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Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie

Was ist morbide Adipositas?

Adipositas, eine neue Pendemie

Die Weltgesundheitsorganisation WHO nahm die Adipositas 1997 in die Liste globaler Epidemien auf. Nach Angaben der WHO fordert die Adipositas jährlich über 2,5 Millionen Todesopfer. In den USA leiden über 60 % der Erwachsenen an Übergewicht oder Adipositas, 30 % sind adipös und 5 % werden als morbid adipös (BMI > 40 kg/m2) diagnostiziert. 2009 waren in Deutschland laut Statistischem Bundesamt 51 % der erwachsenen Bevölkerung übergewichtig und 15 % adipös, 16 % der Männer und 14 % der Frauen.

Bestimmen Sie Ihren Body Mass Index

Das Gewicht alleine verrät Ihnen nicht alles über Adipositas. Der Body Mass Index (BMI) wird üblicherweise benutzt, um Vorliegen und Grad der Adipositas zu bestimmen. Der BMI ist die Relation des Gewichts (in kg) zu Ihrer Körpergröße im Quadrat (m2).

BMI < 20 Untergewicht
BMI 20-25 Normalgewicht
BMI 26-30 Übergewicht
BMI 31-34 Adipositas Grad 1
BMI 35-40 Adipositas Grad 2
BMI > 40 Adipositas Grad

 

 

Adipositas ist eine Krankheit mit vielen Ursachen

Adipositas ist eine Krankheit mit vielen Ursachen. Viele Aspekte kommen bei ihrer Entstehung und im Verlauf zusammen: Genetische und metabolische Faktoren, das Verhalten und manchmal auch Virusinfektionen (so mit dem Adenovirus Ad-36) können eine Rolle spielen. Adipositas lässt sich aber auch als Konsequenz einer "positiven Energiebilanz" beschreiben. Eine konstante Energiebilanz des Körpers resultiert aus der Balance zwischen "empfangener" und "ausgegebener" Energie; bei Adipositas wird mehr empfangen als ausgegeben.

Adipositas ist ein Risikofaktor

Adipositas ist ein wesentlicher Risikofaktor für kardiovaskuläre Krankheiten. Aus klinischer Sicht ist Adipositas auch der Hauptfaktor, der für das so genannte metabolische Syndrom prädisponiert; dazu gehören Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung), Hypertonie (Bluthochdruck), Störungen im Kohlenhydratstoffwechsel (Insulinresistenz, Diabetes mellitus Typ 2) u. a.

Das metabolische Syndrom

Eine Definition des metabolischen Syndroms wurde 2001 vom "National Programme of Cholesterol Education" der USA (Adult Treatment Panel III, NCEP) vorgeschlagen. Die Diagnose für das metabolische Syndrom wird gestellt, wenn mindestens drei der folgenden fünf Kriterien erfüllt sind:

  1. Nüchternblutzucker im venösen Blutplasma über 6,1 mmol/l (>110mg/dl), d.h. Vorliegen von Diabetes mellitus Typ 2
  2. Arterieller Blutdruck über 130/85 mmHg oder Einnahme blutdrucksenkender Medikamente,
  3. Konzentration der Triglyzeride im Blut ≥1,7 mmol/l (150 mg/dl)
  4. Konzentration von HDL Cholesterin < 1,03 mmol/l (40mg/dl) bei Männern und < 1.29 mmol/l (50 mg/dl) bei Frauen
  5. Abdominelle Fettverteilung, bestimmt durch einen Bauchumfang von über 102 cm bei Männern oder über 88 cm bei Frauen

Adipositas und kardiovaskuläre Krankheiten

Der WHO zufolge gehören arterielle die Hypertonie und ihre Komplikationen zu den global wichtigsten Mortalitätsrisiken. Fast eine Millionen Menschen weltweit weisen dieses Krankheitsbild auf. Adipositas gilt als der wichtigste Risikofaktor für Hypertonie und die koronare Herzkrankheit. In der Framingham-Studie wurde nachgewiesen, dass ein steigender BMI zu steigendem Blutdruck führt. 70 % der Männer und 61 % der Frauen mit arterieller Hypertonie sind demnach adipös. Bei diesen liegt ein dreifach erhöhtes Risiko vor, an Hypertonie zu erkranken, als bei Personen mit normalem BMI.

Adipositas und weitere Begleiterkrankungen

Adipositas wird von einer Vielzahl weiterer Krankheiten begleitet: Gelenk- und Gliederschmerzen (Arthrose), Schlafapnoe, Diabetes mellitus Typ 2 und Störungen des Fettsäurestoffwechsels. All diese Komorbiditäten beeinträchtigen die Lebensqualität der Patienten in einschneidender Weise.

Die Behandlung von Adipositas

Eine erfolgreiche Adipositastherapie kann die Lebensqualität von Patienten deutlich verbessern, das Risiko der Komorbiditäten mindern bzw. bereits bestehende Komorbiditäten lindern oder gar heilen, aktive Lebensführung und Selbstachtung wiederherstellen und schließlich die Lebenserwartung verlängern.

