Zu den Inhalten springen

Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin

Leistungsspektrum

Nephelometrie

Alpha-1-Mikroglobulin (Urin)

Die klinische Relevanz der alpha-1-Mikroglobulin-Bestimmung liegt in der Identifikation tubulärer Proteinurien. Alpha-1-Mikroglobulin wird glomerulär quantitativ filtriert. Reabsorption und Katabolismus erfolgen analog zu anderen glomerulär filtrierten Proteinen im proximalen Tubulus. Erhöhte Konzentrationen von alpha-1-Mikroglobulin lassen auf tubuläre Schädigungen schließen, wie sie im Rahmen von Nephritiden, fortgeschrittener diabetischer Nephropathie, nach Schwermetallexposition oder Gabe von nephrotoxischen Medikamenten auftreten können. Bei Harnwegsinfekten weist eine erhöhte alpha-1-Mikroglobulin Konzentration im Urin auf eine Nierenbeteiligung hin. Bei einer Abnahme der glomerulären Filtrationsrate steigt das a1-Mikroglobulin im Plasma an. Die dadurch bedingte Hyperfiltration des Proteins in den Restnephronen führt zu einer erhöhten Ausscheidung bei Überschreiten der Resorptionskapazität (Überlaufproteinurie). Achtung, angeborene Defekte des tubulären Aminosäure- oder Elektrolyttransportes im Tubulusepithel werden durch alpha-1-Mikroglobulin nicht angezeigt.

Indikation

Parameter im Rahmen der Proteinuriediagnostik, Tubulusschädigung

Untersuchungsmaterial

  • 2. Morgenurin
  • Sammelurin 24H   

Präanalytik

Für Sammelurin müssen Angaben bezüglich Sammelmenge und Sammeldauer gemacht werden.

Einheit und Referenzbereich

α1 -Mikroglobulin im Urin: < 12 mg/l
Quelle: Siemens Packungsbeilage Edition September 2011

Erhöhte Werte

  • Bei Tubulopathie
  • Glomerulopathie mit interstitieller Mitbeteiligung
  • Nepgrotisch glomeruläre Proteinurie als Ausdruck der Überlastung der Rückresorptionskapazität

Methode/Meßverfahren/Gerät

Immunologische Nephelometrie am Siemens BN Prospec

Messintervall

montags – freitags: 8.00 bis 15:00 Uhr

Beta-2-Mikroglobulin

Beta-2-Mikroglobulin ist Bestandteil des HLA-Komplexes und besitzt ein Molekulargewicht von 11,8 kD. Es besteht aus einer einzigen Polypeptidkette mit 100 Aminosäuren und bildet die leichte Kette der HLA-I-Antigene, die - mit Ausnahme der Spermien - auf allen kernhaltigen Zellen und auf Thrombozyten gefunden werden. Es wird in geringer Menge dauernd in das Blut abgegeben und in den Nieren frei filtriert, tubulär reabsorbiert und sofort degradiert. Es findet sich deshalb nicht im Urin gesunder Personen wieder und im Serum nur in gleichbleibend geringer Konzentration. Eine gesteigerte Freisetzung durch erhöhte Aktivität des Immunsystems (Infektionen, rheumatische Erkrankungen oder Zelltod) oder eine verminderte Elimination durch eine Schädigung der Nieren im glomerulären Bereich führen zu einem Anstieg der Serumkonzentration. Die Serumkonzentration ist somit ein empfindlicher Marker für die glomeruläre Filtrationsleistung. Bei Vorliegen eines tubulären Schadens steigt die beta-2-Mikroglobulinkonzentration im Urin an. Die stark erhöhte Serumkonzentration bei Dialysepatienten kann zur beta-2-Mikroglobulin-Amyloidose führen.

Indikation

Verlaufs- und Therapiebeurteilung lymphoider Neoplasien, insbesondere Hodgkin-Lymphome, Non-Hodgkin-Lymphome und Plamozytom. Beurteilung der glomerulären Filtrationsleistung, Differenzierung glomerulärer und tubulärer Funktionsstörungen, Kontrolle der Nierenfunktion bei Transplantatempfängern (frühes Abstoßungszeichen). Beurteilung der Progression einer HIV-Infektion Verlaufsbeurteilung lymphoider Neoplasien wie Hodgkin-Lymphome, Non-Hodgkin-Lymphome, Plasmozytome, Diagnostik und Verlaufsbeurteilung von tubulären oder interstitiellen Nierenschäden.

Präanalytik

Heterophile Antikörper in Patientenproben können zu falsch hohen oder falsch niedrigen Ergebnissen führen. Trotz der Minimierung dieses Einflusses im Testansatz ist eine komplette Unterdrückung nicht garantiert. Das Vorliegen solcher Antikörper ist nach Möglichkeit vom Anforderer anzugeben.

