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Institut für Medizinische Biometrie
und Statistik (IMBI)

LESTOR

Leitstellen-basierte Erkennung von Schlaganfall-Patienten für eine Thrombektomie und daraufhin abgestimmte Optimierung der Rettungskette (LESTOR)

Kooperationsprojekt mit der Klinik für Neurologie und Neurophysiologie, Universitätsklinikum Freiburg (Dr. Jochen Brich, Konsortialführer), Universitäts-Notfallzentrum, Universitätsklinikum Freiburg (Prof. Dr. Hans-Jörg Busch), Klinik für Neuroradiologie, Universitätsklinikum Freiburg (Prof. Dr. Horst Urbach). Die SEVERA übernimmt die Funktion des evaluierenden Instituts.

Förderer: Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA)

Projektlaufzeit: 36 Monate (Beginn: 01.04.2020)

Das Ziel der geplanten Studie ist die Verkürzung der Rettungsdauer von Patient*innen mit einem Schlaganfall mit Large Vessel Occlusion (LVO), der etwa 30% aller Schlaganfälle ausmacht. In den ersten Stunden bestehen gute Heilungschancen, der Therapieerfolg ist jedoch stark zeitabhängig.  Ziel ist die Verbesserung der präklinischen Versorgung von Patient*innen mit Schlaganfall mit LVO, die von einer mechanischen Thrombektomie (MT) profitieren, aber weit von einer Klinik mit einem Thrombektomiezentrum entfernt wohnen. Einer der innovativen Aspekte des Projekts ist der Einbezug von Laien (Ersthelfer*innen) bei der zeitnahen Identifikation des lebensbedrohlichen Krankheitsbildes.

Zur Optimierung der Versorgung müssen bereits während der Notfallmeldung durch die Leitstellendisponent*innen diejenigen Patient*innen identifiziert werden, bei denen ein dringender Verdacht auf Schlaganfall mit LVO vorhanden ist. Hierfür wird ein über die Aussagen der Ersthelfer*innen zu bestimmender LVO-Score erarbeitet, in Zusammenarbeit mit den Leitstellen getestet und im Anschluss in Schulungen allen teilnehmenden Leitstellendisponent*innen, Notärzt*innen und Rettungsdienstmitarbeiter*innen vermittelt.

Im Rahmen der Studie, die in Südbaden für drei Jahre zusammen mit sechs Leitstellen, drei Luftrettungsorganisationen und acht Kliniken geplant ist, wird durch die Leitstellendisponent*innen bei Verdacht auf einen Schlaganfall mit LVO sofort ein Rettungshubschrauber für den schnellstmöglichen Transport in ein Zentrum mit Möglichkeit der MT alarmiert. Wir erwarten, dass die frühere Identifikation des lebensbedrohlichen Krankheitsbildes „Schlaganfall mit LVO“ mit Hilfe der meldenden Laien und die schnellere präklinische Versorgung eine frühere spezifische Therapie ermöglicht und Patient*innen mit LVO somit ein besseres klinisches Ergebnis erreichen.

Die SEVERA ist in dem Projekt für die wissenschaftliche Evaluation mittels Prozess- und Ergebnisevaluation zuständig. Das Studiendesign sieht eine kontrollierte Machbarkeitsstudie mit einem Stepped Wedge Design und Clusterung von 6 Leitstellen zur sukzessiven Implementierung der Intervention vor. Primärer Endpunkt ist das klinische Outcome, erfasst mit der modifizierten Rankin-Skala (Ausmaß der Behinderung/Einschränkung von Aktivitäten) nach 90 Tagen. Es erfolgen gesundheitsökonomische Auswertungen im Sinne von Kosten-Effektivitäts-Analysen bezüglich der verschiedenen Outcome-Parameter. Die Prozessevaluation bedient sich qualitativer Methoden (Interviews).

Das Projekt ist für drei Jahre in Südbaden (Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald, Lörrach, Emmendingen, Waldshut, Schwarzwald-Baar, Tuttlingen sowie Stadtkreis Freiburg) gemeinsam mit den regionalen Leitstellen, Kliniken und Rettungsdiensten geplant.

Projektleitung in der SEVERA

Prof. Dr. Erik Farin-Glattacker

Projektmitarbeitende