Verhaltenstherapie und Wandel der Lebensführung

Gegenwärtig sieht man in einer Änderung von Verhaltensweisen den Königsweg der Adipositastherapie, aber für viele Patienten ist es auch der schwierigste. Mehr körperliche Aktivität (30-45 min täglich an 3-5 Tagen in der Woche), kein Nikotinkonsum und moderater Alkoholgenuss senken das Risiko, kardiovaskulär zu erkranken, und verbessern den BMI. Unglücklicherweise sind nur wenige Patienten in der Lage, ihre Leben entsprechend umzustellen.

Pharmakologische Therapie von Adipositas

Eine pharmakologische Behandlung von Adipositas wird indiziert, wenn sich 6 Monate nach Beginn der Verhaltenstherapie kein Gewichtsverlust einstellt und der BMI ≥ 30 kg/m2 liegt bzw. ≥ 27 kg/m2 bei Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren. Zweck der Pharmakotherapie ist es, den BMI und damit das kardiovaskuläre Risiko zu senken. Zurzeit werden unter anderem diese Medikamente angewendet: Sibutramin, Orlistat und Rimonabant.

Orlistat reduziert die Absorption von Fett im Verdauungstrakt. Bei regelmäßiger Einnahme stellt sich eine Reduktion des BMI von 5-10 % bei 50-60 % der Patienten ein, was sich positiv auf Fettstoffwechsel und Insulinspiegel auswirkt. Unerwünschte Nebenwirkungen betreffen meistens den Verdauungstrakt.

Sibutramin hemmt die neuronale Aufnahme von Noradrenalin und Serotonin, wodurch ein Sättigungsgefühl hervorgerufen wird. Der BMI wird um 5-10 % bei 60-70 % der Patienten reduziert. Unerwünschte Nebenwirkungen können am Kreislaufsystem auftreten, beispielsweise erhöhter arterieller Blutdruck und Tachykardie (Herzrasen). Deshalb darf Silbutramin bei Hypertonie, koronarer Herzkrankheit oder Herzrhythmusstörungen nur mit größter Vorsicht verabreicht werden.

Rimonabant wirkt als Antagonist des Cannabinoid-1-Rezeptors, wodurch der Appetit gezügelt wird. Die Wirkung dieses Medikaments auf den BMI ist vergleichbar mit den beiden zuvor genannten. Das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen wird möglicherweise durch eine Verbesserung des kardiometabolischen Profils gesenkt; hier ist noch weitere Forschung nötig. Unerfreuliche Nebenwirkung ist die Begünstigung von Depressionen. Psychische Störungen beschränken also den Einsatz dieses Medikaments.

Chirurgische Behandlung von Adipositas

Eine chirurgische Behandlung kommt bei solchen Patienten zum Einsatz, bei denen die oben angeführten Methoden nicht anschlagen, wenn der BMI ≥ 40 kg/m2 beträgt bzw. > 35 kg/m2 bei Vorliegen weiterer Risikofaktoren (Hypertonie, Diabetes).Nach den neuesten Leitlinien für die chirurgische Therapie der Adipositas kann bei Patienten mit einem Diabetes Typ 2 bereits bei einem BMI zwischen 30 und 35 eine bariatrische Operation im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie erwogen werden. Wir als Zentrum für Adipositas und metabolische Chirurgie initiieren gerade solche Studien und sind insbesondere auch an den metabolischen Effekten der operativen Therapie der Adipositas interessiert.

Die chirurgische Behandlung zeichnet sich durch die höchste Effektivität in Bezug auf Gewichtsreduktion und Verbesserung der Risikofaktoren aus.

Adipositas und ihre Begleitkrankheiten stellen ein wachsendes klinisches Problem dar. Für die moderne Medizin ist es eine große Herausforderung, effektive Behandlungsmethoden zu entwickeln. Für eine angemessene Therapie, die auch individuelle Patientenbedürfnisse berücksichtigt, ist es unabdingbar, dass Internisten, Diabetologen, Kardiologen und metabolische Chirurgen zusammenarbeiten. Der Erfolg der Behandlung hängt von dieser Kooperation ab. Angesichts der geringen Effektivität einer Verhaltenstherapie und den Nachteilen einer Pharmakotherapie (Nebenwirkungen, Polypharmakotherapie, mangelnde Disziplin bei der Einnahme) bleibt für viele Patienten die Chirurgie als einzige Erfolg versprechende Alternative. Die Eingriffe werden laparoskopisch, also minimalinvasiv durchgeführt ("Schlüssellochchirurgie"), wobei sich diese Technik immer weiter verfeinert; damit wird die Belastung für den Patienten zusehends geringer. So bietet die laparoskopische metabolische Chirurgie der Adipositastherapie die besten Chancen mit nur wenigen Komplikationen.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Goran Marjanovic
Leiter des Zentrums für Metabolische und Adipositaschirurgie

Terminvereinbarung

Telefon: 0761 270-29420, Frau Hossaini

Sie erreichen uns telefonisch montags, dienstags und donnerstags von 11 Uhr bis 15 Uhr, mittwochs von 10 Uhr bis 12 Uhr.
Außerhalb dieser Sprechzeiten können Sie uns eine Mail schicken an: chir.adipositas@uniklinik-freiburg.de