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Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin

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ECMO-Hotline (0761/270-23000)

Zentrum Invasiver Lungenersatz Freiburg

Was ist Lungenersatz

Die wichtigsten Funktionen der Lunge sind die Aufnahme von Sauerstoff aus der Atemluft und die Abgabe von Kohlendioxid aus dem Blut. Zusammengefasst werden diese Funktionen als „Gasaustausch“.

Bei manchen Krankheiten kann der Gasaustausch eingeschränkt sein, so dass Kohlendioxid nicht mehr ausreichend abgegeben oder/und Sauerstoff nicht mehr ausreichend aufgenommen wird. Beides kann zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen.

Durch maschinelle Beatmung und Anreicherung der Atemluft mit zusätzlichem Sauerstoff kann eine solche Situation häufig beherrscht werden. Allerdings können durch hohe Beatmungsdrücke und hohe Sauerstoffkonzentrationen weitere Schäden an der Lunge entstehen, die wiederum den Gasaustausch einschränken. Auf diese Weise entsteht eine Spirale, die im schlimmsten Fall dazu führen kann, dass trotz eskalierter maschineller Beatmung die Kohlendioxidabgabe oder die Sauerstoffaufnahme nicht mehr ausreichend kontrolliert werden können. Dieser Zustand ist absolut lebensbedrohlich.

Eine häufige Ursache ist das Akute Atemnotsyndrom des Erwachsenen (ARDS), das nach Operationen oder Infektionen der Lunge oder des übrigen Organismus auftreten kann. Eine andere Ursache sind strukturelle Lungenerkrankungen wie zum Beispiel die Lungenfibrose.

Invasiver Lungenersatz kann in diesen Fällen eine therapeutische Option darstellen. Durch Kanülen in großen Gefäßen (Hals- Schlüsselbein- oder Leistenvenen) wird dem Körper Blut entnommen und in einer Maschine über eine besondere Kunststoffmembran von Kohlendioxid befreit und mit Sauerstoff angereichert. Anschließend wird das Blut – je nach Krankheitsbild – durch eine große Vene direkt zum Herzen oder durch eine Arterie in die Hauptschlagader zurückgeführt. Die Maschine übernimmt also die Funktion der Lunge (und unterstützt in speziellen Fällen auch die Funktion des Herzens).

Gleichzeitig kann sich durch schonende Beatmung der Lunge und durch Behandlung der Grundkrankheit die Lunge des Patienten erholen. Wenn die Lunge unumkehrbar geschädigt und der Patient für eine Lungentransplantation geeignet ist, kann durch invasiven Lungenersatz die Zeit bis zu einer Organzuteilung überbrückt werden.

Ein invasives Lungenersatzverfahren ist also eine Brückentherapie für einige Tage bis wenige Wochen, das nur dann sinnvoll ist, wenn die Lunge entweder nicht unumkehrbar geschädigt ist, oder wenn der Patient bei dauerhafter Lungenschädigung für eine Lungentransplantation in Frage kommt.

Die Verfahren

Extrakorporales Membranoxygenierungssystem (ECMO)

Ein extrakorporales Membranoxygenierungssystem (ECMO) eignet sich sowohl für Störungen der Lunge, bei der die Aufnahme von Sauerstoff aus der Atemluft nicht mehr ausreichend funktioniert, als auch für Störungen, bei denen die Abgabe von Kohlendioxid aus dem Blut eingeschränkt ist. Bei vielen Lungenerkrankungen besteht eine Mischform aus diesen beiden Funktionsstörungen. Für den Berieb einer ECMO wird dem Körper mit einer Kreiselpumpe kontinuierlich Blut aus einer großen Vene (Hals-, Schlüsselbein- oder Leistenvene) entnommen und über eine spezielle Kunststoffmembran geführt, die sowohl die Abgabe von Kohlendioxid als auch die Aufnahme von Sauerstoff ermöglicht. Anschließend wird das Blut durch eine Kanüle, die durch die Hohlvene bis zum Herzen vorgeschoben wird, in den Körper zurück gepumpt. Für den Betrieb einer ECMO sind also mindestens zwei große Kanülen oder eine Doppelkanüle notwendig. ECMO ist das häufigste auf unserer Station eingesetzte Lungenersatzverfahren.

