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Klinik für Thoraxchirurgie

Lungentransplantation

Thoraxchirurgie

Eine Lungentransplantation ist für Patienten mit fortgeschrittenen Lungenerkrankungen oftmals die letzte Therapiemöglichkeit. Wenn konservative Behandlungsmaßnahmen nicht mehr erfolgversprechend oder die Lebensqualität der Patienten zudem erheblich eingeschränkt ist, kommt die Transplantation in Frage. Am Universitätsklinikum Freiburg werden Lungentransplantationen seit 2003 durchgeführt. Die Klinik für Thoraxchirurgie Freiburg ist damit das einzige Lungentransplantationszentrum in Baden-Württemberg. Hier wird eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Thoraxchirurgen, Herzchirurgen, Pneumologen, Anästhesisten und Intensivmedizinern gepflegt – eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Transplantation, die immer das Ergebnis der Zusammenarbeit von Spezialisten auf höchstem Niveau darstellt.

Anwendungsgebiete: Wann wird eine Lungentransplantation erwogen?

Bei Erkrankungen wie Mukoviszidose, Lungenfibrose und Emphysem/COPD stellt die Lungentransplantation eine Behandlungsoption für Patienten im Endstadium einer solchen Erkrankung dar. In seltenen Fällen erfolgt eine Lungentransplantation auch bei Erkrankungen wie pulmonaler Hypertonie, Lymphangioleiomyomatose oder Sarkoidose.

Abb. 5: Organspender 2013.

Ablauf: Welche Schritte führen zu einer Lungentransplantation und wie läuft sie ab?

Um festzustellen, ob ein Patient mit einem hochgradigen Verlust der Lungenfunktion die Voraussetzungen für eine Transplantation erfüllt, müssen das Ausmaß der Lungenerkrankung und möglicher weiterer Begleiterkrankungen abgeklärt werden. Wenn der behandelnde Arzt eine Transplantation als eine mögliche Therapieoption für einen Patienten erkennt, weist er ihn zunächst der Pneumologischen Ambulanz der Universitätsklinik Freiburg zu. Im Rahmen eines etwa einwöchigen stationären Aufenthalts werden entsprechende Untersuchungen durchgeführt, anhand derer das individuelle Operationsrisiko abgeschätzt werden kann. Der Patient erhält darüber hinaus die Möglichkeit, in einem Gespräch mit dem Thoraxchirurgen und dem Anästhesisten die für ihn wichtigen Fragen zu klären. Es ist wünschenswert, dass Familienangehörige bei diesem Gespräch anwesend sind.

Wartezeit auf ein Spenderorgan

Nach Abschluss der Untersuchungen wird in einer interdisziplinären Konferenz aus Thoraxchirurgen, Pneumologen, Anästhesisten und Intensivmedizinern darüber entschieden, ob ein Patient ein Kandidat für eine Lungentransplantation ist. Erfüllt der Patient die notwendigen Kriterien, wird er in die internationale Liste für Lungentransplantationen aufgenommen. Eurotransplant verwaltet diese zentrale Datenbank in Leiden (Niederlande) und koordiniert alle Daten von Organspendern und -empfängern aus 8 europäischen Ländern. Die Vermittlung von Organen erfolgt nach einem genau festgelegten Algorithmus. Seit 2011 gilt der Lung Allocation Score (LAS). Ein Punktwert, der von 0 bis 100 reicht und den Benefit durch die Lungentransplantation beschreibt. Viele verschiedene Faktoren werden beim LAS berücksichtigt (Sauerstoffbedarf, Grunderkrankung etc.). Trotz der Anstrengung vieler Organisationen herrscht nach wie vor eine schwere Knappheit an Spenderorganen – die Folge sind monatelange, teilweise jahrelange Wartezeiten.

Das Fortschreiten der Grunderkrankung ist häufig nur schwer abzuschätzen. Um dem Patienten zeitgerecht eine Organtransplantation anbieten zu können, empfiehlt sich eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit unserem Zentrum. Wichtig ist, dass während dieser Zeit der Patient immer auf Abruf sein muss – er muss jederzeit und überall erreichbar sein.

