Endokrine Chirurgie und Schilddrüse
Die endokrine Chirurgie fasst die operative Behandlung von Erkrankungen der hormonbildenden Drüsen zusammen. Dazu zählen Schilddrüse, Nebenschilddrüsen und Nebennieren, die häufigsten Eingriffe finden hierbei an der Schilddrüse statt. Zusätzlich umfasst die endokrine Chirurgie auch Erkrankungen anderer hormonproduzierender Tumore wie beispielsweise Tumore im der Bauchspeicheldrüse (z.B. Insulinome), Zwölffingerdarm z.B. Gastrinome), und Dünn- und Dickdarm (z.B. Karzinoid).
Sowohl gutartige als auch bösartige Erkrankungen können durch eine Operation behandelt werden, dies geschieht in unserer Klinik in enger Zusammenarbeit mit Endokrinologen und Nuklearmedizinern. Während bösartige Erkrankungen fast immer eine operative Therapie erforderlich machen, ist bei gutartigen Erkrankungen oft eine eingehende Beratung und Abwägung erforderlich, daher ist bei folgenden Erkrankungen eine Vorstellung in unserer Sprechstunde für endokrine Chirurgie sinnvoll:
- Einzelne oder mehrere Knoten der Schilddrüse (Struma uninodosa oder multinodosa)
- Gewebevermehrung der Schilddrüse (Struma)
- Bösartige Neubildungen der Schilddrüse (Schilddrüsenkarzinom)
- Über- und Unterfunktion der Schilddrüse
- Entzündungen der Schilddrüse (M. Basedow, Hashimoto)
- Überfunktion der Nebenschilddrüsen (primärer und sekundärer Hyperparathyreoidismus)
- Neubildungen der Nebennieren (gut- und bösartig)
- Erkrankungen mehrerer endokriner Drüsen (MEN I und MEN IIa und MEN IIb)
Nebenschilddrüse
Funktion der Nebenschilddrüsen
Die Nebenschilddrüse ist eine Hormondrüse und bildet das Parathormon, welches den Kalziumstoffwechsel des Körpers reguliert. Das Parathormon hat eine direkte Wirkung auf den Knochenstoffwechsel und die Niere. Wird von den Nebenschilddrüsen zuviel Parathormon produziert, kommt es zur Veränderung des Knochenaufbaus sowie zu einer Erhöhung des Kalziumspiegels im Blut.
Lage
Die 4 Nebenschilddrüsen (oder sog. Epithelkörperchen) befinden sich in enger anatomischer Beziehung zur Schilddrüse. Normalerweise entspricht ihre Größe der einer Linse. Die Nebenschilddrüsen befinden sich an der Rückseite der Schilddrüse an den oberen und unteren Polen, wobei es aufgrund embryonaler Fehlentwicklungen zu einer erheblichen Lagevariation einzelner oder aller Epithelkörperchen kommen kann.
Erkrankungen der Nebenschilddrüsen
Bei einer primären Überfunktion (primärer Hyperparathyreoidismus, pHPT) findet sich als Ursache in etwa 90% der Fälle ein solitäres Adenom. Dieser sog. pHPT ist nach dem Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und den Stoffwechselstörungen der Schilddrüse die dritthäufigste endokrine Erkrankung. Der Erkrankung liegt ein Zustand vermehrter Sekretion von Parathormon ohne erkennbaren physiologischen Stimulus zugrunde. Sie tritt vorwiegend im 5. und 6. Lebensjahrzehnt auf und betrifft häufiger Frauen als Männer. Die klinischen Beschwerden der Nebenschilddrüsenüberfunktion sind vor allem Störungen der Nierenfunktion (Nierensteine, -insuffizienz), des Knochenstoffwechsels (Osteoporose, Knochenschmerzen) sowie depressive Verstimmungen. Zusätzlich kann es noch zu einer Mitbeteiligung des Magen-Darm-Traktes mit Entwicklung einer akuten Entzündung der Bauchspeicheldrüse sowie schwer therapierbaren Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren kommen. In seltenen Fällen kommt es auch bei angeborenen familiären Erkrankungen (MEN-Syndrom) zum Auftreten eines primären Hyperparathyreoidismus mit den o. g. Symptomen.
Als sekundärer oder tertiärer Hyperparathyreoidismus sind schwere Veränderungen der Nebenschilddrüsenfunktionen im Sinne einer Überfunktion aufgrund schwerer chronischer Niereninsuffizienz beschrieben.
Asymptomatischer primärer Hyperparathyreoidismus:
Die primäre Überfunktion einer Nebenschilddrüse (pHPT) wird durch eine adäquate Operation definitiv geheilt. Hierbei reicht für die Operationsindikation der wiederholte biochemische Nachweis eines erhöhten Parathormons in Verbindung mit einem erhöhtem Serumkalzium-Wert. Bei nur moderat erhöhtem Serumkalzium und klinischer Beschwerdefreiheit kann unter angemessener ärztlicher Überwachung auch zu Beginn der Erkrankung zunächst ein konservativer Behandlungsversuch mit Medikamenten versucht werden.
PD Dr. med. Bernd Jänigen
Oberarzt
Dr. med. Mira Fink
Fachärztin
Janet Kousoulas
Medizinische Fachangestellte
0761 270- 25 48 0


