwickelt, sollte deshalb auch überprüfen lassen, ob eine passende Sehhilfe notwendig ist.

Kann eine Gleitsichtbrille Probleme am Bildschirm verursachen?

Bei einer Gleitsichtbrille muss durch einen bestimmten Bereich des Brillenglases geschaut werden, damit ein Bildschirm in der jeweiligen Entfernung scharf erscheint.

Das kann dazu führen, dass der Kopf leicht nach hinten geneigt wird. Wird diese Haltung über längere Zeit beibehalten, kann sie Nackenbeschwerden und Kopfschmerzen begünstigen.

Für Menschen, die täglich viele Stunden am Monitor arbeiten, kann deshalb eine spezielle Arbeitsplatzbrille sinnvoll sein. Sie lässt sich auf die für den Arbeitsplatz benötigten Entfernungen abstimmen und kann eine natürlichere Kopfhaltung ermöglichen.

Die Ursache der Beschwerden liegt dann nicht beim Bildschirmlicht selbst, sondern in der Kombination aus Sehanforderung, Brille und Körperhaltung.

Sind Blaulichtfilter für die Augen notwendig?

Blaulichtfilter werden häufig als Schutz vor Bildschirmlicht beworben. Aus wissenschaftlicher Sicht sieht Daniel Böhringer dafür jedoch keinen belegten Nutzen: „Das ist aus ärztlicher Sicht, aus wissenschaftlicher Sicht ein großer Mythos.“

Zum Vergleich verweist er auf natürliches Tageslicht, das einen deutlich höheren Blauanteil enthalten kann als das Licht eines Bildschirms. Auch ein erhöhtes Risiko für eine Altersmakuladegeneration durch Bildschirm-Blaulicht sei nicht nachgewiesen.

Blaulichtfilter-Brillen helfen laut Böhringer zudem nicht gegen typische Beschwerden wie trockene oder müde Augen, weil sie deren Ursachen – etwa zu seltenes Blinzeln oder dauerhafte Naharbeit – nicht beheben. Das Blockieren von Blaulicht schade zwar nicht, bringe für diese Beschwerden aber keinen nachgewiesenen Vorteil.

Gilt die Entwarnung auch für Kinder?

Bei Kindern ist die Situation komplexer als bei Erwachsenen. Ihre Augen befinden sich noch im Wachstum und können eine Kurzsichtigkeit entwickeln oder verstärken.

Längere und intensive Naharbeit an Smartphones oder anderen Geräten kann dabei eine Rolle spielen. Böhringer weist allerdings darauf hin, dass möglicherweise nicht der Bildschirm selbst der entscheidende Faktor ist.

Ein Problem kann sein, dass Kinder durch intensive Bildschirmnutzung weniger Zeit im Freien verbringen.

„Kinder sollten zwei Stunden Tageslicht pro Tag haben, um kein besonderes Risiko für die Zunahme von Kurzsichtigkeit zu haben“, erklärt Böhringer.

Damit sollte Bildschirmzeit bei Kindern nicht isoliert betrachtet werden. Entscheidend ist auch, wie viel Zeit sie draußen verbringen und wie stark ihre Augen insgesamt durch Naharbeit beansprucht werden.

Was hilft bei einem langen Arbeitstag am Bildschirm?

Wer viele Stunden beruflich vor einem Monitor verbringt, kann mehrere einfache Maßnahmen miteinander kombinieren:

  1. Bewusst blinzeln: Regelmäßiger Lidschlag hält den Tränenfilm stabil und kann trockenen Augen entgegenwirken.
  2. 20-20-6-Regel nutzen: Etwa alle 20 Minuten für rund 20 Sekunden mindestens 6 Meter vom Bildschirm weg und in die Ferne schauen.
  3. Pausen von der Naharbeit einlegen: Nicht erst reagieren, wenn die Augen bereits brennen oder der Kopf schmerzt.
  4. Auf Luftfeuchtigkeit achten: In trockenen oder klimatisierten Räumen können Stoßlüften oder gegebenenfalls ein Luftbefeuchter helfen.
  5. Brille überprüfen lassen: Bei wiederkehrenden Beschwerden kann eine nicht erkannte Fehlsichtigkeit oder eine für den Arbeitsplatz ungeeignete Brille eine Rolle spielen.
  6. Arbeitsplatzbrille erwägen: Besonders bei Gleitsichtbrillen kann sie helfen, eine ungünstige Kopfhaltung zu vermeiden.

Dieser Artikel wurde vollständig medizinisch geprüft von

Prof. Dr. Daniel Böhringer 
Oberarzt, Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Freiburg

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