Einheit Referenzbereiche: < 60 Jahre 0,8 – 2,2 mg/L > 60 Jahre 1,1 – 3,0 mg/L

Probenmaterial: Serum, EDTA- und Heparinplasma

Erhöhte Werte: Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphome, Myelome, Leukosen, Mehrproduktion durch T-Lymphozyten (AIDS), chronische Polyarthritis, Sjögren-Syndrom, Akute-Phase-Reaktion, Nephropathien mit Einschränkung der glomerulären Filtrationsrate, Pankreastumore, Transplantatabstoßung

Messverfahren / Gerät: Partikelverstärkte Immunnephelometrie auf Siemens BN Prospec

Messintervall: Montags – freitags: 8:00 – 15:00 Uhr

Weitere Hinweise: Wegen der geringen Stabilität im Urin sollte Beta-2-Mikroglobulin nicht als Marker für tubuläre Proteinurien eingesetzt werden. Hier ist alpha-1-Mikroglobulin vorzuziehen.

Coeruloplasmin

Coeruloplasmin ist das wesentliche Transportprotein für Kupfer im Blut, außerdem oxidiert es Fe2+ zu Fe3+. Coeruloplasmin ist ein Alpha-2-Glykoprotein, das in der Leber synthetisiert wird. Daneben weist das Protein weitere enzymatische Aktivität als Oxidase für verschiedene Substrate auf. Beim Morbus Wilson und dem Menkes-Syndrom, genetisch bedingten Störungen des Kupferstoffwechsels, ist die Coeruloplasmin-Konzentration im Serum stark erniedrigt, vor allem bei homozygoten Merkmalsträgern. Coeruloplasmin-Erniedrigungen treten auch bei Leberinsuffizienz und Protein-Verlustsyndrom auf. Erhöhungen der Coeruloplasmin-Serumkonzentration werden bei Akute-Phase-Reaktionen, bei Einnahme hormoneller Kontrazeptiva und bei Cholestase beobachtet.

Indikation

• Unklare, Hepatitis-unabhängige Lebererkrankungen im Kindes- und Jugendalter (Verdacht auf M. Wilson)

• Neuro-psychiatrische Symptomatik (Verdacht auf M. Wilson)

• Neurodegenerative Symptome und Zeichen einer Bindegewebserkrankung bei Säuglingen und Kleinkindern (Verdacht auf Menkes-Erkrankung)

• Hypochrome, mikrozytäre, Eisen-refraktäre Anämie (Verdacht auf nutritiven Cu-Mangel)

Präanalytik

Keine Besonderheiten

Probenmaterial: Serum, Heparinplasma Referenzbereiche 25 -63 mg/dl

Messverfahren / Gerät: Immunnephelometrie / Siemens BN Prospec

Messintervall: Montags- freitags: 8:00 – 15:00 Uhr

Ergebnisinterpretation

Erhöhung bei:

• Entzündungen

• Tumoren

• Cholestase

• Schwangerschaft

• Medikamente ( Orale Kontrazeptiva, Estrogene, Carbamazepin, Methadone, Phenobarbital, Phenytoin, Tamoxifen)

Verminderung bei:

• Nutritivem Kupfer-Mangel

• Morbus Wilson

• Menkes-Erkrankung

• Asparaginase-Therapie

• Hereditärer Coeruloplasmin-Synthesestörung

Hämopexin

Bei intravasalen Hämolysen spielt Hämopexin eine ähnliche Rolle wie Haptoglobin, indem es den Häm-Anteil von freigesetztem Hämoglobin bindet. Dieser Prozess führt zu einer Konzentrationsabnahme im Serum, bzw. Plasma, die jedoch schwächer ausgeprägt ist als beim Haptoglobin und auch erst bei starken Hämolysen wirksam wird.

Indikation: Hämopexin wird zur Abschätzung des Schweregrades einer Hämolyse erst gemessen, wenn Haptoglobinwerte im nicht mehr messbaren Bereich liegen.

Präanalytik

Keine Besonderheiten

Probenmaterial: Serum / Heparinplasma Referenzbereich 0,5 – 1,15 g/l

Messverfahren / Gerät: Immunologische Nephelometrie / Siemens BN Prospec

Messintervall: Montags – freitags: 8:00 bis 15:00 Uhr  

Immunglobulin-G-Subklassen

Die humanen IgG-Antikörper setzen sich aus vier Subklassen IgG1, IgG2, IgG3 und IgG4 zusammen. Die Funktionen der Immunglobuline bestehen darin, eindringende Pathogene und ihre Produkte zu eliminieren.
Die prozentuale Verteilung der IgG-Subklassen im Serum beträgt für IgG1 60 – 75 %, IgG2 15 – 25 %, IgG3 3 – 6 % und IgG4 2 – 6 %.
Die spezifische Antikörperbildung innerhalb der einzelnen IgG-Subklassen ist antigenabhängig:

• T-Zell-abhängige Antigene, wie z. B. Viren und bakterielle Toxine, induzieren eine Immunantwort in den IgG1- und IgG3 Subklassen.

