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Institut für Medizinische Biometrie
und Statistik (IMBI)

AQUA

Assessment von „Patientenorientierung“ bei multimorbiden Älteren: Verfügbarkeit und Qualität von Messinstrumenten

Availability and Quality of Assessment Instruments on Patient-Centeredness in the Multimorbid Elderly (AQuA-PCE)

Förderung: Bundesministerium für Bildung und Forschung

Kooperationen:

  • Institut für Psychologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
    (Projektleitung: PD Dr. Jörg Dirmaier)
  • Zentrum für Geriatrie und Gerontologie Freiburg (ZGGF) und Cochrane Deutschland, Universitätsklinikum Freiburg
    (Projektleitung: Dr. Sebastian Voigt-Radloff)

Projektlaufzeit: 24 Monate (Beginn: 1.9.2017)

Übersichtsarbeiten zu Patientenorientierung belegen positive Effekte in Bezug auf Adhärenz, gesundheitsbezogene Parameter, Verantwortungsübernahme des Patienten für die eigene Gesundheit, Gesundheitsverhalten, Patientenzufriedenheit sowie die Kommunikation zwischen Patient und Behandler (Dwamena et al., 20121 ; Robinson, Callister, Berry & Dearing, 20082). Dennoch fehlt bislang eine konsistente Definition des Konstrukts Patientenorientierung, und auch im Hinblick auf Messverfahren zur Operationalisierung des Konstrukts scheint Optimierungsbedarf vorhanden zu sein. Dies trifft insbes. für die Gruppe älterer multimorbider Patienten zu, die jedoch aufgrund der Komplexität ihrer Versorgungsbedürfnisse eine prioritäre Zielgruppe für Patientenorientierung darstellen.

Vor diesem Hintergrund verfolgt das Projekt das Ziel, im Rahmen einer Übersichtsarbeit (Review) Instrumente zur Messung des Konstrukts „Patientenorientierung“ bei multimorbiden Älteren zu identifizieren und einer kritischen Qualitätsbewertung zu unterziehen.

Das Review wird auf der Basis des „integrativen Modells zur Patientenorientierung“ (Scholl et al., 2014)3  durchgeführt. Um sicherzustellen, dass die spezifischen Bedürfnisse älterer multimorbider Menschen in diesem Modell adäquat abgebildet werden, wird das integrative Modell zur Patientenorientierung in einer ersten Projektphase im Hinblick auf seine Übertragbarkeit auf die Zielgruppe des Reviews geprüft und ggf. adaptiert. Zu diesem Zweck findet eine Literaturrecherche nach Dimensionen der Patientenorientierung statt, die für die Zielgruppe spezifisch relevant sind. Darüber hinaus werden eine web-basierte Befragung von N=40 Expertinnen und Experten (insbes. Kliniker, Patientenvertreter und Forscher) und Fokusgruppen mit N=20 multimorbiden Älteren (>=65 Jahre) durchgeführt, um auch die Perspektive von Experten und Patienten in die Überarbeitung des integrativen Modells einfließen zu lassen. In der zweiten Projektphase erfolgt auf der Basis des in der ersten Projektphase überarbeiteten integrativen Modells die eigentliche Durchführung des Reviews. Die Suche nach relevanten Studien wird in den Datenbanken PubMed, MEDLINE, EMBASE und PsycINFO durchgeführt. Darüber hinaus erfolgt mittels verschiedener Strategien eine Recherche von Arbeiten, die ggf. nicht in den genannten Datenbanken verfügbar sind. Die Datenextraktion wird mithilfe von Datenextraktions-Formularen vorgenommen, die sowohl Angaben zur Qualität der inkludierten Studien als auch zur Qualität der identifizierten Assessmentinstrumente beinhalten. Auf der Grundlage der Review-Ergebnisse werden abschließend praxis- und forschungsbezogene Empfehlungen formuliert.

Die Ergebnisse des Vorhabens sollen dazu beitragen, eine zielgruppenadäquate Operationalisierung des Konstrukts „Patientenorientierung“ zu entwickeln, die Auswahl angemessener Messinstrumente im klinischen Kontext zu erleichtern und Lücken in der Verfügbarkeit von Messinstrumenten zu verschiedenen zielgruppenadäquaten Facetten des Konstrukts „Patientenorientierung“ zu identifizieren. Darüber hinaus können die Ergebnisse des Vorhabens als Basis für ein systematisches Review bzgl. der Effektivität patientenorientierter Interventionen bei multimorbiden Älteren dienen – wiederum mit der Konsequenz, entsprechende Forschungs- und Versorgungslücken in der Gesundheitsversorgung multimorbider Älterer zu identifizieren und zu schließen.


1.Dwamena F, Holmes-Rovner M, Gaulden CM, Jorgenson S, Sadigh G, Sikorskii A, et al. Interventions for providers to promote a patient-centred approach in clinical consultations. Cochrane Database Syst Rev. 2012;12:CD003267.

2.Robinson JH, Callister LC, Berry JA, Dearing KA. Patient-centered care and adherence: definitions and applications to improve outcomes. J Am Acad Nurse Pract. 2008 Dec;20(12):600–7.

3.Scholl, I, Zill, J, Härter, M, Dirmaier J (2014). An integrative model of patient-centeredness – a systematic review and concept analysis. PlosOne. doi: 10.1371/journal.pone.0107828.

Projektmitarbeitende