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Klinik für Thoraxchirurgie

Lungenemphysem

Thoraxchirurgie

Das Lungenemphysem ist eine Erweiterung und Zerstörung der endständigen Lufträume (Abb. 1). Diese Behinderung der Atemwege kann in einer Lungenfunktionsanalyse gemessen werden. Das Lungenemphysem ist charakterisiert durch die Abnahme der Gasaustauschfläche und der Dehnbarkeit der Lunge. Die chronisch-obstruktive Bronchitis ist eine Erkrankung, die verhindert und behandelt werden kann. Sie ist vergesellschaftet mit einer Entzündungsreaktion, die durch Stoffe und Gase, wie sie beim Zigarettenrauchen vorkommen, verursacht wird. Bei Patienten unter 40 Jahren wird das Lungenemphysem meistens durch einen Alpha-I Antitrypsinmangel verursacht. Bei älteren Patienten entwickelt sich das Lungenemphysem meist als Folge von einer chronischen Bronchitis, verursacht durch Rauchen.

Symptome

Charakteristisch für den Krankheitsverlauf des Lungenemphysems ist eine stetige Verschlechterung der Lungenfunktion und damit assoziiert eine Verschlechterung des allgemeinen Befindens, der Leistungsfähigkeit und der Lebensfähigkeit.

Die Anfangsstadien der Erkrankung werden leider von den Patienten häufig übersehen, da der zunehmenden Belastungs-Luftnot infolge körperlicher Schonung häufig keine Aufmerksamkeit geschenkt wird. Gerade jedoch die frühe Diagnose der Erkrankung ermöglicht durch eine optimale Therapie das Voranschreiten zu verhindern.

Das auffälligste und erste Symptom ist der chronische Husten, der initial besonders morgens, später dann auch tagsüber vorhanden ist. In den meisten Fällen kann ebenfalls eine Assoziation zu inhalativem Tabakrauchen hergestellt werden. Bei der körperlichen Untersuchung fällt meistens eine verlängerte Ausatemphase mit charakteristischen Lungengeräuschen auf. Ferner kommt es zu einer typischen Verformung des Brustkorbs, vergleichbar mit einem Fass, einer Konzentrationsschwäche und eventuell bläulicher Verfärbung von Lippen und Schleimhäuten.

Diagnose

In Frühstadien ist eine einfache Unterscheidung zwischen chronisch-obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem meist sehr schwierig. In fortgeschrittenen Stadien ist die Unterscheidung mittels differenzierter Lungenfunktionsanalyse und Bildgebung in Bezug auf eine optimale Therapie jedoch sinnvoll.

Zur Diagnose gelangt der behandelnde Arzt, indem er die Krankengeschichte des Patienten, dessen körperliche Untersuchung und verschiedene Parameter apparativer Diagnostik (verschiedene Lungenfunktions-Prüfungen mittels Spirometrie, Ganzkörperplethysmographie und Diffusionskapazität) berücksichtigt.

Da bei Patienten mit chronisch-obstruktiver Bronchitis eine veränderte Konstellation des Sauerstoffs und des Kohlenstoffdioxids im Blut angetroffen wird, sollte man ebenfalls eine sogenannte Blutgasanalyse durchführen. Hierzu reicht es meist, ein wenig Blut aus dem Ohrläppchen zu gewinnen, um dann die Blutgase zu messen. Diese Werte spiegeln ebenfalls den Schweregrad der Erkrankung wider und werden zu Rate gezogen, um eine eventuelle Heimsauerstoff-Versorgung für den Patienten in die Wege zu leiten.

Normale Röntgenuntersuchungen (Abb. 2) bzw. Computertomographien des Brustkorbs können dann im weiteren Verlauf aus der chronisch-obstruktiven Bronchitis entstehende blasige Veränderungen (Emphysemblasen) identifizieren und bedeutsame, häufig vergesellschaftete Erkrankungen wie den Lungenkrebs oder eine Überwässerung der Lunge im Rahmen von Herzerkrankungen abgrenzen. Ganz besonders wichtig ist die Computertomographie des Brustkorbs zur Planung einer eventuellen operativen Sanierung des Lungenemphysems.

Eine mögliche Komplikation bei blasigen Veränderungen der Lunge ist das Platzen dieser Lufträume mit Luftaustritt und Zusammenfallen der Lunge (Pneumothorax).