• T-Zell-unabhängige Antigene, wie die Polysaccharid-Kapsel von Hämophilus Influenzae und Pneumokokken führen überwiegend zu einer IgG2-restringierten Immunantwort. Allergen-spezifische Antigene (Bienengift) werden unter einer Hyposensibilisierung vor allem in der IgG4-Subklasse gebildet.

IgG-Subklassenmangel

Die meisten Menschen mit einem IgG-Subklassenmangel leiden an gehäuften Infektionen der Atemwege. Die Untersuchung der IgG-Subklassen ist deshalb Bestandteil der Diagnostik bei Patienten mit Infektanfälligkeit. Der IgG-Subklassenmangel kann isoliert vorkommen, aber auch mit anderen Immundefekten assoziiert sein.

• IgG1-Mangel: Dieser wird meist im Rahmen eines Immundefizienz-Syndroms bei Patienten mit primärem Antikörpermangel oder dem common variable immunodeficiency syndrome (CVID) gesehen. Da diese Subklasse den größten Anteil am Gesamt-IgG ausmacht, haben diese Patienten immer einen IgG-Mangel.

• IgG2 Mangel findet sich bei Patienten mit rezidivierenden Erkrankungen der oberen Atemwege (bes. durch Streptococcus pneumoniae und Haemophilus influenzae) und deutet damit auf eine gestörte Immunantwort hin. Eine Erniedrigung beider IgG-Subklassen findet sich auch beim nephrotischen Syndrom und insbesondere bei der Minimal-Change-Nephritis.

• IgG3 Mangel findet sich bei rezidivierenden Infektionen des oberen Respirationstraktes, Bronchial-Asthma und Durchfallerkrankungen. Bei Patienten mit COPD welche in eine Bronchiktase mündet findet sich meist ein kombinierter Mangel von IgG1 und IgG3

• IgG4 Mangel kommt meist nur in Kombination mit der Erniedrigung anderer Ig-Subklassen (bes. IgG2) im Rahmen von Immundefizienzerkrankungen vor.

IgG-Subklassenerhöhung

Pathologisch erhöhte IgG-Subklassen sind häufig bei chronischer Antigenstimulation. Bei Patienten mit HIV-Infektion finden sich charakteristischerweise polyklonal erhöhte IgG1- und IgG3-Subklassenkonzentrationen, bei Patienten mit allergischer Alveolitis kommt es zu einem massiven Anstieg von IgG2.
IgG3 wird häufig bei virusbedingten Harnwegsinfekten beobachtet.
Bei Mukoviszidose und Allergikern (Bienengift) kommt es zu einer polyklonalen Vermehrung von IgG4. Eine Erhöhung von IgG4 ist auch charakteristisch für das Vorliegen einer Autoimmun-Pankreatitis.

Indikation 

• Verdacht auf ein gestörtes Immunsystem bei erhöhter Infektanfälligkeit, wiederholte bakterielle Infekte, Autoimmunerkrankungen, selektiver IgA-Mangel

• idiopathische Bronchiektasen, Asthma bronchiale, Kontrolle der Immuntherapie inhalativer Antigene

• Versacht auf sklerosierende Pankreatitis, gastrointestinale Erkrankungen

• Meningitis

• Pyodermien

Es werden immer alle 4 Subklassen angefordert. Diese werden miteinander bestimmt.

Präanalytik

Keine Besonderheiten

Probenmaterial: Serum, EDTA- und Heparinplasma

Referenzbereiche: Die Referenzwerte sind stark altersabhängig.

IGG1
Erwachsene:4,05 - 10,11 g/l
Kinder:
<1Jahr1,51 – 7,92 g/l
1-3 Jahre2,65 – 9,38 g/l
3-6 Jahre3,62 – 12,28 g/l
6-12 Jahre3,77 – 11,31 g/l
12-18 Jahre3,62 – 10,27 g/l
IGG2
Erwachsene:1,69- 7,86 g/l
Kinder:
<1Jahr0,26 – 1,36 g/l
1-3 Jahre0,28 – 2,16 g/l
3-6 Jahre0,57 – 2,90 g/l
6-12 Jahre0,68 – 3,88 g/l
12-18 Jahre0,81 – 4,72 g/l
IGG3
Erwachsene:0,11 - 0,85 g/l
Kinder:
<1Jahr0,093 – 0,920 g/l
1-3 Jahre0,087 – 0,864 g/l
3-6 Jahre0,129 – 0,789 g/l
6-12 Jahre 0,158 – 0,890 g/l
12-18 Jahre0,138 – 1,058 g/l
IGG4
Erwachsene: 0,03- 2,01 g/l
Kinder:
<1Jahr0,004 – 0,464 g/l
1-3 Jahre0,009 – 0,742 g/l
3-6 Jahre 0,013 – 1,446 g/l
6-12 Jahre0,012 – 1,699 g/l
12-18 Jahre0,049 – 1,985 g/l

