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Klinik für Thoraxchirurgie

Lungenmetastasen

Thoraxchirurgie

Abb. 1: Schematische Darstellung einer Lungenmetastase in einem Lungenlappen

Lungenmetastasen sind Absiedlungen (Tochtergeschwülste) von Tumoren, die sich außerhalb der Lunge gebildet haben. Häufig sind Lungenmetastasen ohne Symptome (Krankheitszeichen), gelegentlich können sich jedoch auch Beschwerden bilden wie Atemnot, Husten oder Brustschmerzen. Aufgrund ihrer Symptomlosigkeit werden Lungenmetastasen häufig zufällig oder im Rahmen der Tumornachsorge diagnostiziert. Häufig durch eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs. Die Therapiemöglichkeiten bei Lungenmetastasen hängen sehr vom Einzelfall ab. Neben der Art und Herkunft des Tumors, der die Lungenmetastasen verursacht hat, spielt der gesamte gesundheitliche Zustand des Patienten eine wesentliche Rolle. Neben einer medikamentösen Therapie kann unter bestimmten Voraussetzungen auch die operative Entfernung der Lungenherde angezeigt sein. Ob eine Operation in Frage kommt, ist von vielen Faktoren abhängig, so dass der Rat von Onkologen und Thoraxchirurgen eingeholt werden sollte. Manchmal ist auch eine Kombination von verschiedenen Therapien möglich und notwendig.

Die Absiedlungen können dadurch entstehen, dass sich vom sogenannten Primärtumor (also dem eigentlichen Tumor) einzelne Zellen oder Zellklumpen ablösen und diese über den Blutstrom oder auch die Lymphe in die Lungen gelangen. Unter bestimmten Voraussetzungen können sich diese Zellen im Lungengewebe oder auch in einem anderen Organ ansiedeln und erneut vermehren. Lungenmetastasen können sowohl einzeln (solitär) oder auch multipel entstehen. Manchmal werden Lungenmetastasen bereits zum Zeitpunkt der Diagnose des Primärtumors gefunden, gelegentlich ist es jedoch auch möglich, dass sich Lungenmetastasen erst im Laufe der Krebserkrankung zeigen, manchmal Jahre später.

Abb. 2: Thorax-Röntgenaufnahme eines Patienten mit beidseitigen Lungenmetastasen.

Symptome

Lungenmetastasen bereiten häufig keinerlei Beschwerden, so dass diese zumeist zufällig, etwa anlässlich einer Röntgenuntersuchung des Brustkorbs oder im Rahmen der routinemäßigen Nachsorgeuntersuchungen bei einer bösartigen Grunderkrankung aufgefunden werden. Gelegentlich können Lungenmetastasen jedoch auch Beschwerden machen, etwa in Form von hartnäckigen Hustenattacken, Bluthusten oder in Form einer Lungenentzündung.

Abb. 3: Thorax-Computertomographie eines Patienten mit Lungenmetastasen.

Diagnose

Ein Röntgenbild des Brustkorbes kann den Verdacht des Vorliegens von Lungenmetastasen erbringen, jedoch stellt die Computertomographie (CT) aufgrund der erheblich verbesserten Darstellung der vermuteten Lungenmetastasen die Standarduntersuchung zur Diagnose und Charakterisierung dar. Das CT ist eine spezielle Röntgenuntersuchung, bei der schichtenartige Bilder in hoher Auflösung hergestellt werden. Man kann daher die Lokalisation der Herde sehr genau bestimmen und auch kleinste Herde auffinden. Hochauflösende CT’s (HR-CT) bieten dabei besondere Vorteile.

Eine zunehmende Bedeutung in der Behandlung der Lungenmetastasen gewinnt die PET-CT-Untersuchung (Positronen-Emissions-Tomographie und gleichzeitige Computertomographie). Dabei handelt es sich um eine Ganzkörperuntersuchung, bei der bösartige Tumoren anhand deren gesteigerten Stoffwechselaktivität bildlich zur Darstellung kommen. Wichtige Zusatzinformationen, wie z. B. der Nachweis weiterer metastasensuspekter Herde, auch außerhalb der Lunge oder von Lymphknotenmetastasen, können dabei entdeckt werden.

Der Verdacht des Vorliegens einer Lungenmetastase kann zwar anhand der Bildgebung gestellt werden, zur Diagnosesicherung bedarf es jedoch einer Probenentnahme und feingeweblichen Untersuchung. Die Gewebeprobenentnahme (Biopsie) kann über eine Spiegelung der Atemwege (Bronchoskopie) oder auch durch eine perkutane Punktion (durch die Haut eingeführte Nadel) stattfinden. Eine weitere einfache und zuverlässige Methode stellt die thorakoskopische atypische Resektion dar. Dabei wird mittels Schlüssellochtechnik einer der Lungenherde vollständig entfernt und untersucht.

