Herz aus dem Takt: Wann Herzstolpern abgeklärt werden sollte
Kardiologie und Angiologie(16.06.2026) Wenn das Herz aus dem Rhythmus gerät, ist die Verunsicherung oft groß. Vorhofflimmern ist nicht immer spürbar – kann aber ernste Folgen haben, wenn es unerkannt bleibt.
Manchmal fühlt es sich nur an wie ein harmloses Stolpern: Ein kurzer Aussetzer, ein zusätzlicher Schlag, dann läuft alles weiter. Viele Menschen kennen solche Momente und meist steckt tatsächlich nichts Gefährliches dahinter. Doch nicht jedes Herzstolpern ist gleich. Hinter einem unregelmäßigen Puls kann auch Vorhofflimmern stehen – die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung.
Checkliste: Wann sollte ich Herzrasen ärztlich abklären lassen?

Nicht jedes Herzstolpern ist harmlos: Hinter einem unregelmäßigen Herzschlag kann auch Vorhofflimmern stecken – eine Herzrhythmusstörung, die behandelt werden sollte. © Adobe Stock
„Herzstolpern ist nicht automatisch gefährlich. Entscheidend ist, ob der Rhythmus nur kurz aussetzt oder ob tatsächlich Vorhofflimmern vorliegt“, sagt Prof. Dr. Dirk Westermann, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie des Universitätsklinikums Freiburg.
Wann Herzstolpern harmlos ist – und wann nicht
Nicht jedes Herzstolpern ist ein Grund zur Sorge. Oft stecken sogenannte Extrasystolen dahinter – zusätzliche Herzschläge, die sich wie ein kurzer Aussetzer anfühlen. Das ist meist unangenehm, aber in der Regel harmlos.
Extrasystolen vs. Vorhofflimmern:
- Extrasystolen: Einzelne Aussetzer, kurz und vorübergehend, meist harmlos.
- Vorhofflimmern: dauerhaft unregelmäßiger, schneller Herzrhythmus: Die Vorhöfe „flimmern“ ungeordnet, Blut staut sich, wodurch das Schlaganfallrisiko stark steigt.
„Viele Betroffene können Extraschläge und Vorhofflimmern selbst nicht unterscheiden, weil sich beides ähnlich anfühlen kann. Ein EKG bringt dann Klarheit, weil es die elektrische Aktivität des Herzens sichtbar macht und den Rhythmus genau aufzeichnet“, erklärt Westermann.
Warum frühe Abklärung wichtig ist
Bleibt Vorhofflimmern unerkannt, kann es das Risiko für Schlaganfall und Herzschwäche erhöhen. Gleichzeitig gibt es heute gute Möglichkeiten, die Rhythmusstörung zu behandeln – je früher sie erkannt wird, desto gezielter kann die Therapie geplant werden.
Dabei geht es nicht immer sofort um einen Eingriff. Je nach Situation kommen Medikamente, eine Kontrolle der Herzfrequenz sowie Gerinnungshemmer infrage.
So hilft die Ablation
Wenn Medikamente das Vorhofflimmern nicht ausreichend beruhigen oder die Beschwerden immer wiederkommen, kann eine sogenannte Katheterablation infrage kommen. Dabei handelt es sich um einen gezielten Eingriff am Herzen.
Über eine Vene in der Leiste wird ein dünner Schlauch, ein Katheter, bis zum Herzen geführt. Dort sucht das Behandlungsteam nach den Stellen, von denen die störenden elektrischen Signale ausgehen. Häufig liegen sie im Bereich der Lungenvenen. Diese Bereiche werden gezielt verödet oder vereist. Dadurch sollen die falschen Impulse unterbrochen werden, damit das Herz wieder regelmäßiger schlagen kann.
„Die Ablation ist heute eine etablierte Behandlungsoption. Besonders bei wiederkehrendem Vorhofflimmern kann sie helfen, den normalen Rhythmus langfristig besser zu stabilisieren“, sagt Westermann.
Die Behandlung soll:
- Rhythmusstörungen reduzieren
- Beschwerden lindern
- die Belastbarkeit verbessern
- den normalen Herzrhythmus stabilisieren
- die Lebenserwartung verbessern
Ob eine Ablation sinnvoll ist, hängt immer von der individuellen Situation ab – etwa von Alter, Begleiterkrankungen, Beschwerden und davon, wie lange das Vorhofflimmern bereits besteht.
Checkliste: Wann sollte ich Herzrasen ärztlich abklären lassen?
- Tritt Herzrasen plötzlich oder wiederholt auf?
- Fühlt sich der Puls unregelmäßig an?
- Kommen Luftnot, Schwindel oder Schwäche hinzu?
- Bestehen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Herzschwäche oder Diabetes?
- Bin ich deutlich weniger belastbar als sonst?
- Hat bisher kein EKG stattgefunden?
- Halten die Beschwerden länger an oder fühlen sie sich anders an als gewohnt?
Dieser Artikel wurde medizinisch geprüft von
Prof. Dr. Dirk Westermann, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie des Universitätsklinikums Freiburg.
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