Rote Augen: Wann es nur eine Reizung ist – und wann Sie handeln sollten
Augenheilkunde(20.05.2026) Brennen, Jucken, verklebte Lider oder ein Gerstenkorn – oft harmlos, manchmal nicht. Welche Anzeichen Sie ernst nehmen sollten und wann ein Arztbesuch sinnvoll ist.
Ein gerötetes Auge nach einem langen Tag am Bildschirm, verklebte Lider am Morgen oder ein unangenehmes Brennen – das wirkt zunächst oft harmlos. Doch hinter roten Augen steckt nicht immer nur eine vorübergehende Reizung. Manchmal ist eine Entzündung die Ursache, die behandelt werden sollte. In seltenen Fällen können die Beschwerden sogar auf einen augenärztlichen Notfall hinweisen.

Auf einen Blick: Erste Orientierung bei roten Augen (für typo3: Link auf Infokasten unten)
„Viele Patient*innen kommen zu spät, weil sie die Symptome unterschätzen“, sagt Prof. Dr. Thomas Reinhard, Ärztlicher Direktor der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg. „Dabei gibt es klare Hinweise darauf, wann eine Augenentzündung harmlos ist – und wann sie dringend behandelt werden muss.“
Wer typische Beschwerden kennt, kann schneller richtig reagieren – und unnötige Risiken vermeiden.
Wenn das Auge brennt, juckt oder verklebt
Eine der häufigsten Ursachen für rote Augen ist die Bindehautentzündung, auch Konjunktivitis genannt. Sie kann sich ganz unterschiedlich bemerkbar machen: durch Juckreiz, Brennen, tränende Augen, ein Fremdkörpergefühl oder verklebte Lider nach dem Schlafen.
Je nach Ursache unterscheiden Mediziner*innen vor allem drei Formen:
Virale Bindehautentzündung
Sie ist hoch ansteckend und wird häufig durch Adenoviren ausgelöst. Die Augen tränen stark, sind gerötet und oft lichtempfindlich. Häufig beginnt die Entzündung auf einem Auge und greift dann auf das andere über.
Bakterielle Bindehautentzündung
Typisch sind gelblich-eitriges Sekret und deutlich verklebte Augen. Auch sie ist ansteckend, in der Regel aber gut „selbst“ ausheilend beziehungsweise behandelbar.
Allergische Bindehautentzündung
Hier steht meist starker Juckreiz im Vordergrund. Oft sind beide Augen betroffen, hinzu kommen Niesen oder Schnupfen. Diese Form ist nicht ansteckend.
„Gerade virale Infektionen verbreiten sich schnell, etwa über Hände oder gemeinsam genutzte Gegenstände“, erklärt Reinhard. „Hygiene ist hier entscheidend.“
Bei einer viralen Bindehautentzündung ist meist keine ursächliche Behandlung möglich. Die Therapie zielt daher vor allem darauf ab, die Beschwerden zu lindern – etwa mit künstlichen Tränen, kühlenden Kompressen und konsequenter Hygiene, da die Erkrankung sehr ansteckend ist.
Eine bakterielle Bindehautentzündung wird häufig mit antibiotischen Augentropfen oder -salben behandelt. Zusätzlich können die Lider vorsichtig gereinigt werden. Meist bessern sich die Beschwerden innerhalb weniger Tage auch ohne Therapie.
Bei einer allergischen Bindehautentzündung helfen antiallergische Augentropfen, etwa Antihistaminika. Kühlung und das Meiden der auslösenden Allergene können die Beschwerden zusätzlich lindern. Tabletten sind meist nicht erforderlich.
Was Sie selbst tun sollten
- Hände regelmäßig waschen
- Möglichst nicht an den Augen reiben
- Handtücher und Kosmetikprodukte auch in der Familie „trennen“
- Kontaktlinsen vorübergehend absetzen
- Kühle Kompressen auflegen, um die Beschwerden zu lindern
Wann Sie die Beschwerden umgehend abklären lassen sollten
- Wenn sich die Symptome nach zwei bis drei Tagen nicht bessern
- Bei starken Schmerzen
- Bei Lichtempfindlichkeit
- Wenn das Sehvermögen eingeschränkt ist
Diese Warnzeichen sollten Sie ernst nehmen
So häufig rote Augen auch sind: Manche Symptome sprechen gegen eine harmlose Reizung und sollten rasch ärztlich untersucht werden. Dazu gehören:
- starke Schmerzen im oder am Auge
- zunehmendes und ausgeprägtes Fremdkörpergefühl
- plötzliche Sehverschlechterung
- ausgeprägte Lichtempfindlichkeit
- deutliche Verschlechterung
- Verletzungen oder ein Fremdkörper im oder am Auge
Dann kann mehr dahinterstecken als eine einfache Entzündung – etwa eine Hornhautentzündung oder in seltenen Fällen ein akuter Glaukomanfall. Das ist ein augenärztlicher Notfall mit extrem erhöhtem Augeninnendruck.
„Schmerzen im oder am Auge und Sehprobleme sind immer ein Warnsignal“, betont Reinhard. „Dann sollte man nicht abwarten, sondern sofort ärztliche Hilfe suchen.“
Was man mit einem Gerstenkorn nicht machen sollte
Nicht jede Rötung betrifft das ganze Auge. Manchmal sitzt die Entzündung direkt am Lidrand. Ein Gerstenkorn ist eine bakterielle Entzündung einer Drüse am Augenlid und zeigt sich meist als gerötete, druckempfindliche Schwellung, manchmal mit einem kleinen „Eiterpunkt“.
Auch wenn es unangenehm ist: Ein Gerstenkorn ist in der Regel harmlos und heilt häufig von selbst ab. „Wichtig ist, es nicht „auszudrücken“ – das kann die Infektion verschlimmern“, sagt Reinhard.
Hilfreich sind:
- warme, trockene Kompressen mehrmals täglich
- sorgfältige Lidrandhygiene
Ärztlich abklären lassen sollten Sie ein Gerstenkorn, wenn:
- die Schwellung sehr groß wird
- starke Schmerzen auftreten
- sich die Entzündung ausbreitet
Auf einen Blick: Erste Orientierung bei roten Augen
Wer unsicher ist, kann sich diese Fragen stellen:
- Juckt das Auge vor allem – oder tut es richtig weh?
- Ist nur ein Auge betroffen oder beide?
- Tränen die Augen stark oder gibt es eitriges Sekret?
- Ist das Sehen schlechter geworden?
- Besteht Lichtempfindlichkeit?
Wichtig zu wissen: Schmerzen, Sehverschlechterung und starke Lichtempfindlichkeit sollten immer zeitnah ärztlich abgeklärt werden.
Richtig reagieren heißt: Beschwerden ernst nehmen
Rote Augen sind im Alltag nichts Ungewöhnliches. Häufig steckt eine harmlose Reizung oder eine gut behandelbare Entzündung dahinter. Entscheidend ist aber, Beschwerden nicht vorschnell „abzutun“. Wer Warnzeichen kennt, auf Hygiene achtet und bei stärkeren Symptomen ärztlichen Rat sucht, schützt seine Augen am besten.
Reinhard rät: „Nicht reiben, Kontaktlinsen pausieren, auf Hygiene achten – und bei Schmerzen, Sehproblemen oder Verschlechterung nicht abwarten, sondern ärztlich klären lassen.“
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