Therapie

Die verschiedenen Therapiemöglichkeiten hängen beim Vorliegen von Lungenmetastasen sehr vom Einzelfall ab, so dass eine generelle Empfehlung nicht gegeben werden kann. Da die Therapie von Metastasen in den meisten Fällen eine Kombination aus lokalen Therapien (Operation, Bestrahlung) und Systemtherapien (Chemotherapie, Immuntherapie, gezielte, molekulare Therapie) ist, muss eine entsprechende Therapieempfehlung unter Einbeziehung aller Fachdisziplinen erfolgen. Hierfür werden alle Fälle in unseren interdisziplinären Tumorboards besprochen.

Welche Voraussetzungen müssen für eine Therapie gegeben sein?

Man spricht prinzipiell von einer technischen, onkologischen und funktionellen Operabilität. Die technische Operabilität bedeutet hierbei ob es möglich ist, alle sichtbaren Metastasen operativ zu entfernen. Ob dies der Fall ist kann nur durch einen Thoraxchirurgen evaluiert werden. Die onkologische Operabilität beschreibt die Sinnhaftigkeit einer Operation im Rahmen des therapeutischen Gesamtkonzeptes. Sollten z.B. im Körper noch weitere Tochtergeschwülste in anderen Organen vorliegen, ist die operative Therapie von Lungenmetastasen häufig nicht sinnvoll. Außerdem muss hinterfragt werden, ob es Systemtherapien gibt, welche in der aktuellen Situation wirksamer sind oder ob damit zu rechnen ist, dass nach einer Entfernung rasch neue Herde auftreten. Bevor eine Operation bei Lungenmetastasen angestrebt wird, ist daher die vollständige Untersuchung des Körpers z.B. mittels Computertomographie notwendig. Zuletzt muss auch die funktionelle Operabilität vorliegen. Dazu gehören eine ausreichende Funktion des Herz-Kreislauf-Systems und auch eine gute Lungenfunktion.

Wie wird die Operation von Lungemetastasen durchgeführt?

Welche Operationstechnik angewandt wird hängt im Wesentlichen von der Lokalisation und der Anzahl der Metastasen ab. Mehrere operative Methoden können zur Entfernung der Metastasen eingesetzt werden, wobei ein wichtiges Ziel ist, den Verlust an gesundem Lungengewebe zu minimieren (parenchymsparende Resektion). Bei mehreren (>2) und / oder schwierig erreichbaren Herden werden zumeist offene Operationsverfahren im Sinne einer Thorakotomie mit Rippenspreizung und gelegentlich auch Durchtrennung des Brustbeines durchgeführt. Wir führen die Resektionen mit einem Operationslaser durch, wobei es dieser durch die hochpräzise Applikation der Energie Erlaubt auch viele Herde unter maximalem Erhalt des Lungengewebes zu entfernen. Zudem kann so eine besonders gute Versiegelung des Lungengewebes erreicht werden. Bei wenigen, in der Peripherie gelegenen Lungenmetastasen kann die Entfernung auch mittels Schlüsselloch-Technik erfolgen.

Wiederholte Operationen bei Lungenmetastasen sind möglich und im Einzelfall auch sinnvoll. Die Entscheidung dazu muss immer unter Berücksichtigung der Gesamtumstände getroffen werden.

Wie sind die Erfolgsaussichten?

Die Erfolgsaussichten bei einer Operation bei Lungenmetastasen werden von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Dazu zählt vor allem die Art des Primärtumors, der zu den Lungenmetastasen geführt hat, dem Zeitpunkt des erstmaligen Auftretens der Metastasen sowie deren Anzahl. Darüber hinaus ist es wichtig, dass die Metastasen vollständig entfernt werden, um eine längerfristige Tumorfreiheit und in seltenen Fällen sogar Heilung zu erreichen.

 

Wer behandelt Patienten mit Lungenmetastasen?

Die Behandlung von Patienten mit Lungenmetastasen erfordert meistens die Zusammenarbeit von verschiedenen Fachdisziplinen. Das Universitätsklinikum Freiburg hat hierfür ein spezialisiertes Zentrum für chirurgische Metastasentherapie etabliert. Das Zentrum für chirurgische Metastasentherapie ist eine gemeinsame Initiative von 4 hochspezialisierten operativen Kliniken, die alle spezielle Erfahrung in der operativen Therapie von Krebsmetastasen haben. Bei vielen Patienten ist neben der Operation eine zusätzliche Systemtherapie (Chemo-, Immun- oder gezielte molekulare Therapie) oder Bestrahlung notwendig. Das Zentrum für chirurgische Metastasentherapie steht daher in enger Kooperation mit der Klinik für Hämatologie und Onkologie, der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie, der Klinik für Strahlentherapie sowie der Klinik für Nuklearmedizin.

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