Schwacher Beckenboden: Was Frauen bei Inkontinenz und Senkungsbeschwerden hilft
UrogynäkologieWo gibt es spezialisierte Hilfe bei Inkontinenz und Beckenbodenschwäche in Freiburg?
Das zertifizierte Kontinenz- und Beckenbodenzentrum des Universitätsklinikums Freiburg bietet spezialisierte Diagnostik und Behandlung bei Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz und Senkungsbeschwerden.
- Behandlung: Beckenbodentraining, Medikamente, Pessare und operative Verfahren.
- Besonderheit: Fachübergreifende Zusammenarbeit von Frauenheilkunde, Urologie, Chirurgie, Radiologie und Physiotherapie.
- Leitung: Prof. Dr. Markus Hübner, Stellvertreter des Ärztlichen Direktors und Sektionsleitung Urogynäkologie der Klinik für Frauenheilkunde.
- Terminvereinbarung Urogynäkologie: 0761 270-30250/31680. Eine Überweisung der hausärztlichen oder frauenärztlichen Praxis wird benötigt.
- Weitere Informationen: Kontinenz- und Beckenbodenzentrum

Der Beckenboden besteht aus Muskeln und Bindegewebe und stützt wichtige Organe wie Blase, Gebärmutter und Darm. © Adobe Stock
(30.10.2026) Ob beim Sport, im Beruf oder in der Partnerschaft: Wenn der Beckenboden nicht mehr richtig funktioniert, kann das die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Trotzdem sprechen viele Frauen aus Scham lange nicht über ihre Beschwerden. Dabei sind die Probleme keineswegs auf ältere Menschen beschränkt. Insbesondere Schwangerschaften und vaginale Geburten können den Beckenboden stark beanspruchen.
„Beckenbodenbeschwerden können Frauen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen betreffen. Wichtig ist, dass Betroffene wissen: Sie müssen sich mit diesen Einschränkungen nicht abfinden. Es gibt viele Möglichkeiten, die Beschwerden wirksam zu behandeln“, sagt Prof. Dr. Markus Hübner, Leiter des interdisziplinären Kontinenz- und Beckenbodenzentrums und Stellverteter des Ärztlichen Direktors der Klinik für Frauenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg.
Welche Beschwerden können bei einer Beckenbodenschwäche auftreten?
Der Beckenboden besteht aus Muskeln und Bindegewebe, die unter anderem die Blase, die Gebärmutter und den Darm stützen. Ist seine Funktion beeinträchtigt, kann sich das unterschiedlich bemerkbar machen.
Zu den häufigsten urogynäkologischen Beschwerden gehören:
- Belastungsharninkontinenz: Beim Husten, Niesen, Lachen, Heben oder Sport geht ungewollt Urin verloren.
- Überaktive Blase: Betroffene verspüren häufig einen plötzlich auftretenden, starken Harndrang und müssen oft zur Toilette.
- Senkungsbeschwerden: Blase, Gebärmutter oder andere Beckenorgane sinken ab. Das kann ein Druck- oder Fremdkörpergefühl verursachen und die Blasen- oder Darmentleerung erschweren.
- Stuhlinkontinenz: Der Abgang von Stuhl oder Winden lässt sich nicht mehr zuverlässig kontrollieren.
Die Beschwerden können einzeln oder gemeinsam auftreten. Wie stark sie den Alltag beeinträchtigen, unterscheidet sich von Patientin zu Patientin.
Welche Behandlung hilft bei Inkontinenz und Beckenbodenschwäche?
„Nicht jede Beckenbodenschwäche muss operiert werden“, stellt der Gynäkologe des Universitätsklinikums Freiburg klar. Welche Therapie geeignet ist, hängt von der Ursache, der Art der Beschwerden und den individuellen Bedürfnissen ab.
„Bei einer Belastungsharninkontinenz kann beispielsweise gezieltes Beckenbodentraining unter physiotherapeutischer Anleitung helfen, die Muskulatur zu stärken und ihre Funktion zu verbessern“, so Prof. Hübner.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind:
- Medikamente: Sie können insbesondere bei einer überaktiven Blase eingesetzt werden, um starken Harndrang zu reduzieren.
- Pessare: Diese Hilfsmittel aus Silikon werden in die Vagina eingesetzt und können abgesunkene Beckenorgane stützen.
- Operative Verfahren: Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen, können je nach Erkrankung unterschiedliche Eingriffe infrage kommen.
Entscheidend ist, gemeinsam mit der Patientin eine Behandlung zu finden, die zu ihren Beschwerden und ihrer Lebenssituation passt.
Wie werden Beckenbodenbeschwerden untersucht?
Am Kontinenz- und Beckenbodenzentrum des Universitätsklinikums Freiburg beginnt die Diagnostik mit einem ausführlichen Gespräch. Dabei geht es nicht nur um die Art und Dauer der Beschwerden, sondern auch darum, in welchen Situationen sie auftreten und wie stark sie den Alltag beeinträchtigen.
Anschließend folgen je nach Beschwerdebild eine gynäkologische Untersuchung und Ultraschalluntersuchungen. Wenn weitere Informationen benötigt werden, können zusätzliche Verfahren zum Einsatz kommen:
- Blasendruckmessung: Sie untersucht die Funktion der Harnblase und des Blasenschließmuskels.
- Blasenspiegelung: Sie ermöglicht die Untersuchung des Blaseninneren mit einer kleinen Kamera.
- Kernspintomografie (MRT): Sie kann bei speziellen Fragestellungen die Beurteilung der Beckenorgane unterstützen.
Nicht jede Patientin benötigt sämtliche Untersuchungen. Welche Verfahren sinnvoll sind, wird individuell entschieden.
Warum ist eine individuelle Behandlung so wichtig?
Beckenbodenbeschwerden können unterschiedliche Ursachen haben und mehrere Organe gleichzeitig betreffen. Deshalb reicht es nicht immer aus, nur die Blase oder nur die Beckenbodenmuskulatur zu betrachten.
Im zertifizierten Kontinenz- und Beckenbodenzentrum des Universitätsklinikums Freiburg arbeiten deshalb verschiedene Fachrichtungen eng zusammen. Bei Bedarf werden Befunde gemeinsam besprochen und Behandlungen abgestimmt.
Das Ziel ist nicht allein, Untersuchungsergebnisse zu verbessern. Die Behandlung soll vor allem dafür sorgen, dass Betroffene wieder möglichst unbeschwert am Alltag teilnehmen können – sei es beim Sport, bei gemeinsamen Unternehmungen oder in der Partnerschaft.
„Beckenbodenbeschwerden sind kein Grund, sich zurückzuziehen oder dauerhaft auf lieb gewonnene Aktivitäten zu verzichten. Wer frühzeitig Hilfe sucht, kann häufig schon mit gezielten, nicht operativen Maßnahmen eine deutliche Verbesserung erreichen“, betont Prof. Hübner.
Dieser Artikel wurde vollständig medizinisch geprüft von
Prof. Dr. Markus Hübner
Stellvertreter des Ärztlichen Direktors und Sektionsleitung Urogynäkologie der Klinik für Frauenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg
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