Extrakorporaler Lifesupport (ECLS)

In speziellen Fällen kann neben der Lungenfunktion auch die Herzfunktion kritisch eingeschränkt sein. Dann kann durch die Rückführung des mit Sauerstoff angereicherten Blutes aus einer ECMO direkt in eine große Körperarterie die Herzfunktion ganz oder teilweise ersetzt werden. Man spricht in einem solchen Fall von einem „extrakorporalen Lifesupport (ECLS)“. ECLS findet vor allem Verwendung bei Krankheitsbildern in der Kardiologie und Kardiochirurgie und wird auf der anästhesiologischen Intensivstation daher nur in wenigen Fällen eingesetzt.

Unser Team

Das diensthabende iLF-Team besteht jeweils aus einem Kardiologen, einem Anästhesisten und einem Kardiotechniker.

Das Team der Anästhesiologie:

  • Dr. Joachim Bansbach
  • Dr. Christoph Jäger
  • PD Dr. Johannes Kalbhenn
  • Dr. Vadim Kehm
  • Dr. Thomas Löffler
  • Dr. Axel Schmutz
  • PD Dr. Christian Schwer

Schnelle Hilfe durch das ECMO-Mobil

Am Universitätsklinikum Freiburg steht rund um die Uhr ein spezielles Intensivtransportfahrzeug für Patienten mit akutem Lungenversagen bereit. Das ECMO-Mobil ist für die Versorgung der Menschen in der Region von großer Bedeutung.

Seit Ende des Jahres 2015 verfügt das Universitätsklinikum Freiburg über ein eigenes Intensivtherapietransportfahrzeug, das ausschließlich für Patienten mit akutem Lungenversagen bereit steht. Diese Patienten können nun dank einer speziellen Therapie, der sogenannten extracorporalen Membranoxygenierung, kurz ECMO, unbeschadet von den anfordernden Intensivtherapiestationen anderer Kliniken an das Lungen-Ersatzverfahren-Zentrum des Universitätsklinikums Freiburg zur weiteren Behandlung transportiert werden. Möglich wurde dies durch eine beispielhafte Kooperation des Deutschen Roten Kreuzes Freiburg, den Kostenträgern, dem zuständigen Bereichsausschuss und dem Universitätsklinikum Freiburg. Sie alle haben den Wunsch nach der optimalen Versorgung dieser schwerstkranken Patienten durch das ECMO-Zentrum des Universitätsklinikums Freiburg direkt aufgenommen. Über einen Kooperationsvertrag des DRK mit dem Universitätsklinikum wird diese außergewöhnliche lebensrettende Transportmöglichkeit gefördert.

Das ECMO-Mobil
Patienten, die zum Beispiel über eine einfache Grippe-Lungenentzündung oder über andere Erkrankungen, welche durch übliche Intensivtherapie-Beatmungsgeräte nicht mehr genügend Sauerstoff zur Aufrechterhaltung des gesamten Organismus erhalten, können so am invasiven Lungenersatzzentrum des Universitätsklinikums Freiburg weiterbehandelt werden. „Studien haben gezeigt, dass die Überlebens-chancen deutlich steigen, wenn die Patienten in einem ECMO-Zentrum von einem erfahrenen, interdisziplinären Team betreut werden“, sagt Prof. Dr. Hartmut Bürkle, Ärztlicher Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin. Im ECMO-Zentrum des Universitätsklinikums Freiburg arbeiten Anästhesiologen, Kardiologen, Herz- und Gefäßchirurgen sowie Kardiotechniker eng zusammen. Im Wechsel werden ECMO Patienten entweder auf der Anästhesiologischen Intensivtherapiestation oder auf der Inneren Intensivtherapiestation nach Ihrer Aufnahme weiter versorgt. Beide Intensivtherapien bilden zusammen mit der Unterstützung durch die Kardiotechnik und den Ärzten der Klinik für Herz-und Gefäßchirurgie das Kompetenzzentrum ECMO.