Quelle: Firma Siemens, Beipackzettel IGGS Assay vom September 2011

Messverfahren / Gerät: IGG1 und IGG2: Immunnephelometrie / Siemens BN Prospec IGG3 und IGG4: partikelverstärkte Immunnephelometrie / Siemens BN Prospec

Messintervall: Montags – freitags: 8:00 – 15:00 Uhr

Kappa und Lambda Freie Leichtketten

Immunglobulin-Moleküle setzen sich aus zwei identischen schweren Ketten (α, δ, ε, γ, oder μ), durch die die Immunglobulinklasse definiert wird, und zwei identischen Leichtketten (κ oder λ) zusammen. Jede Leichtkette ist kovalent an eine schwere Kette gebunden. Im Serum gesunder Individuen kommt die Mehrheit der Leichtketten in dieser Form, also an die schwere Kette gebunden, vor. Allerdings werden auch geringe Mengen an freien Leichtketten (flc) im Serum von Gesunden gefunden, da die Plasmazellen sie im Überschuss produzieren und sekretieren. Das Molekulargewicht der beiden Leichtketten beträgt ca. 22.5 kD. Im Serum kommt die freie Kappa – Leichtkette (κ - flc) überwiegend als Monomer, die freie Lambda – Leichtkette (l - flc) als kovalent gebundenes Dimer, mit einem Molekulargewicht von ca. 45 kD, vor. Dies führt zu einer unterschiedlichen Filtrationsrate für k - flc und λ - flc, was eine mögliche Erklärung des im Serum gefundenen κ - flc / λ - flc Verhältnis von 0,625 ist. Das κ / λ Verhältnis der gebundenen Ketten ist dagegen 2.0.

Erhöhte Serumkonzentrationen an monoklonalen freien Leichtketten sind mit der malignen Proliferation von Plasmazellen (z.B. Multiples Myelom, lymphozytären Tumoren, Morbus Waldenström), Amyloidose und der Ablagerung von freien Leichtketten (free light deposition disease) assoziiert. Erhöhte Konzentrationen an polyklonalen freien Leichtketten (mit normalem Kappa/Lambda Verhältnis) können bei Autoimmunerkrankungen wie SLE sowie auch bei Nierenfunktionsstörungen auftreten.

Die flc – Konzentrationen im Urin sind niedrig. In einer gesunden Niere werden sie über die Tubuluszellen selektiv resorbiert. Eine erhöhte Ausscheidung freier Leichtketten kann auf die Überschreitung der Rückresorptionskapazität infolge tubulärer Schädigung oder auf eine erhöhte Produktion (z.B. Multiples Myelom) zurückzuführen sein. Mit dem Urin ausgeschiedene monoklonale freie Leichtketten werden als Bence-Jones-Proteine bezeichnet.

Indikation

Diagnostik und Verlaufsbeobachtung von

• Leichtkettenmyelom

• Multiplem Myelom mit intakten Immunglobulinen

• nonsekretorischem Myelom

• AL-Amyloidose

• MGUS (monoklonale Gammopathie unbestimmter Signifikanz)

Probenmaterial: Serum und Urin

Referenzbereiche: Es gilt für Erwachsen

Freie Leichtkette Typ Kappa
im Serum:3,30 – 19,4 mg/l
im Urin:1,35 – 24,2 mg/l
Freie Leichtkette Typ Lambda
im Serum: 5,71 – 26,30 mg/l
im Urin:0,24 – 6,66 mg/l
Quotient Kappa/Lambda
Serum:0,26 – 1,65
Urin:2,04 – 10,37

Quelle: Firma The Binding Site Packungsbeilage Version August 2011

 

Methode/Meßverfahren/Gerät: Immunologische Nephelometrie / binding site Freelite Kappa Free und Lambda Free Kit / Siemens BN Prospec

Messfrequenz: Montags – freitags: 8:00 - 15:00 Uhr

Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin

Hugstetter Straße 55
79106 Freiburg

Für klinikinterne Anfragen nutzen Sie bitte unseren Intranetauftritt (Piepser 12-3533).

Telefon: 0761 270-35160
Telefax: 0761 270-34440

 

Bereichsleitung Varia