Dengue auf dem Vormarsch: in Europa und weltweit
Infektiologie(17.08.2026) Dengue betrifft längst nicht mehr nur tropische Regionen. Für Reisende bleibt guter Mückenschutz entscheidend, zugleich machen Tigermücken lokale Übertragungen auch in Europa wahrscheinlicher.
Wer heute in tropische oder subtropische Regionen reist, begegnet Dengue in deutlich mehr Ländern als noch vor einigen Jahren. Gleichzeitig verändert sich die Situation in Europa: Die Asiatische Tigermücke breitet sich aus und schafft damit neue Voraussetzungen für lokale Übertragungen. Für Reisende stellen sich deshalb zwei Fragen: Wie lässt sich das persönliche Risiko möglichst klein halten – und worauf sollte man nach der Rückkehr achten? „Entscheidend sind ein konsequenter Mückenschutz und eine gute reisemedizinische Vorbereitung“, sagt Prof. Dr. Siegbert Rieg, Leiter der Abteilung Infektiologie der Klinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums Freiburg.
Weibliche Aedes aegypti-Stechmücke, nachdem sie ihre Blutmahlzeit eingenommen hat. Bildquelle: Lauren Bishop /CDC
„Bei der Abklärung von Fieber nach Reisen in die Tropen ist eine sorgfältige Reiseanamnese entscheidend“, sagt Rieg. Wichtig seien Reiseziel, Zeitpunkt der Rückkehr und die aktuelle Dengue-Situation vor Ort.
Nach der Reise: Beschwerden ernst nehmen
Weltweit ist die Zahl der Dengue-Infektionen und Erkrankungen in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Rund 100 bis 300 Millionen Menschen erkranken jährlich an der Virusinfektion. Das Denguevirus wird vor allem durch tagaktive Aedes-Mücken übertragen. „Typische Beschwerden sind hohes Fieber, Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen, Übelkeit oder Hautausschlag. Viele Infektionen verlaufen allerdings mild oder symptomlos“, so Rieg. Bei Fieber nach einer Tropenreise werden auch immer auf Erkrankungen wie Malaria, Chikungunya oder Zika berücksichtigt.
Die meisten Betroffenen erholen sich innerhalb von ein bis zwei Wochen. Starke Bauchschmerzen, anhaltendes Erbrechen, Blutungen oder Kreislaufprobleme können jedoch auf einen schweren Verlauf hinweisen. „Reiserückkehrer*innen sollten unbedingt ärztlichen Rat einholen, wenn nach einem Aufenthalt in einem Risikogebiet Fieber oder andere typische Beschwerden auftreten“, betont Rieg.
Vor der Reise: Mückenschutz bleibt entscheidend
Eine spezifische antivirale Therapie gibt es nicht. Wichtig sind ausreichend Flüssigkeit und bei schweren Verläufen eine engmaschige medizinische Überwachung. Schmerzmittel können gegen Fieber und Schmerzen eingesetzt werden. Allerdings ist hier die richtige Wahl entscheidend.
Für Reisende ist konsequenter Mückenschutz – auch tagsüber – die wichtigste Vorsorge. Repellents, lange Kleidung und Fliegengitter senken das Risiko. Die Dengue-Impfung wird in Deutschland nicht pauschal empfohlen. Sie kommt insbesondere für Menschen infrage, die bereits eine bestätigte Dengueinfektion durchgemacht haben und erneut in ein Risikogebiet reisen.
Warum Dengue auch Europa betrifft
„Europa ist – noch – kein Dengue-Endemiegebiet“, sagt Rieg, der 2026 auch Präsident des 17. Kongresses für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin war. Die Asiatische Tigermücke Aedes albopictus hat sich jedoch in vielen Regionen etabliert. Treffen infizierte Reiserückkehrer*innen auf aktive Mücken und geeignete Temperaturen, können lokale Übertragungen entstehen.
2025 registrierte das ECDC 35 lokal erworbene Denguefälle in Frankreich, Italien und Portugal. „Dengue ist in Europa weiterhin deutlich seltener als in tropischen und subtropischen Regionen. Dennoch müssen wir importierte Fälle frühzeitig erkennen und lokale Entwicklungen aufmerksam beobachten“, sagt Rieg.
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