Schon seit 2008 ist ein dreiköpfiges Spezialistenteam – bestehend aus einem Anästhesisten, einem Kardiologen und einem Kardiotechniker – 24 Stunden täglich an 365 Tagen im Jahr in Rufbereitschaft. Wird es von einem anderen Krankenhaus angefordert, kann es nun seit Ende 2015 auf das spezielle ECMO-Mobil zurückgreifen. Noch im Krankenhaus wird der Patient vom ECMO-Team an die mobile Lungenersatzmaschine angeschlossen und anschließend zur weiteren Versorgung mit dem technisch höchst funktionalen Intensivtransportfahrzeug ins ECMO-Zentrum am Universitätsklinikum Freiburg gefahren. Anders als konventionelle Transportfahrzeuge verfügt das Fahrzeug über die Möglichkeit, das ECMO-Gerät sicher zu fixieren und mit großen Vorräten an Sauerstoff und einer speziellen Energieversorgung auch stundenlange Transporte durchzuführen. Dazu stehen eine spezialisierte Patienten-Monitor-Anlage, ein modernes Transport-beatmungsgerät und Infusionspumpen bereit, so dass das Fahrzeug wie ein Behandlungsplatz auf einer modernen Intensivstation ausgestattet ist.

Das ECMO-Mobil wurde vom Universitätsklinikum Freiburg angeschafft und ist ausschließlich für Lungenersatztransporte vorgesehen. Durch die Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) ist der Transport mit den Krankenkassen abrechenbar. Das Universitätsklinikum Freiburg ist das einzige ECMO-Zentrum in Deutschland, das über ein eigenes Intensivtransportfahrzeug für ECMO-Transporte verfügt.

Informationen zur Zuweisung

ECMO-Hotline: 0761-270-23000

Historie

Bereits vor 25 Jahren wurden auf der anästhesiologischen Intensivtherapiestation Patienten mit extrakorporalen Oxygenatoren behandelt. Damit ist die Universitätsklinik Freiburg einer der ältesten Anbieter für invasiven Lungenersatz in Deutschland. Damals war der Einsatz durch die Größe der Geräte und den technischen Aufwand begrenzt. Die Entwicklung von verbesserten Oxygenator-Membranen und kleineren Steuereinheiten führten zu einer Renaissance der ECMO im intensivmedizinischen Bereich.

In der Universitätsklinik Freiburg gehört die Anwendung der ECMO mittlerweile zu einem festen Bestandteil bei der Therapie schwerwiegender Lungenfunktionsstörungen. Zum Standardverfahren ist die ECMO spätestens seit der H1N1-Pandemie (Schweinegrippe) in den Jahren 2009 und 2010 geworden, als zahlreiche auch junge Patienten mit sehr schweren Formen des akuten Lungenversagens behandelt werden mussten.

Im Jahr 2009 wurde von der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivtherapie gemeinsam mit den Abteilungen Kardiologie und Angiologie, Herz- und Gefäßchirurgie und Kardiotechnik des Universitätsherzzentrums das Freiburger Zentrum für invasiven Lungenersatz (iLF) gegründet.

Die enge Zusammenarbeit der beteiligten Disziplinen des Freiburger Zentrums für invasiven Lungenersatz ermöglicht eine schnelle und zielführende Behandlung der Grundkrankheit und eine rasche Intervention beim Auftreten von Komplikationen.

Rund um die Uhr steht ein interdisziplinäres Team bereit, das bettseitig in anderen Kliniken ein extrakorporales Verfahren implantieren und die Patienten im Anschluss an unser Klinikum transportieren kann.

Mit klinikumsweit etwa 150 bettseitigen Verfahren (ECMO und ECLS) pro Jahr gehört Freiburg deutschlandweit zu den Zentren mit der größten Expertise in diesem Bereich. Die große Erfahrung und die interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglichen den für ein erfolgreiches Lungenersatzzentrum notwendigen hohen Qualitätsstandard.