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Wir überwinden Grenzen

Glückliches Ende eines Badeunfalls

Augenheilkunde

(09.09.2016) Martin K.* fuhr zum Schnorcheln und Tauchen ans Rote Meer in Ägypten. Doch als er wie gewohnt beim Schnorcheln und Schwimmen unter Wasser die Taucherbrille absetzte, stieß etwas gegen sein linkes Auge. Was es genau war, konnte er nicht erkennen. Kurze Zeit blutete und schmerzte das Auge etwas. Die akuten Schmerzen waren bald wieder vorbei, aber irgendetwas stimmte mit seinem Auge nicht.

Hängendes Augenlid und Doppelbilder

Als sich die Situation auch nach vier Wochen nicht besserte, wandte er sich an die Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg. „Der Patient konnte das rechte Augenlid nur etwa zur Hälfte öffnen. Außerdem sah er Doppelbilder wie beim Schielen, wenn er nach oben blickte“, sagt Professor Dr. Wolf Lagrèze, Leiter der Sektion Neuroophthalmologie, Kinderaugenheilkunde, Schielbehandlung am Universitätsklinikum Freiburg und Leiter des Orbita-Zentrums Freiburg. Im Orbita-Zentrum arbeiten Experten aus insgesamt elf Fachbereichen des Universitätsklinikums Freiburg zusammen, um Erkrankungen und Verletzungen der Augenhöhle optimal zu behandeln.

Bei der ersten Untersuchung tastete Professor Lagrèze eine ungewöhnliche, rundliche, vernarbte Stelle auf dem linken Oberlid. Der Augenarzt vermutete zunächst, dass es sich um ein gutartiges Knötchen oder eine kleine Narbe handelte. So etwas nennt man auch Granulom. Kernspin-Aufnahmen, mit denen das Weichgewebe des Auges besonders detailliert dargestellt werden kann, sollten etwas über die Ursache des Knötchens verraten. „Man sah auf den Kernspin-Bildern nichts ungewöhnliches, eben nur einen Knoten im Lidgewebe“, sagt Professor Lagrèze.

Zwei Objekte, die im ersten Moment wie Strohhalme aussahen

Unter lokaler Betäubung machte sich das Team um Professor Lagrèze darum an die operative Entfernung des Granuloms. „Als wir die Narbe aufgeschnitten hatten, entdeckten wir einen dunkelblau-grünlichen Fremdkörper“, sagt Professor Lagrèze. Daraufhin wurde mit dem Patienten besprochen, die Operation auf eine Vollnarkose umzustellen. „Beim weiteren Präparieren der Narbe tauchten zwei Objekte auf, die im ersten Moment wie Strohhalme aussahen und tief in die Augenhöhle hineinreichten. Zum Glück ließen sie sich relativ problemlos herausziehen“, sagt der Augenexperte. Im Anschluss wurde die Wunde auf dem Augenlid vernäht und mit einem Verband verschlossen.

Fischexperten klären die Herkunft

Worum es sich bei den etwa drei Zentimeter langen, transparenten und spitzen Objekten genau handelte, brachte erst die Analyse des Hamburger Thünen-Instituts für Seefischerei ans Licht. Die Ärzte hatten bereits vermutetet, dass es sich bei den Fremdkörpern um Bestandteile eines Fisches handeln könnte. Die dortigen Wissenschaftler identifizierten sie als Unterkiefer des Halbschnäblers, der in tropischen Gewässern heimisch ist und in flachem Wasser direkt unter der Wasseroberfläche nach Beute sucht.

„Offensichtlich ist der Patient mit dem Fisch zusammengestoßen, wobei die Unterkieferknochen oberhalb des Augapfels in die Augenhöhle eingedrungen und abgebrochen sind. Wie zwei Stecknadeln haben sie den Hebemuskel des Augenlids und den Muskel für Aufwärtsbewegungen des Auges fixiert“, sagt Professor Lagrèze. Da sich dadurch beim Blick nach oben nur das rechte Auge bewegen konnte, entstanden die Doppelbilder. Nach drei Monaten war die Verletzung komplett ausgeheilt. „Auch gegen zukünftige Schnorcheltouren spricht nichts“, sagt Professor Lagrèze. 

* Name von der Redaktion geändert

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