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Klinik für Neurochirurgie

Klinische Studien

Die Klinik für Neurochirurgie hat es sich zum Ziel gesetzt, ihren Patienten mit Hirntumoren das gesamte Spektrum der Behandlungsmethoden auf dem neuesten Stand der medizinischen Forschung anzubieten. Aus diesem Grund nimmt sie als Studienzentrum an mehreren nationalen und internationalen multizentrischen klinischen Studien teil und führt auch klinikumsintern Studien zur Verbesserung der Behandlung von Hirntumoren durch. Hiermit verfolgen wir das Ziel, Erkenntnisse über die besten Behandlungsmöglichkeiten zu gewinnen und den Patienten die Möglichkeit zu geben, mit den neuesten Medikamenten oder Behandlungsverfahren, die zum Teil noch nicht für diese Erkrankung in Deutschland zugelassen sind, behandelt zu werden.

Die Klinik für Neurochirurgie arbeitet sehr eng mit dem Deutschen Register Klinischer Studien (DRKS) zusammen.

Studienkoordinatorin: Nicole Koch

Folgende Hirntumor-Studien wurden bzw. werden derzeit in Freiburg durchgeführt (Stand: Mai 2016):

Diffuse und anaplastische Gliome sind intrinsische maligne Tumore des zentralen Nervensystems und werden bei etwa 3/100.000 Erwachsenen pro Jahr diagnostiziert. Trotz moderner therapeutischer Verfahren wie Operation, Radiotherapie und Chemotherapie mit TMZ sind diese Tumoren nicht kurabel. Die mediane Gesamtüberlebenszeit der Patienten beträgt 4 - 7 Jahre. Diese schlechte Prognose ist hauptsächlich durch maligne Progression und Resistenzentwicklung gegenüber genotoxischen Therapien bedingt. Zu dieser aggressiven Biologie trägt das stark invasive Verhalten der Gliomzellen bei, durch das diese in das umliegende und weiter entfernte gesunde Hirngewebe eindringen können.

Effektive Therapien sollten beide Effekte kontrollieren: die Streuung in das gesunde Hirngewebe und die Resistenzentwicklung gegenüber genotoxischen Therapien. Obwohl die Patienten mit den derzeitigen Therapien über Jahre hinweg einen stabilen Krankheitsverlauf aufweisen, sind maligne Transformation und Rezidivierung nicht vermeidbar. Eine Stimulierung des Immunsystems, so dass dieses die Tumorzellen kontrolliert, könnte eine Langzeit-Remission der Erkrankung bewirken.

In der klinischen Prüfung NOA‑16 wird untersucht, ob der IDH1-Peptid-Impfstoff bei der Anwendung in Patienten mit IDH1-mutiertem Gliom sicher und verträglich ist, also keine nicht tolerierbaren Nebenwirkungen verursacht. Zudem wird geprüft, inwieweit der Impfstoff eine Immunreaktion gegen die IDH1-Mutation auslöst. Außerdem wird untersucht, welchen Einfluss die Impfung auf das Tumorwachstum hat und wie diese mit der Immunreaktion zusammenhängt. Zusätzlich werden weitere Parameter erhoben, z.B. werden die an der Immunantwort beteiligten Antikörper- und Immunzelltypen charakterisiert.

Link zum DRKS-Studiendokument

Es handelt sich um eine nicht-randomisierte, offene, unkontrollierte Phase-II-Studie der Firma Lilly Deutschland GmbH, an der 10 neuroonkologische Zentren in Deutschland teilgenommen haben.Ziel der Studie ist die Untersuchung einer neuen Radio-Chemotherapie mit dem Protein-C-Kinase-Inhibitor Enzastaurin als Primärtherapie bei Patienten mit Glioblastom, welche zuvor mikrochirurgisch operiert wurden. Die Patienten, bei denen im Tumorgewebe ein unmethylierter MGMT-Promoterstatus nachgewiesen wurde, erhalten Enzastaurin in Tablettenform vor, während und nach der Bestrahlung zweimal täglich. Die Therapie wird fortgeführt, solange der Tumor auf diese Behandlung anspricht. Es werden nach Standard regelmäßige klinische und kernspintomographische Kontrollen durchgeführt und mögliche Nebenwirkungen dokumentiert. Die Studie ist geschlossen. Unser Zentrum hatte 6 Patienten randomisiert.

Link zum DRKS-Studiendokument

Die Centric-Studie ist eine randomisierte, offene, kontrollierte Phase-III-Studie zur Untersuchung des Integrin-Inhibitors Cilengitide in Kombination mit der Standardtherapie (Radio-Chemotherapie nach Stupp-Protokoll) im Vergleich zur Standardtherapie bei Patienten mit neu diagnostizierten Glioblastom mit methyliertem MGMT-Promoterstatus. Eingeschlossen werden Patienten, welche nach Diagnose eines Glioblastoms mikrochirurgisch operiert wurden und bei denen nach histologischer Sicherung des Glioblastoms ein methylierter MGMT-Promoter nachgewiesen wurde. Die Aufteilung der Patienten in Behandlungs- oder Kontrollgruppe erfolgt nach dem Losverfahren (Randomisierung). Cilengitide wird zweimal wöchentlich als einstündige Infusion appliziert. Die Chemotherapie mit Temodal erfolgt nach Standard parallel zur Bestrahlung, danach in 6 Zyklen über 6 Monate.Es handelt sich um eine weltweite Multicenterstudie, welche im Oktober 2008 gestartet und am 30.06.2013 geschlossen wurde. Unser Zentrum hatte 10 Patienten randomisiert.