Explantation und Transplantation

Erhält das Lungentransplantationszentrum Freiburg von Eurotransplant ein Organangebot für einen seiner Patienten, prüfen die Experten zunächst anhand verschiedenster Kriterien, ob das Organ geeignet sein könnte. Ist dies der Fall, kontaktieren wir den Patienten, der dann unmittelbar in die Klinik gebracht wird. Zeitgleich sucht ein Explantationsteam mit einem speziell geschulten und erfahrenen Thoraxchirurgen die Klinik mit dem möglichen Spender auf. Sofern das Organ die erforderlichen Kriterien erfüllt, wird es akzeptiert und entnommen. Es ist wichtig, den Zeitraum zwischen Entnahme und Transplantation möglichst kurz zu halten, da die Funktionsfähigkeit der explantierten Lunge stark von einer möglichst kurzen Transportzeit abhängt. Durch eine exakte logistische Planung wird gewährleistet, dass zwischen Entnahme und Transplantation nur wenige Stunden vergehen. Um das neue Organ nach der Ankunft möglichst schnell transplantieren zu können, hat parallel zur Entnahme in Freiburg bereits die Operation des Empfängers begonnen.

Die Transplantation verlangt vom ganzen OP-Team höchste Konzentration: Vom Operateur, der die „alten“ Lungenflügel entfernt und die „neuen“ Lungenflügel einnäht, vom Anästhesisten, der die tiefe Narkose und die Herz-Kreislauf-Funktion während dieser Zeit aufrecht erhält und vom Pflegepersonal, das alle Akteure unterstützt. Die Transplantation beider Lungenflügel dauert dabei durchschnittlich 6 bis 10 Stunden.

Folgen: Wie geht es nach der Transplantation weiter?

Von dem Operationssaal wird der Patient auf die Intensivstation verlegt, die transplantierte Lunge ist noch unterstützend beatmet. Ziel ist, den Patienten von der Beatmungsmaschine zu entwöhnen, wenn die Lunge ihre Funktion aufgenommen hat. Dies gelingt meistens innerhalb der ersten 48 Stunden. Wie lange der stationäre Aufenthalt eines Patienten ist, kann stark variieren. Es muss jedoch mit mindestens 3 Wochen gerechnet werden. In der Regel schließt sich ein Reha-Aufenthalt an.

Eine Transplantation von Organen bedarf grundsätzlich einer lebenslangen ärztlichen Kontrolle. Um eine Abstoßung der fremden Lungen zu verhindern, wird sofort nach der Implantation eine immunsuppressive Therapie eingeleitet. Das Immunsystem eines transplantierten Patienten muss lebenslang durch die Einnahme von sogenannten Immunsuppressiva gedrosselt werden. Dadurch ist der Patient prinzipiell in seiner Immunabwehr abgeschwächt und anfälliger für virale und bakterielle Infektionen. Darüber hinaus kann es zu Abstoßungsreaktionen kommen, die erkannt und behandelt werden müssen. Neben einer engmaschigen und regelmäßigen Kontrolle ist eine disziplinierte Mitarbeit des Patienten unbedingt erforderlich.

Überlebensrate: Wie ist die statistische Erfolgsaussicht einer Lungentransplantation?

Die Ergebnisse von Lungentransplantationen sind ermutigend: Die Ein-Jahres-Überlebensrate liegt weltweit bei 80 bis 90 %. Etwas weniger erfolgversprechend ist die mittelfristige Perspektive, derzeit beträgt die Fünf-Jahres-Überlebensrate leider nur 60 %. Diese Zahlen liegen noch deutlich unter den Überlebensraten, wie sie von Nieren- bzw. Lebertransplantationen bekannt sind. Sorge bereitet hierbei insbesondere die chronische Abstoßung. Dieses Thema wird derzeit weltweit intensiv beforscht und es bleibt zu hoffen, dass zukünftige wissenschaftliche Ergebnisse die Überlebensrate langfristig verbessern werden.

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Ansprechpartner

Dr. Patrick von Samson-Himmelstjerna

Oberarzt

Telefon: 0761 270-90760

patrick.samson@uniklinik-freiburg.de

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Robert-Koch-Klinik
Hugstetter Straße 55
79106 Freiburg
Telefon: 0761 270-24570 (Sekretariat)
Telefax: 0761 270-24990

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