Zu den Inhalten springen

Wir überwinden Grenzen

Schritt für Schritt gegen den Krebs

Dermatologie

(07.03.2016) Der Rentner Markus Maier* fühlt sich für sein Alter von Mitte 60 sehr gut und hat keine ungewöhnlichen Beschwerden. Nur eine Stelle auf dem Rücken macht ihm Sorgen. Er kann sie zwar nicht direkt sehen, entdeckt aber nach dem Abtrocknen auf dem Duschhandtuch feine Blutspuren. Als er seinen Hautarzt aufsucht, stellt der eine äußerst beunruhigende Diagnose: malignes Melanom, auch schwarzer Hautkrebs genannt.

„Wenn der schwarze Hautkrebs sehr früh erkannt wird, kann er meist durch eine Operation vollständig entfernt und geheilt werden. Ist das Melanom aber schon in tiefere Hautschichten eingedrungen, dann kann sich die Prognose deutlich verschlechtern“, sagt Dr. Frank Meiß, kommissarischer Leitender Oberarzt der Klinik für Dermatologie und Venerologie des Universitätsklinikums Freiburg. Bis vor wenigen Jahren lag die mittlere Überlebensdauer bei Patienten mit metastasiertem schwarzem Hautkrebs bei neun bis zwölf Monaten.

Die erste und wichtigste Behandlung ist eine fachgerechte chirurgische Entfernung des Tumors. Die Ärzte um Dr. Meiß schneiden den Tumor heraus und vermessen die Dicke des Geschwürs. „Je tiefer ein malignes Melanom in die Haut eingewachsen ist, desto größer ist auch die Gefahr, dass der Krebs bereits Metastasen bilden kann oder schon gebildet hat“, erklärt Dr. Meiß. Bei Markus Maier ist der Krebs bereits mehr als einen Zentimeter dick zum Zeitpunkt der Diagnosestellung. Nach der Operation lassen sich zunächst keine weiteren Tumorzellen mehr nachweisen. Doch nach zwei Monaten klagt der Patient über immer stärkere Bauchschmerzen. Im Computertomogramm sehen die Ärzte des Universitätsklinikums Freiburg, dass Metastasen in Leber, Milz und Knochen entstanden sind, die sehr schnell wachsen. Das Krebsgewebe wird molekularbiologisch untersucht. „Die Krebszellen des Patienten wiesen eine Erbgut-Veränderung auf, die die Zellen besonders aggressiv macht, die sogenannte BRAF-Mutation“, sagt Dr. Meiß. Fast jeder zweite Patient mit malignem Melanom hat eine solche Mutation.

Doch gerade für diese Patienten konnte vor wenigen Jahren eine neue Therapie etabliert werden. Der Wirkstoff hemmt in den Krebszellen den Signalweg für Wachstum und Vermehrung, was letztlich zu einem Absterben der Zellen führt. Gesunde Zellen hingegen weniger beeinträchtigt. Auch Markus Maier spricht sehr gut auf die Therapie an: „Schon nach knapp zwei Wochen waren die tumorrelevanten Blutwerte des Patienten fast normal und auch die Bauchschmerzen hatten sich zurückgebildet“, sagt Dr. Meiß.

Doch nach einem halben Jahr werden die Krebszellen resistent gegen das Medikament. „Das ist leider eine normale Entwicklung“, sagt Dr. Meiß. Die Ärzte setzen nun eine ganz neue Therapie ein, bei der das Immunsystem des Patienten dazu gebracht wird, den Krebs zu bekämpfen. Tatsächlich spricht Markus Maier auch auf diese immunonkologische Behandlung sehr gut an. In Kombination mit der Bestrahlung einzelner Metastasen lässt sich der Krebs so wieder zurückdrängen.

Zwei Jahre nach der Diagnose kommt es wieder zu einem Fortschreiten der Krankheit. Doch noch einmal haben die Ärzte eine neuartige Therapie, wieder eine Immuntherapie. Und wieder spricht der Patient sehr gut darauf an. „Noch immer können wir fortgeschrittenen schwarzen Hautkrebs nur in den wenigsten Fällen heilen. Aber dieser Patient hat Schritt für Schritt von innovativen Therapien profitiert und steht heute – Jahre nach der Diagnose – trotz seiner Krankheit mitten im Leben“, sagt Dr. Meiß.

Und auch nach dieser Therapie sind die Ärzte nicht mit ihren Möglichkeiten am Ende. „Die Therapieoptionen haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erweitert, so dass wir heute noch Patienten behandeln können, bei denen wir früher keine Möglichkeit gehabt hätten“, betont Dr. Meiß.

* Name von der Redaktion geändert

Zurück