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Die Arteriovenöse Malformation (AVM)

Die Arterien transportieren sauerstoffhaltiges Blut zu einem Organ in diesem Fall dem Gehirn. Die Venen führen das verbrauchte Blut wieder ab, nachdem der Sauerstoffaustausch über kleine Gefäße, kapilläres Bett genannt, stattgefunden hat.
Bei einer Arteriovenösen Malformation, auch Angiom genannt, fehlt dieser Sauerstoffaustausch, das Blut fließt durch eine Kurzschlussverbindung (Nidus). Dieser stellt sich in der Bildgebung als ein Gefäßkonglomerat dar.

Am häufigsten wird eine AVM durch eine intrazerebrale Blutung symptomatisch. Das Blutungsrisiko beträgt 2-4 % pro Jahr. Weitere mögliche Symptome sind Krampfanfälle, Kopfschmerzen und neurologische Ausfälle.

Vor allem wegen des hohen Blutungsrisikos muss die Ausschaltung der AVM angestrebt werden. Auch hierzu ist heute ein interdisziplinäres Zentrum mit hochspezialisierter Ausstattung eine absolute Voraussetzung, um den Patienten eine individuell optimale Behandlung anbieten zu können.

Die unterschiedlichen Behandlungsmethoden: mikrochirurgische Entfernung (Klinik für Neurochirurgie, s. unten), endovaskuläre Embolisation mittels Katheter (Klinik für Neuroradiologie) und Radiochirurgie (Stereotaxie, Radiotherapie) sind die allgemein akzeptierten Behandlungsmöglichkeiten. Sie können allein oder in Kombination durchgeführt werden. Dies hängt von den strukturellen und anatomischen Verhältnissen des Angioms einerseits und von den Symptomen andererseits ab.

Angiographische Darstellung eines Angioms

Angiographische Darstellung eines Angioms

Angiographische Darstellung eines Angioms in 3D-Darstellung

Angiographische Darstellung eines Angioms in 3D-Darstellung.

Mikrochirurgische Entfernung

Die offene Operation wird unter Narkose durchgeführt und hat zum Ziel, das ganze Angiom auf einmal zu entfernen, sie erzeugt also die sofortige Ausschaltung des Blutungsrisikos.

Eine Operation ist jedoch mit größeren Risiken verbunden, wenn das AVM in tiefgelegenen und eloquenten Hirnarealen lokalisiert ist, wenn es sehr groß ist und wenn es eine komplexe Architektur und eine tiefe Drainage aufweist.

Endovaskuläre Behandlung

Die Behandlung wird ebenfalls in Narkose durchgeführt: die arteriovenöse Malformation wird über einen Katheter durch die Leistenarterie unter Röntgenkontrolle erreicht und von innen mit unterschiedlichen Materialien verschlossen. Diese Behandlung erfordert keine Schädeldachöffnung.

Häufig kann das Angiom jedoch nicht in einer Sitzung ausgeschaltet werden, so dass mehre Sitzungen, eine offene Operation oder eine Radiochirurgie zusätzlich notwendig sind, um das Angiom definitiv auszuschalten.

Radiochirurgie

Grundsätzlich handelt es sich hierbei um die Behandlungsmethode der arteriovenösen Malformation mit der geringsten Belastung für den Patienten. Es handelt sich um eine hoch dosierte, genau auf das Angiom lokalisierte Einmalbestrahlung, die eventuell auch ohne Narkose erfolgen kann.

Diese Methode ist allerdings auf sehr kleine Angiome beschränkt und die definitive Ausschaltung des Blutungsrisikos ist nicht vor 2 Jahren zu erwarten.

Schwerpunktleiter
Dr. Christian Scheiwe

Dr. Christian Scheiwe
Oberarzt

Dr. Mukesch Shah

Dr. Mukesch Shah, M.Sc.
Oberarzt

Sprechstunde
Vaskuläre Neurochirurgie