Link zum DRKS-Studiendokument

Es handelt sich um eine einarmige Pilotstudie der neuro-onkologischen Arbeitsgemeinschaft (NOA) der Deutschen Krebsgesellschaft, bei der deutschlandweit 30 Patienten mit neudiagnostizierten Medulloblastomen im Erwachsenenalter behandelt werden sollen. Medulloblastome bei Erwachsenen sind relativ selten und stellen nur einen Anteil von 1% aller Hirntumore des Erwachsenenalters. Sie entstehen aus embryonalen Zellen und bilden vorwiegend Tumore in der hinteren Schädelgrube. Der erste therapeutische Schritt ist die Operation. Bei histologischer Sicherung eines Medulloblastoms werden die Patienten in der NOA-07-Studie mit einer sechseinhalb Wochen dauernden Strahlentherapie sowie mit einer Erhaltungschemotherapie über 48 Wochen behandelt. Parallel zur Strahlentherapie wird einmal wöchentlich Vincristin intravenös appliziert. Die Erhaltungstherapie, welche in maximal 8 Zyklen gegeben wird, setzt sich aus CCNU in Tablettenform sowie Cisplatin und Vincristin als Infusion zusammen. Eingeschlossen werden insgesamt 30 Patienten, die das 18. Lebensjahr vollendet haben und bei denen histologisch ein Medulloblastom gesichert wurde. Die Studie wurde im Jahre 2008 gestartet. Durch unsere Klinik wurden 3 Patienten eingeschlossen. Die Studie ist seit Mai 2014 geschlossen.

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Es handelt sich um eine NOA-assoziierte prospektive, randomisierte Phase II Multicenterstudie der Firma Hoffmann-La Roche AG, für Patienten mit primären Glioblastomen mit einem nicht-methyliertem MGMT- Promoter. In dieser zweiarmigen Studie wurde nach mikrochirurgischer Resektion des Glioblastoms der Effekt von Bevacizumab und Irinotecan im Vergleich zur Standardtherapie (Radiochemotherapie und 6 adjuvante Zyklen Temozolomid) getestet. Bevacizumab ist ein sogenannter Angiogenesehemmer, also ein Antikörper, der die Gefäßneubildung hemmt. Dadurch können sich die schnell wachsenden Tumoren nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen und sollen "verhungern". Irinotecan zählt zur Gruppe der Topoisomerasehemmer. Irinotecan hemmt die DNA-Topoisomerase I, die die räumliche Anordnung der DNA reguliert. Die krankhaft gesteigerte Zellteilung des entarteten Gewebes soll durch Hemmung der Topoisomerase I gebremst werden, da sie in vielen Tumoren gesteigert aktiv ist. Die Studie ist geschlossen. Unsere Klinik hat 19 Patienten eingeschlossen, die Follow-up Phase läuft noch.

Link zum DRKS-Studiendokument

In dieser Phase II Studie für Patienten mit unmethyliertem MGMT-Promotor wird der Effekt von Temsirolimus mit Temodal verglichen. Dazu werden die Patienten im Standardarm mit der Standard Radiochemo-Therapie (Temozolomid, Stupp-Protokoll), im experimentellen Arm anstelle von Temozolomid mit Temsirolimus behandelt. Im experimentellen Arm ist eine wöchentliche Infusionsbehandlung mit Temsirolimus im Studienzentrum erforderlich. Temsirolimus ist ein Hemmer von mTOR. Dieses in allen Säugetieren vorkommende Enzym ist für Überleben, Wachstum, Proliferation und Motilität von Zellen wichtig. Die Studie ist inzwischen geschlosssen. Durch unsere Klinik wurden 2 Patienten eingeschlossen.

Link zum DRKS-Studiendokument

Es handelt sich um eine multizentrische randomisierte Phase III-Studie für Patienten mit neu diagnostizierten Glioblastomen mit methyliertem MGMT-Promotor, bei der nach mikrochirurgischer Resektion eine Kombinationstherapie Lomustin (CCNU)/Temozolomid gegen die Standard-Temozolomidtherapie verglichen wird. In beiden Therapiearmen wird zusätzlich eine Strahlentherapie durchgeführt. In einer früheren Phase II-Studie zeigte sich eine primäre Kombinationstherapie aus CCNU und Temozolomid als hocheffektiv und der Temozolomid-Monotherapie überlegen. Die Chemotherapie wird in Tablettenform durchgeführt. Es sind keine Infusionen notwendig. Die Studie ist geschlossen. Durch unsere Klinik wurden bisher 3 Patienten eingeschlossen.

Link zum DRKS-Studiendokument

Die prospektive randomisierte multizentrische Studie wird in der Klinik für Strahlenheilkunde unter der Leitung von Frau Prof. Dr. A. Grosu durchgeführt und vergleicht die Wirksamkeit einer PET- und einer MRT-gestützten Re-Bestrahlung bei Patienten mit Rezidiv-Glioblastomen. In dieser Studie sind 7 randomisierte Patienten eingeschlossen.

Link zum DRKS-Studiendokument (GLIAA Pilotstudie)

Schwerpunktleiter
Prof. Dr. O. Schnell, MHBA

Prof. Dr. O. Schnell, MHBA
Stv. Klinikdirektor und Leitender Oberarzt

Leiterin der Tumorsprechstunde
Prof. Dr. Marcia Machein

Prof. Dr. Marcia Machein
Oberärztin