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Schwangerschaftsübelkeit: Das hilft!

Frauenheilkunde

(13.08.2026) Viele werdende Mütter leiden an Schwangerschaftsübelkeit, besonders in den ersten Monaten. Ein prominentes Beispiel ist die britische Prinzessin Kate, die in allen drei Schwangerschaften damit zu kämpfen hatte. 

Der Duft von frischem Kaffee weht durch die Wohnung. Was köstlich klingt, ist für viele Schwangere kein Genuss. Denn in der Schwangerschaft ist der Geruchs- und Geschmackssinn besonders geschärft. Dabei ist der Magen bei vielen Frauen oft morgens flau, bei anderen auch nachmittags oder nachts. „Übelkeit und Erbrechen zu Beginn einer Schwangerschaft betreffen fast drei Viertel der werdenden Mütter“, sagt Prof. Dr. Ingolf Juhasz-Böss, Ärztlicher Direktor der Klinik für Frauenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg.

Experten-Tipps gegen die Übelkeit

Viele schwangere Frauen leiden an Schwangerschaftsübelkeit. Aber es gibt Hilfen. ©AdobeStock

Weniger über die Übelkeit zu sprechen, kann bereits helfen

Für diese Frauen beginnen die „anderen Umstände“ damit, dass sie sich hundeelend fühlen. Die Gründe, warum ihnen übel ist, während andere Schwangere aufblühen, sind bis heute nicht eindeutig geklärt. „Die Kombination von verschiedenen Einflüssen ist wahrscheinlich“, sagt Juhasz-Böss. Verantwortlich scheinen das Östrogen sowie das Schwangerschaftshormon hCG zu sein, dass in der Plazenta (Mutterkuchen) produziert wird. Bei Mehrlingsschwangerschaften können die Beschwerden stärker ausgeprägt sein. Aber auch Störungen der Schilddrüse, Angst, Probleme oder Stress können die Symptome verstärken. Der Experte rät außerdem: „Manchen Frauen hilft es, sich nicht zu sehr auf die Beschwerden zu fokussieren“

Das Ungeborene ist nicht in Gefahr

Doch Juhasz-Böss hat auch eine gute Nachricht parat: „Die normale Schwangerschaftsübelkeit ist zwar für die Mutter unangenehm, sie ist aber für das Ungeborene nicht gefährlich.“ Meist tritt die Übelkeit zwischen der 5. und der 14. Woche auf. Das ist die Zeit, in der die gesamten Organe des Babys, seine Arme, Beine, Ohren und Nase angelegt werden. Danach wächst das Kind rasant weiter und normalerweise verschwinden Übelkeit und Brechreiz so schnell, wie sie gekommen sind.

Bei schweren Formen ärztlichen Rat einholen

Allerdings kann die schwere Form der Schwangerschaftsübelkeit, Hyperemesis gravidarum, gefährlich sein. Hier hält die Übelkeit den ganzen Tag über an. „Erbricht die Frau mehr als fünfmal pro Tag, zeigt sie Zeichen unzureichender Nahrungsaufnahme und nimmt sie ab, spricht man von "Hyperemesis gravidarum“, sagt Juhasz-Böss. Etwa zwei Prozent der Frauen sind betroffen, überwiegend junge, schlanke Nichtraucherinnen und Frauen, die Zwillinge erwarten. Frauen, die vor der Schwangerschaft geraucht haben, übergewichtig oder über 35 Jahre alt sind, leiden seltener darunter.

„Eine Schwangere sollte Übelkeit und Erbrechen immer mit ihrer betreuenden Frauenärzt*in besprechen – und sich sofort in ärztliche Behandlung begeben, wenn sie keinerlei Nahrung mehr bei sich behalten kann oder abnimmt“, rät Juhasz-Böss.

Experten-Tipps gegen die Übelkeit:

• Trinken Sie zuckerfreie Getränke ohne Kohlensäure, zum Beispiel Wasser oder Tee, am besten in kleinen Schlucken über den Tag verteilt. Bei häufigem Erbrechen können auch elektrolythaltige Getränke sinnvoll sein. Vor dem Aufstehen kann ein leicht gesüßter Tee oder ein Glas Orangensaft helfen. Essen Sie dazu einen Zwieback und bleiben Sie anschließend noch etwa 20 Minuten liegen.

• Nach dem Erbrechen ist es hilfreich, den Mund zunächst mit Wasser auszuspülen. Zähneputzen empfiehlt sich erst nach etwa 30 Minuten, um den Zahnschmelz zu schonen.

• Über den Tag verteilt sind mehrere kleine Mahlzeiten verträglicher. Diese können etwas kohlenhydratreicher als gewohnt sein. Bei Übelkeit werden oft Ballaststoffe aus Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, eiweißreiche und fettarme Speisen besser vertragen. Auch Ingwer kann die Beschwerden lindern, zum Beispiel als Tee oder in kleinen Mengen als Lebensmittel.

• Es kann helfen, Gerüche zu meiden, auf die Sie in der Schwangerschaft empfindlich reagieren. Dazu zählen häufig Kaffee, Fleisch oder Parfüm.

• Gut gelüftete Räume, frische Luft und leichte Bewegung können die Beschwerden zusätzlich lindern. Eine stickige oder warme Umgebung wird häufig als unangenehm empfunden.

• Lockere Kleidung, die den Bauch nicht einengt, ist oft angenehmer.

• Vor der 15. oder 16. Schwangerschaftswoche wird häufig empfohlen, auf zusätzliche Vitaminpräparate zu verzichten. „Zu Beginn brauchen Schwangere nur die ausreichende Dosis an Folsäure. Zusätzliche Vitamine können den Magen belasten, da er die Kapseln auflösen muss. Das wiederum kann die Übelkeit verstärken", sagt Juhasz-Böss.

• Manche Frauen empfinden Akupressur am Handgelenk oder Akupunktur als hilfreich.

• Medikamente wie Vitamin B6, Doxylamin oder Mittel gegen Übelkeit wie Dimenhydrinat können nach ärztlicher Rücksprache unterstützen. Die Anwendung sollte in der Schwangerschaft stets individuell abgestimmt werden.

• Hält die Übelkeit über die 16. Schwangerschaftswoche hinaus an, ist eine ärztliche Abklärung empfehlenswert. In vielen Fällen dauern die Beschwerden einfach länger an, seltener kommen auch andere Ursachen infrage, zum Beispiel hormonelle Veränderungen oder Probleme der Schilddrüse.

Dieser Artikel wurde medizinisch geprüft von

Prof. Dr. Ingolf Juhasz-Böss
Ärztlicher Direktor der Klinik für Frauenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg

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