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Institut für Medizinische Biometrie
und Statistik (IMBI)

CoCare

Erweiterte koordinierte ärztliche Pflegeheimversorgung (CoCare – coordinated medical care)

Innovationsfondsprojekt zur Verbesserung der ärztlichen Pflegeheimversorgung in Baden-Württemberg

Förderer: Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA)

Kooperationspartner:

  • Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW; Konsortialführerin)
  • Alle baden-württembergischen Landesverbände der Krankenkassen und die Ersatzkassen (GKV)
  • Zentrum für Geriatrie und Gerontologie Freiburg (ZGGF)
  • nubedian GmbH in Kooperation mit dem Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie (FZI)

Projektlaufzeit: 42 Monate (Beginn: 01.04.2017)

Hintergrund:
In der Literatur finden sich zunehmend Studien, welche eine unzureichende ärztliche Versorgung im Pflegeheim belegen. Diese Situation führt u.a. zu kostenaufwändigen, zum Teil vermeidbaren und für die Heimbewohner belastenden Klinikeinweisungen. Erschwert wird die Versorgung durch die Vielzahl an beteiligten Leistungserbringern sowie der teilweise unklaren Zuständigkeit. Es zeigt sich die Notwendigkeit einer systematischen Kooperation zwischen den Ärzten und dem Personal im Pflegeheim. Als wesentlicher Erfolgsfaktor werden hierfür Absprachen, definierte Ansprechpartner in den Pflegeheimen sowie regelmäßige Heimbesuche der Ärzte genannt.

Fragestellung:
Die Zielsetzung des im Innovationsfonds Versorgungsforschung (Neue Versorgungsformen) ab Frühjahr 2017 geförderten Projekts besteht aus der Implementierung und wissenschaftlichen Evaluation einer Intervention zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung in vollstationären Pflegeheimen. Die komplexe Intervention besteht aus mehreren Komponenten, u.a.:

  • Hausärztliche Versorgung: Teams von Hausärzten versorgen gemeinsam die Bewohner einer Pflegeeinrichtung und koordinieren die Einbindung weiterer Arztgruppen.
  • Fachärztliche Versorgung: Regelmäßige Patientenvisiten bestimmter Facharztgruppen unter Begleitung einer verantwortlichen Pflegekraft.
  • Einführung von Standards und strukturierten Ablaufprozessen zwischen dem Ärzteteam und dem Pflegeheimpersonal in organisatorischen und medizinisch-pflegerischen Belangen.
  • Maßnahmen zur Kooperation, Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Pflegeheim (z.B. mindestens einmal pro Jahr eine gemeinsame Besprechung aller teilnehmenden Ärzte und der Pflegeheimkoordinatoren)
  • Einführung einer gemeinsamen elektronischen Patientenakte, zur Verbesserung des Dokumentations-, Informations- und Datenmanagements.

In der Studie werden zwei Gruppen miteinander verglichen. Bei der ersten Gruppe wird die neue Versorgungsform umgesetzt („Interventionsgruppe“). Die zweite Gruppe (sogenannte „Kontrollgruppe“) erhält die reguläre Versorgung.

Die Evaluation durch die SEVERA erfolgt mittels zwei Bausteinen: einer formativen Prozess- und einer summativen Ergebnisevaluation. Den Kernteil der Evaluation bildet eine kontrollierte Studie mit Prä- und Post-Messungen (vor und nach der Intervention). In den zwei Gruppen sollen jeweils N=2.000 Personen aus ca. 35-40 Pflegeheimen einbezogen werden. Im Folgenden werden die Elemente der summativen Evaluation aufgelistet:

  • Kostenbezogene Routinedaten der GKV (z.B. Krankenhauseinweisungen, stationäre Versorgung, ambulante Versorgung, Verordnungsdaten); Datenanalysen: u.a. Kosten-Wirksamkeits-Analysen; statistisch adjustierte Vergleiche mit Propensity Scores
  • Medizinische Qualität: Audits/Peer-Bewertung von Patienten- und Heimunterlagen
  • Vom Bewohner erlebte Qualität der Versorgung (z.B. Versorgungs- und Lebensqualität, Zufriedenheit, wahrgenommener Gesundheitszustand); Datenanalysen: statistisch adjustierte Vergleiche
  • Vom Behandler beurteilte Qualität der Versorgung; Datenanalyse: Vergleiche zwischen den Untersuchungsgruppen und prä-post.