Vergesslich? Warum das normal ist – und wann Sie hellhörig werden sollten
Neurologie und Neurophysiologie(10.03.2026) Unser Gehirn sortiert täglich aus, was bleiben darf und was gehen muss. Warum das wichtig ist und welche Faktoren unsere Erinnerungsleistung beeinflussen, erklärt ein Experte.
Sie gehen ins Wohnzimmer – und wissen plötzlich nicht mehr, was Sie dort wollten.
Der Name der Kollegin liegt Ihnen auf der Zunge – aber er fällt Ihnen einfach nicht ein.
Müssen Sie sich Sorgen machen?

Vergesslich? Ein Experte spricht über Ursachen, Warnsignale und gibt Tipps für ein starkes Gedächtnis. ©Fotolia
„Vergesslichkeit ist ein ganz normaler, physiologischer Vorgang“, sagt Prof. Dr. Heinz Wiendl, Ärztlicher Direktor der Klinik für Neurologie und Neurophysiologie am Universitätsklinikum Freiburg. „Unser Gehirn muss sogar vergessen, um nicht überlastet zu werden.“
- Warum Vergessen wichtig ist
Unser Gehirn speichert nicht alles – und das ist gut so. Es sortiert ständig aus: Was ist wichtig? Was kann weg?
Würde jede Information dauerhaft gespeichert, wären wir mental „überfüllt“, erklärt Wiendl. „Erst das bewusste Aussortieren sorgt dafür, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren können.“
Eine zentrale Rolle spielt dabei der Hippocampus – sozusagen das Gedächtniszentrum unseres Gehirns. Er entscheidet mit, welche Informationen langfristig bleiben und wie wir sie emotional einordnen.
- Multitasking? Ein Mythos.
Viele glauben, sie könnten mehrere Dinge gleichzeitig erledigen.
Tatsächlich kann unser Gehirn nur eine komplexe Aufgabe wirklich gut zur selben Zeit bewältigen.
Wer ständig zwischen Aufgaben springt, speichert Informationen nur oberflächlich. Die Folge: Wir vergessen schneller.
- Stress, Schlafmangel und Stimmung
Dauerstress, zu wenig Schlaf oder eine Depression können die Gedächtnisleistung deutlich beeinträchtigen.
Gerade Depressionen werden häufig mit Demenz verwechselt. Doch hier gilt:
Depression ist behandelbar – und mit der richtigen Therapie verbessert sich oft auch die Konzentration wieder.
- Der Türschwelleneffekt – völlig normal!
Sie betreten einen Raum – und der Gedanke ist weg? Das nennt man „Türschwelleneffekt“.
Beim Wechsel in eine neue Umgebung richtet sich das Gehirn neu aus. Alte Informationen treten kurzfristig in den Hintergrund.
„Das ist kein Krankheitszeichen, sondern ein normales Phänomen“, beruhigt der Experte.
- Wann sollte ich ärztlichen Rat suchen?
Gelegentliche Vergesslichkeit ist normal.
Hellhörig sollten Sie werden, wenn:
- der Alltag deutlich beeinträchtigt ist
- vertraute Abläufe nicht mehr funktionieren
- Orientierung in bekannter Umgebung verloren geht
- Angehörige starke Veränderungen bemerken
Dann gilt: frühzeitig ärztlich abklären lassen.
- Das Fazit
Unser Gehirn ist unser wichtigstes Organ.
„Ein gesunder Lebensstil, soziale Verbundenheit und geistige Aktivität sind der beste Schutz – damit Vergessen normal bleibt und Erinnern gelingt“, rät Wiendl.
- 7 Dinge, die Ihr Gedächtnis stärken
Wiendl empfiehlt besonders die „vier L“:
1. Laufen
Regelmäßige Bewegung (8.000–10.000 Schritte täglich) fördert die Durchblutung des Gehirns.
2. Lernen
Neue Inhalte halten neuronale Verbindungen aktiv.
3. Lachen
Positive Emotionen stärken die Hirnleistung.
4. Lieben
Soziale Nähe und stabile Beziehungen schützen die psychische Gesundheit.
Ergänzend wichtig sind:
5. Gesunder Schlaf
Das Gehirn verarbeitet und speichert Inhalte vor allem nachts.
6. Bewusste Ernährung
Eine ausgewogene Ernährung unterstützt die Hirnfunktion.
7. Risikofaktoren behandeln
Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht erhöhen das Risiko für kognitive Einschränkungen – sind aber gut behandelbar.
Weitere interessante Artikel
Universitätsklinikum Freiburg
Zentrale InformationTelefon: 0761 270-0
Sie haben eine Frage?
Unternehmenskommunikation
Breisacher Straße 15379110 Freiburg
Telefon: 0761 270-84830
kommunikation@uniklinik-freiburg.de


