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Institut für Medizinische Biometrie
und Statistik (IMBI)

Aktuelles

Universitätsprofessor Dr. Rüdiger Klar 30.07.1942 – 8.11.2020

Wir nehmen Abschied von Rüdiger Klar, der am 8.11.2020 nach langer Krankheit in Freiburg verstarb. Als Gründer und Leiter der Abteilung Medizinische Informatik hat er das Institut für Medizinische Biometrie und Medizinische Informatik der Universität Freiburg in den Jahren 1986 – 2007 nachhaltig geprägt. Herr Klar hatte Mineralogie in Bonn und Hamburg studiert, wo er auch promovierte, widmete sich dann aber zunehmend Fragen der Daten- und Informationsverarbeitung, bis er 1973 in Göttingen bei Carl-Theo Ehlers am Aufbau einer der größten Institutionen der Medizinischen Informatik in Europa mitwirkte und in den Bereichen Krankenhausinformationssysteme, Auswertung von Gesundheitsdaten und Methoden für die medizinische Entscheidungsfindung Pionierarbeit leistete. 1979 wurde er vom Bundesminister für Arbeit mit dem wissenschaftlichen Preis für Gesundheitsökonomie ausgezeichnet. 1984 habilitierte er sich in Göttingen mit dem Thema: "Bayessche und informationstheoretische Qualitätsmaße für medizinische Dokumentationen". Nach seinem Ruf an die Universität Freiburg baute er am IMBI eine neue Abteilung für Medizinische Informatik auf. Schwerpunkte waren die elektronische Patientenakte, Bildarchive, Terminologiesysteme, Wissensrepräsentation und Verarbeitung natürlicher Sprache ebenso wie Pflegeinformatik, Intranet-Dienste und e-Learning. Auch wurde Cochrane Deutschland als Deutsches Cochrane-Zentrum 1997 an seiner Abteilung gegründet.

In besonderem Maße hat sich Herr Klar für die Fachgesellschaft GMDS engagiert. So war er Schriftführer, Leiter des Organisationskomitees von GMDS-Jahrestagungen und Leiter der Präsidiumskommission Krankenhausstatistikverordnung. Kurz nach der Grenzöffnung hat er 1990 in Ost-Berlin eine gesamtdeutsche Arbeitsgruppe "Medizinische Dokumentation und Klassifikation" mitgegründet. Ebenso hat er die AG Computerunterstützte Lehr- und Lernsysteme in der Medizin" ins Leben gerufen. Das Amt des GMDS-Präsidenten hat er von 1999 bis 2001 ausgeübt und war Tagungsleiter der 50. GMDS-Jahrestagung 2005 in Freiburg. Er vertrat die GMDS bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) und war bis vier Jahre nach seinem Ruhestand Vorsitzender des Kuratoriums für Fragen der Klassifikation im Gesundheitswesen (KKG). Weiterhin war er Mitglied im wissenschaftlichen Beirat für das Bundesgesundheitsblatt beim Robert Koch-Institut, in der Ethikkommission des Universitätsklinikums Freiburg und im wissenschaftlichen Beirat der Averbis GmbH (Freiburg).

Durch zahlreiche wissenschaftliche Publikationen und durch praxisorientierte Arbeit vor Ort hat Herr Klar stets wichtige und aktuelle Impulse für Wissenschaft und Praxis gegeben, was ihm Dank und Anerkennung einbrachte. Aus diesem sich ständig verändernden Netzwerk entstand viel Leben innerhalb und außerhalb des Instituts, des Universitätsklinikums und der GMDS. Seine seit 1991 unermüdlich erhobene Forderung nach einem bundesweiten medizinischen Klassifikationszentrum erfüllt sich nun - kurz nach seinem Tod - mit der nationalen Lizensierung von SNOMED CT und der Einrichtung eines dazugehörigen Kompetenzzentrums beim BfArM.

Die Förderung wissenschaftlichen Nachwuchses war Herrn Klar immer ein besonderes Anliegen. Aus früheren Mitarbeitern wurden Universitäts- und FH-Professoren, IT-Manager in Industrie und Gesundheitswesen, ebenso wie Firmengründer. Die Freiburger Medizininformatik lebt unter der Bezeichnung "Medical Data Science" weiter und spielt heute eine herausragende Rolle in großen Verbundprojekten.

Seine Abteilung führte er mit einem ausgewogenen Rezept von Toleranz und zukunftsweisenden Gedanken in kultivierter Atmosphäre. Er hat Spuren hinterlassen – als Mensch, der zuhören konnte, als Vorgesetzter, der allen einen großen Vertrauensvorschuss entgegenbrachte, als aufgeschlossener und kritischer Zeitgenosse. Als staunender Betrachter und Beobachter, der seinem Hobby Astronomie bis vor wenigen Jahren verbunden blieb, war er universell an der belebten und unbelebten Natur interessiert. Seine Umgebung im Schwarzwald hat Herr Klar Zeit seines Lebens - nicht nur - mit dem Rennrad "erfahren". Diese Erfahrungen und sein Wissen hat er auf seine ihm eigene unterhaltsame und positive Weise geteilt - die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im IMBI haben ihm immer gerne dabei zugehört.

Seine Familie stand für Herrn Klar unbestreitbar immer an erster Stelle. Frau und Kinder waren für ihn die wichtigsten Bezugspunkte und haben ihm Kraft für seine Arbeit gegeben. Im Institut unvergessen sind die Begegnungen mit seinen tierischen Begleitern: Herrn Klar ohne sein Aquarium und seine geliebten Hunde kann man sich kaum vorstellen. Nie hat er Zweifel daran gelassen, wie wichtig dieses liebevolle Umfeld für ihn war: Er hat die damit verbundenen zutiefst menschlichen Werte im privaten und öffentlichen Raum verkörpert und gelebt.

Das Institut für Medizinische Biometrie und Statistik (IMBI) ebenso wie seine ehemaligen Weggefährten und Freunde am Universitätsklinikum Freiburg werden Prof. Dr. Rüdiger Klar schmerzlich vermissen und ihn in dankbarer Erinnerung behalten.

 

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