Therapie

Das vorrangige Ziel ist die Reduktion inhalativer Giftstoffe, wie sie zum Beispiel am Arbeitsplatz auftreten können. In diesem Zusammenhang ist die allerwichtigste Maßnahme der Verzicht auf Rauchen. Die Beendigung des Rauchens verringert nicht nur das Auftreten von Komplikationen der chronisch-obstruktiven Bronchitis wie zum Beispiel die akute Bronchitis oder die Lungenentzündung, sondern verringert auch die Sterblichkeit der Erkrankung. Raucherentwöhnungsprogramme mit Verhaltenstherapie, soziale Unterstützung und einer medikamentösen Therapie zur Behandlung der Nikotinabhängigkeit (Nikotin-Kaugummi, Nikotin-Pflaster) können die Erfolgsquoten von Entwöhnungsprogrammen steigern. Die Langzeittherapie der stabilen chronisch-obstruktiven Bronchitis bzw. des Lungenemphysems ist durch eine schrittweise Steigerung der Therapiemaßnahmen in Abhängigkeit vom Schwierigkeitsgrad der Erkrankung gekennzeichnet.

Im Gegensatz zur Beendigung der Nikotinzufuhr lässt sich durch die medikamentösen Ansätze die Progression der Beeinträchtigung der Lungenfunktion nicht beeinflussen. Sie ermöglicht lediglich eine Linderung der Beschwerden, eine Besserung von körperlicher Leistungsfähigkeit und Lebensqualität bzw. die Häufigkeit von auftretenden Komplikationen.

Inhalative Medikamente, sind die Basis-Medikamente zur Linderung der Beschwerden bei chronisch-obstruktiver Bronchitis. Inhalatives Cortison kann besonders im Rahmen der Behandlung von Komplikationen im Sinne einer akuten Bronchitis oder einer Lungenentzündung eingesetzt werden. Die Langzeitsauerstofftherapie über 16–24 Stunden am Tag bei Patienten mit verminderten Sauerstoffgaswerten im Blut verbessert die Prognose. Eine effiziente Langzeitbetreuung bedarf einer eng verzahnten Versorgung durch Hausarzt, Facharzt, Akutkrankenhaus sowie stationärer und ambulanter Rehabilitation. Durch die medikamentöse Therapie kommt es zu einer Zunahme der körperlichen Leistungsfähigkeit, einer Steigerung der Lebensqualität sowie Prävention von Komplikationen.

Eine Normalisierung der Lungenfunktion ist nicht zu erwarten. Husten und Auswurf bessern sich nach Ausschalten der Giftstoffe insbesondere nach Aufgabe des Nikotinkonsums. Die Luftnot wird durch die inhalativen Medikamente günstig beeinflusst. Ausgewählte Patienten mit angeborenem Alpha-I-Protease Inhibitormangel, die bereits frühzeitig ein Lungenemphysem entwickelt haben, können unter Umständen von einer regelmäßigen Gabe von aus menschlichem Plasma gewonnenen Alpha-I-Protease Inhibitor profitieren.

Beachtet werden muss ebenfalls, dass Patienten mit chronisch-obstruktiver Bronchitis im Krankheitsverlauf eine ausgeprägte Osteoporose (Knochenarmut) entwickeln können, die durch Immobilität, mangelhafte Ernährung und die langfristige Einnahme von Kortison-Präparaten begünstigt wird. Eine dementsprechende Calcium-Ergänzung ist zu empfehlen.

Nicht zu unterschätzen ist ein konsequent durchgeführtes körperliches Training, welches bei den Patienten zur Steigerung der Lebensqualität und Belastbarkeit und zur Verringerung der Komplikationsrate führt. Bei großen blasigen Veränderungen der Lunge (Bullae), die das benachbarte Gewebe komprimieren, kann die Entfernung der Bulla zu einer Verbesserung der Lungenfunktion und zu einer Abnahme der Luftnot führen.

Auch die Entfernung von insgesamt überblähten Lungenanteilen kann durch so genannte Lungenvolumenreduktionsoperationen zur Linderung der Luftnot und zur Verbesserung der Lungenfunktion eingesetzt werden. Dieses Verfahren kann in Einzelfällen auch als „Überbrückung“ für eine Lungentransplantation dienen. In manchen Fällen scheidet ein operatives Verfahren als Therapieoption des Emphysems aus. Hier kann die endoskopische Lungenvolumenreduktion eine Alternative darstellen.

Infobroschüre Lungenemphysem

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Die Interdisziplinäre Freiburger Emphysemkonferenz bietet Spezialisten der Thoraxchirurgie und Pneumologie sowie allen interessierten Kollegen in Klinik und Praxis eine Plattform zum interdisziplinären Austausch und zur Kooperation. Es können eigene Fälle zur Diskussion eingereicht werden. Die Freiburger Emphysemkonferenz findet einmal wöchentlich, immer dienstags um 17.00 Uhr, statt.

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