Zu den Inhalten springen

Klinik für Neurologie und Neurophysiologie

Schwindel und Gangstörungen

Von den Ursachen bis zur Behandlung in Freiburg

Ursachen von Schwindel und Gangstörungen

Schwindel (Vertigo) und Gangstörungen können zahlreiche Ursachen haben. Zuerst muss geklärt werden, ob ein gerichteter, ein ungerichteter Schwindel oder eine reine Gangstörung vorliegt. Diese Unterscheidung ist für den Betroffenen häufig schwer zu treffen.

Dem gerichteten Schwindel liegt eine Störung des Gleichgewichtssystems zugrunde. Dazu gehören das Gleichgewichtsorgan, das dem Ohr benachbart ist, der Gleichgewichtsnerv und die zugehörigen Zentren in Hirnstamm und Kleinhirn. Störungen können durch Entzündungen (z.B. Otitis, Neuronitis vestibularis), Elektrolytstörungen (z.B. M. Menière), mechanische Reizung des Gleichgewichtsnervs durch benachbarte Gefäßschlingen (z.B. Vestibularis-Paroxysmen), Tumoren (z.B. Akustikus-Neurinom), Durchblutungsstörungen (z.B. Schlaganfall im Bereich des Hirnstamms / Kleinhirns), Migräne, Unfälle (z.B. Perilymphfistel) und durch degenerative Veränderungen (z.B. benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel) bedingt sein.

Ursachen ungerichteten Schwindels sind z.B. Sauerstoffmangel im Gehirn bei Kreislaufstörungen (z.B. orthostatische Hypotension), Herzerkrankungen (z.B. kardiale Synkopen), Erkrankungen der hirnversorgenden Gefäße, aber auch Störungen des Stoffwechsels (z.B. Diabetes mellitus, Schilddrüsenfunktionsstörungen), Entzündungen (z.B. Encephalitis), Hirndruck, Vergiftungen, Anfallserkrankungen, psychische Störungen (z.B. Angst vor großen Plätzen, Menschenansammlungen, engen Räumen) und Medikamenten-Nebenwirkungen.

Gangstörungen treten bei Erkrankungen des Kopfes (z.B. Mikroangiopathie, Normaldruckhydrocephalus, Basalganglienerkrankungen wie z.B. M. Parkinson, Kleinhirnerkrankungen), bei Erkrankungen der Wirbelsäule und des Rückenmarks (z.B. Spinalkanalstenose, Myelitis) und bei Erkrankungen der peripheren Nerven (z.B. Polyneuropathie) auf.

Anzeichen und Symptome

Die Ausfallserscheinungen bei Schwindel und Gangstörungen können plötzlich, aber auch langsam über Stunden bis Tage beginnen und Sekunden bis zu Tagen oder Wochen anhalten. 

Typische Symptome des Schwindels / der Gangstörung sind (einzeln oder in Kombination):

  • Veränderte Bewegungswahrnehmung (z.B. Drehgefühl) des eigenen Körpers oder der Umgebung
  • Stand- und Gangunsicherheit mit gerichteter oder ungerichteter Fallneigung 
  • Sehstörung mit Bewegtsehen (Oszillopsie)
  • Übelkeit, Erbrechen, Kreislaufstörungen, Krankheitsgefühl (vegetative Begleitsymptomatik)
  • Nackenschmerz oder Kopfschmerz im Rahmen einer Reaktion der Nackenmuskulatur (reaktives Zervikalsyndrom)

Zusätzliche Symptome helfen bei der Zuordnung des Schwindels / der Gangstörung:

  • Ohrgeräusch / Tinnitus
  • Hörstörung
  • Druckgefühl auf dem Ohr
  • Kopfschmerz
  • Doppeltsehen, Verschwommensehen, Flimmern vor den Augen
  • Atemnot
  • Taubheit im Gesicht
  • Einseitige Schwäche eines Arms oder Beins
  • Sprech-, Schluckstörungen
  • Gefühl, ohnmächtig zu werden
  • Kribbeln an Händen, Füßen
  • Wirbelsäulenbeschwerden
  • Gedächtnisprobleme

Diagnose

Die Beschwerden, die zu Schwindel und Gangstörungen führen, werden in Freiburg durch einen Schwindelfragebogen erfasst. Bei Eintreffen in der Ambulanz für Schwindel und Gangstörungen prüft die Ärztin, ob ein gerichteter Schwindel, ein ungerichteter Schwindel und/oder eine Gangstörung vorliegt. Davon hängen die weiteren Untersuchungen ab.

Im Elektronystagmogramm werden Augenbewegungsstörungen (z.B. Nystagmus) gemessen. Mit der Untersuchung auf dem Drehstuhl und der kalorischen Spülung wird die Gleichgewichtsfunktion quantifiziert. Mittels einer Laserprojektion werden die subjektive Vertikale und das subjektive Geradeaus gemessen.

Mit den evozierten Potentialen werden Störungen im Bereich des Hör- und Gleichgewichtsnervs (AEHP, VEMP) bzw. im Bereich der Motorik und Sensorik der Beine (Tibialis–EP, TCS) gemessen.

In der Ultraschalluntersuchung wird festgestellt, ob ein großes Gefäß im Hals oder im Gehirn verengt oder verschlossen ist.

Mit Hilfe der Kernspintomographie oder Computertomographie werden Gefäßschlingen, Durchblutungsstörungen, Entzündungen und Tumoren festgestellt. 

In der Posturographie werden Stand- und Gangstörungen objektiviert und einzelnen Grundmustern zugeordnet (motorische Störungen wie Spastik, sensorische Störungen wie Ausfall des Gleichgewichtssystems oder des Gelenklagesinns, neurodegenerative Störungen wie z.B. Parkinson, Chorea Huntington).

Therapie

Die Behandlung des Schwindels richtet sich ganz nach ihrer Ursache. Zum Einsatz kommt eine breite Palette von Maßnahmen, z.B. spezifische Lagerungsmanöver, medikamentöse und physiotherapeutische Behandlungen. Entscheidend für die erfolgreiche Therapie ist darum die genaue Einordnung der Schwindelerkrankung.

Für Patienten mit Schwindel oder Gangstörungen haben wir in Freiburg eine Spezialambulanz, die Schwindel-Ambulanz.

Anmeldung und Einweisung für Ärzte und Krankenhäuser